Hoch- und höchstbegabte Erwachsene Eine Vergleichsstudie hinsichtlich ihres persönlichen Erlebens der Begabung sowie ihrer Erfahrung mit Psychotherapie Datum der Veröffentlichung: 27.12.2022 Verfasserin: Dipl.-Psych. Christina Heil Psychologische Psychotherapeutin Kandelstraße 13 75179 Pforzheim Tel.: 07231/7757485 E-Mail: psychotherapie-heil@gmx.de Internet: www.psychotherapie-heil.de Ich danke herzlich allen TeilnehmerInnen meiner Studien, die durch ihre Offenheit und ihr Vertrauen zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben! © Dipl.-Psych. Christina Heil: Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Sein Inhalt darf nicht verändert werden. Veröffentlichungen dieser Arbeit in Print-Medien oder auf anderen Websites bedürfen meiner Zustimmung. Zitate sind mit einem Hinweis auf diese Arbeit zu versehen und sind nicht zustimmungspflichtig. 1 Inhalt 1 Theoretischer Hintergrund ................................................................................................................... 4 2 Methode ............................................................................................................................................... 4 3 Ergebnisse ............................................................................................................................................ 7 3.1 Allgemeine Angaben .................................................................................................................... 7 3.2 begabungsbezogene Erlebens- und Verhaltensmerkmale ........................................................... 10 3.2.1 Schnelles und komplexes Denken........................................................................................ 13 3.2.2 Logisch-analytische Fähigkeiten.......................................................................................... 14 3.2.3 Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn ......................................................................................... 15 3.2.4 Kritisches Denken ................................................................................................................ 16 3.2.5 Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit............................................................................... 16 3.2.6 Unabhängigkeit im Denken ................................................................................................. 17 3.2.7 Bedürfnis nach viel intellektuellem Input ............................................................................ 18 3.2.8 Hohe Bedeutung moralischer Werte .................................................................................... 19 3.2.9 Breit gefächerte Interessen ................................................................................................... 19 3.2.10 Visuell-räumlicher Denk- und Lernstil .............................................................................. 20 3.2.11 Hohe intrinsische Motivation ............................................................................................. 21 3.2.12 Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens ........................ 21 3.2.13 Hohe sprachliche Fähigkeiten ............................................................................................ 22 3.2.14 Hohe Sensibilität ................................................................................................................ 23 3.2.15 Perfektionismus.................................................................................................................. 24 3.2.16 Imaginationsneigung .......................................................................................................... 24 3.2.17 Kreativität .......................................................................................................................... 25 3.2.18 Geringer Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten ................................................................. 26 3.2.19 Sehr gutes Gedächtnis ........................................................................................................ 27 3.2.20 Intensive Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer .............................................................. 28 3.2.21 Beschäftigung mit existenziellen Themen ......................................................................... 28 3.2.22 Hohes Energielevel ............................................................................................................ 29 3.2.23 Intensive Emotionalität ...................................................................................................... 30 3.2.24 Synästhesie ......................................................................................................................... 31 3.3 Begabungsbezogene Schwierigkeiten ......................................................................................... 31 3.3.1 Gefühl der Andersartigkeit................................................................................................... 32 3.3.2 Gefühl von anderen Menschen nicht verstanden zu werden ................................................ 33 3.3.3 Langeweile bei Routineaufgaben des Alltags ...................................................................... 33 3.3.4 Unterforderung in Beruf oder Ausbildung ........................................................................... 34 3.3.5 Underachievement ............................................................................................................... 34 3.3.6 Einsamkeit............................................................................................................................ 35 2 3.3.7 Ungenügende Lernstrategien ............................................................................................... 36 3.3.8 Sinnkrisen ............................................................................................................................ 36 3.3.9 Probleme anderen Menschen zu vertrauen und sich auf Beziehungen einzulassen ............. 37 3.3.10 Mobbing ............................................................................................................................. 37 3.4 Erfahrungen mit Psychotherapie ................................................................................................. 38 3.4.1 Verständnis durch den / die Therapeut*in ........................................................................... 39 3.4.2 Zusammenarbeit in der Therapie ......................................................................................... 40 3.4.3 Berücksichtigung der Hoch- und Höchstbegabung.............................................................. 40 3.4.4 Wünsche der Teilnehmer*innen an Therapeut*innen .......................................................... 41 4 Diskussion .......................................................................................................................................... 42 4.1 Aussagekraft und Grenzen der Studie ......................................................................................... 42 4.2 Gemeinsamkeiten und Unterschiede ........................................................................................... 43 4.2.1 Kognitive Differenziertheit .................................................................................................. 46 4.2.2 Visuelle Orientierung ........................................................................................................... 48 4.2.3 Offenheit für Neues .............................................................................................................. 49 4.2.4 Hohe Aktivität ...................................................................................................................... 50 4.2.4 Weiter Horizont.................................................................................................................... 52 4.2.5 Geringe Passung im System ................................................................................................. 53 4.2.6 Geringe Passung mit Normalbegabten ................................................................................. 55 4.2.7 Vulnerabilität ....................................................................................................................... 58 4.3 Schlussfolgerungen ..................................................................................................................... 60 5 Literatur.............................................................................................................................................. 62 5.1 Bücher und Artikel ...................................................................................................................... 62 5.2 Weblinks ..................................................................................................................................... 63 3 1 Theoretischer Hintergrund Intellektuell hochbegabte Menschen haben per Definition einen Intelligenzquotienten von zwei oder mehr Standardabweichungen über dem Mittelwert von 100 in einem wissenschaftlich anerkannten Intelligenztest. Dies betrifft etwas mehr als 2% der Bevölkerung und entspricht hierzulande einem Intelligenzquotienten von 130 oder mehr. Der Intelligenzquotient höchstbegabter Menschen liegt hingegen mindestens drei Standardabweichungen über dem Mittelwert, was 0,1% der Menschen betrifft und einem Intelligenzquotienten von 145 oder mehr entspricht. Trotz dieses beträchtlichen Intelligenzunterschiedes zwischen Hoch- und Höchstbegabten wurde möglichen Unterschieden zwischen beiden Gruppen in der bisherigen empirischen Forschung kaum Rechnung getragen. Stattdessen wurden Hoch- und Höchstbegabte in den aller meisten Studien schlichtweg gemeinsam in der Gruppe der Hochbegabten subsummiert (z.B. Cross & Cross, 2015; Karpinski, Kinase-Kolba, Tetreault & Worowskid, 2018; Rinn & Bishop, 2015; Rost, 1993, 2009). Einige wenige Studien untersuchten ausschließlich Höchstbegabte (z.B. Ferriman, Lubinski & Benbow, 2009; Gross, 2006; Lubinski, Webb, Morelock & Benbow, 2001). Da jedoch in der gesamten Hoch- und Höchstbegabtenforschung Selektionseffekte durch die Stichprobenwahl vorliegen und zudem aus einigen der genannten Studien nicht klar hervorgeht, wie die Stichproben gewonnen wurden (vgl. Heil, 2021a, 2021b), sind die Befunde aus diesen Hoch- und Höchstbegabtenstudien praktisch nicht vergleichbar. In der psychologischen Fachliteratur finden sich vereinzelt Beschreibungen, die auf Unterschiede zwischen Hoch- und Höchstbegabten hindeuten, beispielsweise bei Jacobsen (2000). Demnach wüssten Hochbegabte die Antworten auf alle Fragen, während Höchstbegabte die Antworten in Frage stellten. Hochbegabte seien aufmerksam und konzentriert, wenn eine Aufgabe sie interessiere, Höchstbegabte seien von der Aufgabe mental und physisch völlig absorbiert. Hochbegabte könnten sich gut Fakten merken und gingen logisch vor, während Höchstbegabte Lösungen scheinbar eher intuitiv fänden. Höchstbegabte seien außerordentlich kreativ und individuell. Der Fokus auf ihren Beruf oder bestimmte Projekte sei außerordentlich stark. Einige Höchstbegabte zeigten auch Multipotentialität, also Begabungen in mehreren Bereichen und schienen sämtliche Phänomene noch gründlicher zu durchdenken und zu hinterfragen als moderat Hochbegabte, was auch die eigene Person betreffe. Brackmann (2020) analysierte sehr fundiert die Biografien von herausragenden vermutlich höchstbegabten Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe, Albert Einstein, Marie Curie, Wolfgang Amadeus Mozart, Charles Darwin, Steve Jobs und Vielen mehr und kam zu dem Schluss, dass die vielschichtige Persönlichkeit höchstbegabter Menschen durch folgende auf den ersten Blick unvereinbar erscheinende Gegensätze gekennzeichnet sei: Sensibilität und Risikobereitschaft, Einsamkeit und Geselligkeit, große Visionen und Selbstzweifel, Anpassung und Rebellion, hohe Energie und Erschöpfung, Genügsamkeit und hohe Ansprüche, Krankheit und Produktivität, Naivität und Reife, Leidenschaft und Zurückhaltung, Liebesbeziehungen und Freiheitsdrang sowie Idealismus und Pessimismus. Empirische Studien zu quantitativen und qualitativen Unterschieden zwischen Hoch- und Höchstbegabten fehlen jedoch meines Wissens bisher ganz. Daher ist das Ziel der vorliegenden Studie, erste Hinweise auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Erleben und Verhalten von Hoch- und Höchstbegabten herauszuarbeiten und damit Ansatzpunkte für weitere Forschungsarbeiten zu schaffen. 2 Methode Der Vergleichsstudie zugrunde liegen meine im Jahr 2020 durchgeführte Studie mit 72 Höchstbegabten (Heil, 2021a) sowie meine im Jahr 2021 durchgeführte Studie mit 87 Hochbegabten (Heil, 2021b). Die Vergleichbarkeit ist gegeben, da beide Studien exakt gleich mit demselben Fragebogen durchgeführt wurden und der Stichprobengewinnung abgesehen von Verein Triple Nine 4 Society, der nur höchstbegabte Mitglieder hat, dieselbe Grundgesamtheit zugrunde lag. Somit können in beiden Studien dieselben Selektionseffekte bei der Stichprobengewinnung vermutet werden. In beiden Studien wurden die Teilnehmer*innen über eine E-Mail-Anfrage an die Vereine Mensa e.V., an die Plattform UnIQate für hochbegabte Erwachsene, an die Mailingliste „Fachkreis Hochbegabung“ der Psychotherapeutin Frauke Niehues und an mehrere geschlossene Facebook- Gruppen zum Thema Hochbegabung gewonnen. In der Höchstbegabtenstudie wurde ergänzend beim Höchstbegabtenverein Triple Nine Society angefragt. Alle Interessent*innen erhielten per E-Mail einen kennwortgeschützten Fragebogen, der entweder per E-Mail oder per Post an mich zurückgeschickt werden konnte. Die Datenerhebung erfolgte anonymisiert, indem die beantworteten Fragebögen ohne personenbezogene Daten abgespeichert und ausgewertet wurden. Im ersten Teil des Fragebogens wurden Alter, Geschlecht, höchster erzielter Gesamt-IQ, Name und Jahr des Tests, der Beginn des Sprechens, Lesens und Rechnens, das Alter der Einschulung, übersprungene Klassen, begabungsbezogene Förderung in der Schulzeit, Alter und Art des Schulabschlusses, Berufsausbildung, aktuelle Berufstätigkeit, Familienstand, Anzahl der Kinder sowie die schätzungsweise Zusammensetzung des privaten sozialen Umfeldes (Normalbegabte, Hoch- und Höchstbegabte) erfasst. Im zweiten Teil wurden Erlebens- und Verhaltensmerkmale exploriert, die in der bisherigen Literatur und in Therapiekonzepten mit Hochbegabung in Verbindung gebracht wurden (siehe Heil (2021a, 2021b). 1. Schnelles und komplexes Denken 13. breit gefächerte Interessen 2. Logisch-analytische Fähigkeiten 14. hohe intrinsische Motivation (aus der Tätigkeit entspringend, nicht durch externe Anreize) 3. Visuell-räumlicher Denk- und Lernstil 15. Unabhängigkeit im Denken (mosaikhaftes Erschließen von Themen, springen von einer Information zur Nächsten und Erschließen von Zusammenhängen bis das Thema in der Tiefe erfasst ist) 4. Intensive Konzentrationsfähigkeit und 16. Bedürfnis nach viel intellektuellem Input lange Ausdauer 5. Imaginationsneigung 17. hohes Energielevel (reiche Phantasie, viele innere Bilder) 6. Synästhesie 18. hohe Sensibilität auf Sinneswahrnehmungen (Verschmelzung einer realen oder Emotionen bezogen Sinneswahrnehmung mit einer im Gehirn entstehenden Wahrnehmung (z.B. Zahlen sind farbig, Musik hat Formen) 7. Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit 19. intensive Emotionalität (Erkennen von Prinzipien auf einer höheren Ebene) 8. Kreativität 20. ausgeprägter Gerechtigkeitssinn 9. Sehr gutes Gedächtnis 21. Perfektionismus 10. Geringer Übungsbedarf bei neuen 22. Beschäftigung mit existenziellen Themen Fertigkeiten (Krieg, Hunger, Tod etc.) 11. Hohe sprachliche Fähigkeiten 23. Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens 12. Kritisches Denken 24. hohe Bedeutung moralischer Werte Tab. 1: erfasste begabungsbezogene Erlebens- und Verhaltensmerkmale Hierbei sollte jedes dieser Merkmale auf einer Skala von „0 = gar nicht“ bis „10 = sehr stark“ eingestuft werden, je nachdem wie charakteristisch es die Teilnehmer*innen für sich persönlich 5 erlebten, möglichst unabhängig von Vergleichen im sozialen Umfeld. Des Weiteren sollte ebenfalls auf einer Skala von 0 bis 10 eingeschätzt werden, wie sehr sie das Merkmal als Ressource und als Belastung wahrnehmen. Optional bestand bei jedem Merkmal die Möglichkeit, das subjektive Erleben in eigenen Worten zu beschreiben. Nachfolgend wurden mögliche Schwierigkeiten erfasst, die mit der Begabung verbunden sein können aber nicht müssen: Unterforderung in Beruf oder Ausbildung, Langeweile bei Routineaufgaben des Alltags, das Gefühl der Andersartigkeit, das Gefühl von anderen Menschen nicht verstanden zu werden, Mobbing, Sinnkrisen, Probleme anderen Menschen zu vertrauen und sich auf Beziehungen einzulassen, Einsamkeit, ungenügende Lernstrategien und Underachievement (wahrgenommene ungenügende Ausschöpfung des eigenen Potentials). Jede dieser möglichen Schwierigkeiten sollte auf einer Skala von „0 = gar nicht“ bis „10 = sehr häufig“ beurteilt werden, je nachdem wie häufig sie im bisherigen Leben der Teilnehmer*innen aufgetreten ist. Auch hier bestand optional die Möglichkeit das subjektive Erleben in eigenen Worten zu beschreiben. Der letzte Teil des Fragebogens erfasste, ob die Teilnehmer*innen bereits in ambulanter oder stationärer psychotherapeutischer Behandlung waren, welches Therapieverfahren angewandt wurde, welche Diagnosen gestellt wurden, ob es aufgrund der Verwechslung mit begabungsbezogenen Merkmalen Fehldiagnosen gab und ob die Hoch- bzw. Höchstbegabung zum Zeitpunkt der Therapie bereits bekannt war und erwähnt wurde. Auf einer Skala von 0 bis 10 sollte jeweils beurteilt werden, wie gut sich die Teilnehmer*innen von ihrer Therapeutin / ihrem Therapeuten verstanden fühlten, wie gut ihrer Einschätzung nach die Zusammenarbeit in der Therapie funktioniert hat und wie sehr die Hoch- bzw. Höchstbegabung in der Therapie berücksichtigt wurde. Auch hier bestand die Option zu Freitextantworten, was als hilfreich und als nicht hilfreich erlebt wurde. Zum Abschluss hatten die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, Wünsche an Therapeut*innen hinsichtlich des Umganges mit Hoch- bzw. Höchstbegabung zu formulieren. Um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Hoch- und Höchstbegabten so präzise wie möglich herausarbeiten zu können, war zunächst angedacht, aus der Hochbegabtenstudie die Gruppe von n = 46 Personen mit einem IQ zwischen 130 und 135 herauszufiltern und dieser eine nach Alter, Geschlecht, Therapieerfahrung, Zusammensetzung des sozialen Umfeldes und Anzahl der Jahre seit der Diagnostik der Begabung parallelisierte Gruppe von n = 46 Personen mit einem IQ von 145 oder mehr aus der Höchstbegabtenstudie gegenüberzustellen. Hier hätte ein deutlicher Abstand zwischen den Intelligenzniveaus der beiden Vergleichsgruppen bestanden. Bei diesem Vergleich zeigte sich jedoch, dass von den 46 Personen mit einem IQ zwischen 130 und 135 n = 37 Personen (80,43%) über Therapieerfahrung verfügten, so dass dieser Gruppe eine Höchstbegabtengruppe mit gleich viel Therapieerfahrung gegenübergestellt werden hätte müssen. Dies wäre anhand der vorhandenen Datensätze möglich gewesen. Jedoch hätten die Ergebnisse dann fast ausschließlich Aussagen über Hoch- und Höchstbegabte mit Therapieerfahrung zugelassen. Zudem stellte sich heraus, dass die Teilnehmer*innen mit Therapieerfahrung aus der Hochbegabtengruppe signifikant mehr Psychotherapien absolviert hatten t(55) = -2,00, p=.05) und sich auch signifikant häufiger in stationärer Behandlung befunden hatten (χ²(1) = 4,89, p<.05) als die Teilnehmer*innen mit Therapieerfahrung aus der Höchstbegabtenstudie. Somit wäre bei dieser Art des Vergleiches unklar geblieben, ob die resultierenden Ergebnisse auf den Intelligenzunterschied oder auf den Unterschied in der psychischen Belastung zurückzuführen sind. Als deutlich besser vergleichbar erwies sich eine Gruppe aus n = 65 Personen mit IQ 130 – 144 aus der Hochbegabtenstudie mit einer Gruppe von ebenfalls n = 65 Personen mit IQ >= 145 aus der Höchstbegabtenstudie. Die beiden Gruppen wurden nach Alter, Geschlecht, Therapieerfahrung, Zusammensetzung des sozialen Umfeldes (Hoch- und Höchstbegabte kombiniert) und Anzahl der Jahre seit der Begabungsdiagnostik in soweit parallelisiert, dass hinsichtlich dieser Merkmale kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen mehr bestand (siehe Tab. 2). Der durchschnittliche Intelligenzquotient betrug M = 135,29 (SD = 3,84) in der Hochbegabtengruppe und M = 147,94 (SD = 4,76) in der Höchstbegabtengruppe, wobei sich der IQ in der Hochbegabtengruppe zwischen 130 und 142 bewegte und in der Höchstbegabtengruppe zwischen 145 und 170. 6 Parallelisierung Hochbegabte Höchstbegabte Alter M = 46,57 (SD = 10,57) M = 45,00 (SD = 12,63) Frauen N = 33 (50,77%) ( N = 33 (50,77%) Männer N = 32 (49,23%) N = 32 (49,23%) Umfeld NB M = 65,13% (SD = 22,17%) M = 58,63% (SD = 23,88%) Umfeld HoB & HöB M = 34,88% (SD = 22,17%) M = 41,46% (SD = 24,04%) Jahre seit Test M = 11,94 (SD = 10,24) M = 9,50 (SD = 9,23) Therapie N = 37 (56,92%) N = 37 (56,92%) Tab. 2: parallelisierte Merkmale der Vergleichsgruppen (NB = Normalbegabte, HoB = Hochbegabte, HöB = Höchstbegabte) 3 Ergebnisse 3.1 Allgemeine Angaben Wie die deskriptiven Daten in Tabelle 3 zeigen, war die kognitive und schulische Entwicklung der Höchstbegabten im Vergleich zu den Hochbegabten geringfügig beschleunigt. Jedoch war nur beim Alter des Rechnen Lernens der Unterschied signifikant. Die höchstbegabten Teilnehmer*innen sprachen etwas früher ihre ersten Worte (t(55) = 1,36, p>.05), lernten etwas früher Lesen (t(98) = 1,08, p>.05), lernten signifikant früher Rechnen (t(97) = 1,97, p<.05), wurden etwas früher eingeschult (t(120) = 0,80, p>.05), übersprangen etwas häufiger eine Klasse (χ²(1) = 0,53, p>.05), erhielten etwas häufiger eine begabungsbezogene Förderung (χ²(1) = 0,89, p>.05) und schlossen etwas früher die Schulzeit ab (t(119) = 1,37, p>.05). In beiden Gruppen wurde jedoch durchschnittlich erst im mittleren Erwachsenenalter die Begabung diagnostiziert (t(114) = -0,34, p>.05). Entwicklung Hochbegabte Höchstbegabte Alter erste Worte M = 1,44 (SD = 0,80) M = 1,20 (SD = 0,64) Alter Lesen M = 5,46 (SD = 0,92) M = 5,23 (SD = 1,30) Alter Rechnen M = 5,43 (SD = 1,01) M = 5,01 (SD = 1,18) Alter Schuleintritt M = 6,10 (SD = 0,61) M = 6,02 (SD = 0,49) Klassen übersprungen N = 3 (4,62%) N = 5 ( (7,69%) Förderung Schulzeit N = 4 (6,15%) N = 7 (10,77%) Alter Schulabschluss M = 18,75 (SD = 1,25) M = 18,43 (SD = 1,15) Alter Test M = 34,62 (SD = 11,21) M = 35,66 (SD = 15,78) Tab. 3: kognitive und schulische Entwicklung und Förderung beider Vergleichsgruppen Mehr als drei Viertel der Teilnehmer*innen beider Gruppen hatten das Abitur erreicht (siehe Tabelle 4), wobei die höchstbegabten Teilnehmer*innen etwas seltener über die allgemeine Hochschulreife verfügten als die Hochbegabten. Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant (χ²(1) = 1,97, p>.05). Jedoch hatten die höchstbegabten Teilnehmer*innen signifikant häufiger einen Abschluss unterhalb der Fachhochschulreife (Hauptschule oder Mittlere Reife); χ²(1) = 4,80, p<.05). Auch hatten die Höchstbegabten (Student*innen ausgenommen) etwas seltener ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium abgeschlossen (χ²(1) = 2,07, p>.05). 7 Bildung Hochbegabte Höchstbegabte Hauptschule N = 0 (0,00%) N = 2 (3,08%) Mittlere Reife N = 1 (1,54%) N = 5 (7,69%) Fachabitur N = 7 (10,77%) N = 7 (10,77%) Abitur N = 57 (87,69%) N = 51 (78,46%) Keine Ausbildung N = 1 (1,54%) N = 5 (7,69%) Ausbildungsabschluss N = 10 (15,38%) N = 12 (18,46%) Fachhochschulabschluss N = 11 (16,92%) N = 10 (15,38%) Hochschulabschluss N = 32 (49,23%) N = 27 (41,54%) Promotion N = 9 (13,85%) N = 6 (9,23%) Student*innen N = 2 (3,08%) N = 5 (7,69%) Tab. 4: Schul- und Ausbildungsabschlüsse beider Vergleichsgruppen Unterschiede zwischen Hoch- und Höchstbegabten zeigten sich auch hinsichtlich ihrer beruflichen Tätigkeit (siehe Tabelle 5). Während der Anteil der Angestellten in beiden Gruppen nahezu gleich war, waren Höchstbegabte (nicht berufstätige Personen ausgenommen) etwas häufiger beruflich selbstständig als Hochbegabte (χ²(1) = 2,72, p>.05). Ein signifikanter Unterschied bestand darin, dass Höchstbegabte deutlich häufiger mehrere berufliche Tätigkeiten ausübten, wie beispielsweise gleichzeitig ein Anstellungsverhältnis und eine Selbstständigkeit oder ein Studium und ein Anstellungsverhältnis (Chi^2(1) = 10,89, p<.001). Hieraus ergab sich auch ein signifikant höherer Anteil an Student*innen unter den Höchstbegabten, da viele dies berufsbegleitend absolvierten (χ²(1) = 4,99, p<.05). Berufstätigkeit Hochbegabte Höchstbegabte Keine N = 1 (1,54%) N = 1 (1,54%) Hausfrau/-mann N =1 (1,54%) N = 1 (1,54%) Arbeitsunfähig N = 0 (0,00%) N = 2 (3,08%) Angestellt N = 32 (49,23%) N = 31 (47,69%) Selbstständig N = 21 (32,31%) N = 30 (46,15%) Verbeamtet N = 3 (4,62%) N = 1 (1,54%) Mehrfachtätigkeit N = 4 (6,15%) N = 18 (27,69%) Arbeitssuchend N = 4 (6,15%) N = 1 (1,54%) Student*in N = 5 (7,69%) N = 14 (21,54%) Auszubildende*r N = 0 (0,00%) N = 1 (1,54%) Rentner*in N = 3 (4,62%) N = 3 (4,62%) Tab. 5: Berufstätigkeit beider Vergleichsgruppen Hoch- und Höchstbegabte befanden sich ähnlich häufig in einer Beziehung (siehe Tabelle 6). Allerdings hatten Höchstbegabte etwas häufiger Kinder, wobei aber der Unterschied nicht signifikant war (χ²(1) = 1,51, p>.05). Auch die durchschnittliche Anzahl der Kinder in den Vergleichsgruppen unterschied sich nicht signifikant (t(128) = -1,27, p>.05). Des Weiteren bestand keine Korrelation zwischen der Anzahl der Kinder und der Höhe des Ausbildungsabschlusses (r = .01, p>.05). 8 Familienstand Hochbegabte Höchstbegabte Single N = 16 (24,62%) N = 19 (29,23%) Partnerschaft N = 16 (24,62%) N = 13 (20,00%) Verheiratet N = 32 (49,23%) N = 31 (47,69%) Geschieden N = 0 (0,00%) N = 1 (1,54%) Verwitwet N = 1 (1,54%) N = 1 (1,54%) Kinder N = 30 (46,15%) N = 37 (56,92%) Anzahl Kinder M = 0,83 (SD = 1,07) M = 1,08 (SD = 1,14) Tab. 6: Familienstand beider Vergleichsgruppen 9 3.2 begabungsbezogene Erlebens- und Verhaltensmerkmale In der Mehrzahl der erfassten begabungsbezogenen Erlebens- und Verhaltensmerkmale hatten höchstbegabte Teilnehmer*innen höhere Ausprägungen als Hochbegabte (siehe Tabelle 7): schnelles und komplexes Denken, logisch-analytische Fähigkeiten, visuell-räumlicher Denk- und Lernstil, intensive Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, Imaginationsneigung, Synästhesie, Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit, Kreativität, sehr gutes Gedächtnis, geringer Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten, breit gefächerte Interessen, Unabhängigkeit im Denken, hohes Energielevel, hohe Sensibilität, intensive Emotionalität, ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, Perfektionismus, Beschäftigung mit existenziellen Themen, Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens, hohe Bedeutung moralischer Werte. Jedoch waren lediglich die Mittelwertsunterschiede beim schnellen und komplexen Denken, beim visuell-räumlichen Denk- und Lernstil, bei der Imaginationsneigung, bei der Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit, bei der Kreativität und beim geringen Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten statistisch signifikant (für detaillierte Angaben siehe die Abschnitte zu den einzelnen Merkmalen). Etwas niedrigere Ausprägungen, jedoch statistisch nicht signifikant, hatten Höchstbegabte bei den hohen sprachlichen Fähigkeiten, beim kritischen Denken bei der hohen intrinsischen Motivation und beim Bedürfnis nach intellektuellem Input. Merkmal Ausprägung HoB Ausprägung HöB Kompl. Denken M = 8,58 (SD = 1,21) M = 9,03 (SD = 1,17) Log. Fähigkeiten M = 8,53 (SD = 1,32) M = 8,83 (SD = 1,41) Vis. Denkstil M = 7,00 (SD = 2,18) M = 8,31 (SD = 1,90) Konzentration M = 6,86 (SD = 2,42) M = 6,89 (SD = 2,50) Imagination M = 6,17 (SD = 3,02) M = 7,50 (SD = 2,92) Synästhesie M = 1,28 (SD = 2,26) M = 2,05 (SD = 2,99) Mustersuche M = 8,05 (SD = 1,74) M = 8,62 (SD = 1,53) Kreativität M = 6,25 (SD = 2,53) M = 7,49 (SD = 2,34) Gedächtnis M = 6,68 (SD = 2,40) M = 7,18 (SD = 2,40) Ger. Übungsbedarf M = 6,41 (SD = 2,08) M = 7,34 (SD = 2,15) Sprach. Fähigkeiten M = 7,73 (SD = 2,25) M = 7,68 (SD = 2,30) Krit. Denken M = 8,50 (SD = 1,96) M = 8,32 (SD = 1,82) Breite Interessen M = 7,83 (SD = 2,29) M = 8,40 (SD = 2,08) Intr. Motivation M = 8,05 (SD = 2,06) M = 7,68 (SD = 2,50) Unabhängigkeit M = 8,10 (SD = 1,91) M = 8,13 (SD = 2,04) Inputbedarf M = 8,06 (SD =2,18) M = 7,98 (SD = 2,14) Energie M = 6,02 (SD = 2,67) M = 6,25 (SD = 2,87) Sensibilität M = 7,33 (SD = 2,77) M = 7,80 (SD = 2,40) Emotionalität M = 6,05 (SD = 3,27) M = 6,19 (SD = 3,14) Gerechtigkeitssinn M = 8,32 (SD = 1,78) M = 8,62 (SD = 1,92) Perfektionismus M = 7,08 (SD = 2,44) M = 7,69 (SD = 2,34) Exist. Themen M = 6,49 (SD = 3,01) M = 6,55 (SD = 3,19) Bewusstheit Grenzen M = 7,62 (SD = 2,38) M = 7,82 (SD = 2,27) Moral. Werte M = 7,83 (SD = 2,07) M = 8,06 (SD = 2,33) Tab. 7: Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) der erfassten Erlebens- und Verhaltensmerkmale in beiden Gruppen (HoB = Hochbegabte, HöB = Höchstbegabte) Hinsichtlich des Ressourcen- und Belastungserlebens hatte sich in beiden Ursprungsstudien mit Hoch- und Höchstbegabten (Heil, 2021a; Heil, 2021b) gezeigt, dass die Merkmale signifikant stärker als Ressource denn als Belastung wahrgenommen wurden, dass das Ressourcen und Belastungserleben unkorreliert waren und dass das Ressourcenerleben umso höher war, je mehr Kontakt zu ähnlich 10 begabten Menschen bestand. In der hier dargestellten Vergleichsstudie hatten höchstbegabte Teilnehmer*innen bei der Mehrzahl der begabungsbezogenen Erlebens- und Verhaltensmerkmale höhere Ausprägungen des Ressourcenerlebens als Hochbegabte (siehe Tabelle 8): schnelles und komplexes Denken, logisch-analytische Fähigkeiten, visuell-räumlicher Denk- und Lernstil, intensive Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, Imaginationsneigung, Synästhesie, Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit, Kreativität, sehr gutes Gedächtnis, geringer Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten, breit gefächerte Interessen, Unabhängigkeit im Denken, Bedürfnis nach viel intellektuellem Input, hohes Energielevel, hohe Sensibilität, intensive Emotionalität, ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und Perfektionismus. Dies zeigte sich auch darin, dass Höchstbegabte (M = 158,71, SD = 36,10) einen höheren Gesamtwert der aufsummierten Ressourcen aufwiesen als Hochbegabte (M = 148,91, SD = 35,67). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(128) = -1,56, p>.05). Auch bei den einzelnen Merkmalen waren die Mittelwertsunterschiede nur beim visuell- räumlichen Denk- und Lernstil und beim geringen Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten statistisch signifikant (für detaillierte Angaben siehe die Abschnitte zu den einzelnen Merkmalen). Bei der hohen intrinsischen Motivation war das Ressourcenerleben von Hoch- und Höchstbegabten identisch. Ein etwas geringeres Ressourcenerleben, jedoch statistisch nicht signifikant, hatten Höchstbegabte bei den hohen sprachlichen Fähigkeiten, beim kritischen Denken, bei der starken Beschäftigung mit existenziellen Themen, bei der Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens sowie bei der hohen Bedeutung moralischer Werte. Merkmal Ressource HoB Ressource HöB Kompl. Denken M = 8,40 (SD = 1,73) M = 8,75 (SD = 1,67) Log. Fähigkeiten M = 8,31 (SD = 1,93) M = 8,65 (SD = 1,80) Vis. Denkstil M = 6,30 (SD = 2,91) M = 7,40 (SD = 2,60) Konzentration M = 7,10 (SD = 2,58) M = 7,22 (SD = 3,12) Imagination M = 5,71 (SD = 3,46) M = 6,60 (SD = 3,40) Synästhesie M = 3,04 (SD = 3,14) M = 4,07 (SD = 3,93) Mustersuche M = 7,78 (SD = 2,34) M = 8,15 (SD = 2,32) Kreativität M = 6,73 (SD = 3,06) M = 7,23 (SD = 3,29) Gedächtnis M = 6,79 (SD = 3,05) M = 7,41 (SD = 2,88) Ger. Übungsbedarf M = 7,13 (SD = 2,83) M = 8,08 (SD = 2,30) Sprach. Fähigkeiten M = 8,00 (SD = 2,38) M = 7,81 (SD = 2,86) Krit. Denken M = 7,21 (SD = 2,52) M = 7,16 (SD = 2,27) Breite Interessen M = 7,02 (SD = 2,48) M = 7,45 (SD = 2,43) Intr. Motivation M = 7,23 ((SD = 2,94) M = 7,23 (SD = 2,67) Unabhängigkeit M = 7,11 (SD = 3,03) M = 7,73 (SD = 2,43) Inputbedarf M = 6,83 (SD = 3,00) M = 7,03 (SD = 2,75) Energie M = 5,92 (SD = 3,00) M = 6,71 (SD = 3,22) Sensibilität M = 5,05 (SD = 3,20) M = 5,69 (SD = 3,08) Emotionalität M = 4,39 (SD = 3,25) M = 5,26 (SD = 3,19) Gerechtigkeitssinn M = 5,69 (SD = 3,19) M = 6,32 (SD = 3,02) Perfektionismus M = 5,84 (SD = 3,54) M = 6,00 (SD = 2,73) Exist. Themen M = 4,47 (SD = 3,08) M = 4,25 (SD = 3,38) Bewusstheit Grenzen M = 5,52 (SD = 3,30) M = 5,48 (SD = 3,33) Moral. Werte M = 6,03 (SD = 3,04) M = 5,98 (SD = 3,12) Tab. 8: Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) des Ressourcenerlebens der erfassten Erlebens- und Verhaltensmerkmale in beiden Gruppen (HoB = Hochbegabte, HöB = Höchstbegabte) 11 Beim Belastungserleben der Merkmale zeigten sich nur geringfügige Unterschiede zwischen Hoch- und Höchstbegabten (siehe Tabelle 9). Lediglich das schnelle und komplexe Denken wurde von Höchstbegabten signifikant stärker als Belastung erlebt. Eine etwas höhere Belastung, jedoch statistisch nicht signifikant, erlebten Höchstbegabte bei den logisch-analytischen Fähigkeiten, beim visuell-räumlichen Denk- und Lernstil, bei der intensiven Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, beim sehr guten Gedächtnis, bei der Unabhängigkeit im Denken, bei der intensiven Emotionalität, beim Perfektionismus, bei der starken Beschäftigung mit existenziellen Themen und bei der Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens. Nahezu identisch war das Belastungserleben beider Gruppen bei der Synästhesie, bei der Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit, bei der hohen intrinsischen Motivation, bei der hohen Sensibilität und beim ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Hochbegabte waren etwas stärker belastet, jedoch statistisch nicht signifikant, durch die Imaginationsneigung, die Kreativität, den geringen Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten, die hohen sprachlichen Fähigkeiten, das kritische Denken, die breit gefächerten Interessen, das Bedürfnis nach viel intellektuellem Input, das hohe Energielevel und die hohe Bedeutung moralischer Werte. Die eher geringen Unterschiede im Belastungserleben zeigten sich auch im Gesamtwert der aufsummierten Belastungen, der sich nur leicht zwischen Hochbegabten (M = 64,62, SD = 36,91) und Höchstbegabten (M = 67,06, SD = 34,09) unterschied; t(127) = -0,39, p>.05. Detaillierte Angaben zum Belastungserleben der beiden Gruppen finden sich in Tabelle 9. Merkmal Belastung HoB Belastung HöB Kompl. Denken M = 2,28 (SD = 2,18) M = 3,25 (SD = 2,61) Log. Fähigkeiten M = 2,00 (SD = 2,08) M = 2,35 (SD = 2,62) Vis. Denkstil M = 1,97 (SD = 2,42) M = 2,63 (SD = 2,79) Konzentration M = 1,87 (SD = 2,50) M = 2,39 (SD = 2,95) Imagination M = 2,44 (SD = 2,87) M = 2,03 (SD = 2,34) Synästhesie M = 0,83 (SD = 1,49) M = 0,67 (SD = 1,73) Mustersuche M = 1,55 (SD = 2,46) M = 1,52 (SD = 2,34) Kreativität M = 1,39 (SD = 2,12) M = 1,16 (SD = 2,10) Gedächtnis M = 2,44 (SD = 2,91) M = 2,78 (SD = 3,13) Ger. Übungsbedarf M = 1,52 (SD = 2,38) M = 1,47 (SD = 2,40) Sprach. Fähigkeiten M = 1,89 (SD = 2,73) M = 1,42 (SD = 2,26) Krit. Denken M = 4,30 (SD = 3,08) M = 4,19 (SD = 3,07) Breite Interessen M = 3,38 (SD = 2,64) M = 2,89 (SD = 2,96) Intr. Motivation M = 2,37 (SD = 2,82) M = 2,40 (SD = 2,81) Unabhängigkeit M = 2,23 (SD = 2,70) M = 2,55 (SD = 2,85) Inputbedarf M = 3,35 (SD = 3,10) M = 2,45 (SD = 2,83) Energie M = 2,64 (SD = 2,66) M = 2,42 (SD = 2,85) Sensibilität M = 5,20 (SD = 2,98) M = 5,16 (SD = 3,20) Emotionalität M = 4,13 (SD = 3,23) M = 4,85 (SD = 3,07) Gerechtigkeitssinn M = 4,32 (SD = 3,11) M = 4,31 (SD = 2,96) Perfektionismus M = 4,30 (SD = 2,91) M = 4,86 (SD = 2,94) Exist. Themen M = 3,59 (SD = 3,16) M = 3,75 (SD = 3,58) Bewusstheit Grenzen M = 3,03 (SD = 2,93) M = 3,82 (SD = 3,30) Moral. Werte M = 3,62 (SD = 3,07) M = 3,37 (SD = 3,04) Tab. 9: Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) des Belastungserlebens der erfassten Erlebens- und Verhaltensmerkmale in beiden Gruppen (HoB = Hochbegabte, HöB = Höchstbegabte) Im Folgenden werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Gruppen für jedes der erfassten Erlebens- und Verhaltensmerkmale separat und im Detail dargestellt. Hierbei 12 werden auch die Freitextantworten der Teilnehmer*innen berücksichtigt. Um die Freitextantworten vergleichbar zu machen, wurden die Aussagen hinsichtlich der benannten Themen kategorisiert (beispielsweise empfundene Freude und Bereicherung oder Konflikte mit Mitmenschen) und dann die Häufigkeiten der benannten Themen verglichen. Hier ist zu berücksichtigen, dass die festgestellten Unterschiede in den Freitextantworten bestenfalls vorsichtige Hypothesen hinsichtlich tatsächlicher Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zulassen. In erster Linie sollen sie Anregungen für zukünftige systematische Forschungsarbeiten liefern. Hintergrund ist, dass es den Teilnehmer*innen der beiden Studien freigestellt war, ob und wie ausführlich sie ihr persönliches Erleben schildern möchten. Die überwiegende Mehrheit machte von der Möglichkeit zu persönlichen Beschreibungen Gebrauch, wobei die Ausführlichkeit der Antworten stark variierte. Somit kann davon ausgegangen werden, dass zahlreiche Teilnehmer*innen nur die für sie relevantesten Aspekte oder lediglich einen Teil dieser benannt hatten und die Aussagen nur selten ein umfassendes Bild aller damit assoziierten Bereiche abbilden konnten. Folglich können geringfügige Unterschiede zwischen den Antworten der beiden Gruppen auch auf Zufall beruhen. Generell zeigte sich aufgrund der Komplexität der Themen eine sehr hohe Vielfalt der angesprochenen Aspekte. Vieles wurde nur von ein oder zwei Teilnehmer*innen einer Gruppe geschildert. Aufgrund der genannten Gründe, die zu einer eingeschränkten Interpretierbarkeit der Antworten führen, erfolgt die Gegenüberstellung der Freitextantworten auf rein deskriptiver Ebene und beschränkt sich auf die Nennung derjenigen Aspekte, die von mindestens zwei Teilnehmer*innen einer der beiden Gruppen benannt wurden. 3.2.1 Schnelles und komplexes Denken Das schnelle und komplexe Denken war sowohl bei Hochbegabten (M = 8,58, SD = 1,21) als auch bei Höchstbegabten (M = 9,03, SD = 1,17) sehr hoch ausgeprägt. Jedoch wiesen die Höchstbegabten signifikant höhere Werte in diesem Merkmal auf (t(128) = -2,13, p<.05). Das ebenfalls sehr hoch ausgeprägte Ressourcenerleben der Höchstbegabten (M = 8,75, SD = 1,67) lag etwas über den Ressourcenerleben der Hochbegabten (M = 8,40, SD = 1,73). Allerdings war dieser Unterschied nicht signifikant (t(128) = -1,19, p>.05). Die Belastung durch das schnelle und komplexe Denken wurde in beiden Gruppen als eher niedrig empfunden. Allerdings hatten Höchstbegabte (M = 3,25, SD = 2,61) im Vergleich zu Hochbegabten (M = 2,28, SD = 2,18) ein signifikant höheres Belastungserleben (t(124) = -2,28, p<.05). Hinsichtlich der geschilderten Ressourcen empfanden Höchstbegabte geringfügig häufiger Freude beim Denken (n = 12 (18,46%) zu n = 11 (16,92%)) und beschrieben diese Art zu denken als Normalität und als identitätsstiftend (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)). Zudem erlebten Höchstbegabte ihr Denken etwas öfter als förderlich für die schnelle Herstellung von Zusammenhängen und Querverbindungen (n = 10 (15,38%) zu n = 9 (13,85%)), fürs schnelle Problemlösen (n = 9 (13,85%) zu n = 8 (12,31%)), fürs gleichzeitige Betrachten vieler Facetten eines Themas (n = 6 (9,23%) zu n = 3 (4,62%)), für schnelles Arbeiten (n = 6 (9,23%) zu n = 3 (4,62%)), fürs schnelle Zurechtfinden in ungewohnten Situationen (n = 6 (9,23%) zu n = 2 3,08%)(), für das berufliche Vorankommen (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)), für schnelles Lernen (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) und für kreative Projekte (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Auch eine sehr bildhafte Denkstruktur wurde von Höchstbegabten häufiger beschrieben (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich häufig schilderten beide Gruppen, dass ihnen das schnelle und komplexe Denken ermögliche, andere Menschen mit hilfreichen Lösungen zu unterstützen (jeweils n = 2 (3,08%)) sowie sich entsprechend ihrer Denkkapazität Herausforderungen zu suchen (jeweils n = 2 (3,08%)). An Belastungen benannten Höchstbegabte deutlich häufiger die Schwierigkeit, große Anstrengung auf sich zu nehmen, um anderen Menschen das eigene Denken verständlich zu machen und sich in die Gedankenwelt anderer hineinzuversetzen (n = 13 (20,00%) zu n = 2 (3,08%)) sowie das Problem, dass beim Vereinfachen von Gedanken viel Information verloren geht (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)). 13 Des Weiteren fühlten sich Höchstbegabte stärker dadurch belastet, auf das langsamere Denken anderer Menschen warten zu müssen (n = 9 (13,85%) zu n = 5 (7,69%)), empfanden das Denken anderer öfter als langsam und weniger komplex (n = 7 (10,77%) zu n = 6 (9,23%)), erlebten häufiger aufgrund ihres Denkens Konflikte mit anderen Menschen bis hin zu Ablehnung (n = 7 (10,77%) zu n = 4 (6,15%)), nahmen ihr Denken stärker als vorauseilend wahr (n = 6 (9,23%) zu n = 3 (4,62%)), empfanden es teilweise auch eher als langsam aufgrund der Komplexität (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)), ernteten von anderen Menschen häufiger genervte Reaktionen (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), beobachteten bei sich öfter große Gedankensprünge (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)), litten öfter unter Missverständnissen mit anderen Menschen (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), neigten eher zur Überbewertung von Gefahren (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und fühlten sich teilweise in ihrem Denken stärker begrenzt (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). In ihrem Verhalten nahmen Höchstbegabte häufiger ihr Sprechen als langsamer als das Denken wahr (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), beschrieben die Schwierigkeit, Denkinhalte in Worte zu fassen (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), erlebten sich häufiger als zu kopflastig und als zu problemfokussiert (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), gaben an, andere teilweise wortgewaltig zu überrollen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), schilderten, aufgrund ihrer Schnelligkeit manchmal auch zu falschen Ergebnissen zu kommen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und litten mehr darunter, kaum ähnlich denkende Menschen zu finden (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich häufig benannten Hoch- und Höchstbegabte den Wunsch, das eigene Denken runterzufahren, wenn es nicht benötigt wird (jeweils n = 3 (4,62%)) und erlebten das eigene Denken als störend (jeweils n = 2 (3,08%)). Hochbegabte äußerten etwas häufiger, dass andere Menschen ihren Gedanken nicht folgen können (n = 13 (20,00%) zu n = 11 (16,92%)) und benannten öfter die Probleme, einfache Dinge zu verkomplizieren (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)), schwer abschalten zu können (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)) sowie wegen Langeweile ablenkbar zu sein und Relevantes nicht mitzubekommen (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)). Beim Umgang mit ihrer Art des Denkens erachteten Höchstbegabte die Kenntnis über ihre Begabung häufiger als hilfreich (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)). 3.2.2 Logisch-analytische Fähigkeiten Die logisch-analytischen Fähigkeiten waren ebenfalls in beiden Gruppen sehr hoch ausgeprägt, wobei Höchstbegabte etwas höhere Werte aufwiesen (M = 8,83, SD = 1,41) als Hochbegabte (M = 8,53, SD = 1,32). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(127) = -1,25, p>.05). Auch das Ressourcenerleben war in beiden Gruppen sehr hoch und war bei Höchstbegabten (M = 8,65, SD = 1,80) geringfügig und nicht signifikant höher als bei Hochbegabten (M = 8,31, SD = 1,93); t(126) = - 1,01, p>.05. Die Belastung durch die logisch-analytischen Fähigkeiten wurde in beiden Gruppen eher gering wahrgenommen. Auch hier hatten Höchstbegabte (M = 2,35, SD = 2,62) etwas höhere Werte als Hochbegabte (M = 2,00, SD = 2,08), wobei der Unterschied ebenfalls nicht signifikant war (t(122) = -0,85, p>.05). An Ressourcen erwähnten Höchstbegabte in den Freitextantworten etwas häufiger, die logisch- analytischen Fähigkeiten als hilfreich zu erleben, um Zusammenhänge schnell und komplex zu erschließen (n = 9 (13,85%) zu n = 5 (7,69%)), um Probleme zu lösen (n = 7 (10,77%) zu n = 5 (7,69%)), um die Welt zu verstehen (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), um strukturiert zu denken und zu handeln (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), um effektiv und effizient zu arbeiten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und um vorausschauend zu denken (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Des Weiteren erlebten Höchstbegabte die logisch-analytischen Fähigkeiten öfter als Normalität und als identitätsstiftend (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)), verspürten hierdurch ein Gefühl von Sicherheit (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und ernteten häufiger Wertschätzung für diese Fähigkeit (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte äußerten mit etwas größerer Häufigkeit, Freude beim logischen Denken und beim Problemlösen zu empfinden (n = 10 (15,38%) zu n = 8 (12,31%) und erlebten es öfter als hilfreich für einen technisch-naturwissenschaftlichen Beruf (n = 7 (10,77%) zu n 14 = 6 (9,23%)), fürs Finden von Fehlern im System (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)) und fürs Vorankommen in Schule und Studium (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Bezüglich der Belastungen benannten Höchstbegabte häufiger, dass andere Menschen ihre Analysen als unempathisch oder emotionslos erlebten (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)), dass sie sich über unlogisches Verhalten anderer Menschen ärgerten (n = 5 (7,69%) zu n = 0 (0,00%)), dass sie sich zu viel im Kopf und zu wenig im Erleben befänden (n = 5 (7,69%) zu n = 0 (0,00%)), dass andere ihren Gedanken nicht folgen könnten (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), dass andere die Fähigkeit nicht schätzten und mit Unverständnis reagierten (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) und dass sie sich dadurch stark von anderen Menschen entfernt fühlten (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich häufig gaben hoch- und höchstbegabte Teilnehmer*innen an, dass andere Menschen logische Zusammenhänge nicht erkennen würden (jeweils n = 3 (4,62%)) und dass diese Art des Denkens anstrengend im Kontakt mit Normalbegabten sei (jeweils n = 2 (3,08%)). Hochbegabte schilderten geringfügig häufiger, durch ihr Denken Konflikte mit anderen Menschen zu erleben (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), ungeduldig mit anderen Menschen zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), Dinge zu Tode zu denken (n = 2 (3,05%) zu n = 0 (0,00%)) und auf die Schwierigkeit zu stoßen, dass nicht alle Probleme logisch sind (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Ein sehr geringer Anteil der Teilnehmer*innen, etwas mehr Höchstbegabte, äußerte, dass die Fähigkeit des logisch-analytischen Denkens bei ihnen kaum ausgeprägt sei (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). 3.2.3 Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn Auch der Gerechtigkeitssinn erwies sich in beiden Gruppen als sehr hoch, wobei Höchstbegabte etwas höhere Werte erzielten (M = 8,62, SD = 1,92) als Hochbegabte (M = 8,32, SD = 1,78); t(127) = -0,90, p>.05. In beiden Gruppen zeigte sich ein eher moderates Ressourcenerleben, das bei Höchstbegabten (M = 6,32, SD = 3,02) etwas höher ausgeprägt war als bei Hochbegabten (M = 5,69, SD = 3,19), aber ebenfalls ohne signifikanten Unterschied (t(128) = -1,16, p>.05). Etwas niedriger, doch immer noch im moderaten Bereich, befand sich das Belastungserleben, das bei Hochbegabten (M = 4,32, SD = 3,11) und Höchstbegabten (M = 4,31, SD = 2,96) nahezu identisch war (t(128) = 0,03, p>.05). In den Freitextantworten gaben Höchstbegabte etwas häufiger an, stolz auf den eigenen Gerechtigkeitssinn zu sein (n = 5 (7,69%) zu n = 2 (3,08%)), sich der Komplexität des Themas Gerechtigkeit bewusst zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) sowie Wertschätzung für ihre Fairness zu erhalten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte benannten minimal häufiger, sich für Gerechtigkeit und für Schwächere einzusetzen (n = 12 (18,46%) zu n = 10 (15,38%)) sowie über ihre eigene Definition von Gerechtigkeit zu verfügen (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)). An Belastungen beschrieben Höchstbegabte geringfügig häufiger, dass Ungerechtigkeit sowie unmoralisches Verhalten anderer bei ihnen zu Wut und Frust führe (n = 20 (30,77%) zu n = 18 (27,69%)(, dass sie von unfairem Verhalten anderer Menschen enttäuscht seien (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)), dass sie sich der geringen eigenen Einflussmöglichkeiten bewusst seien (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), dass sie viel Unverständnis für ihren Gerechtigkeitssinn ernteten (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) und dass sie bei Ungerechtigkeit den Mund nicht halten könnten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte schilderten vermehrt, aufgrund ihres Einsatzes für Gerechtigkeit mit anderen Menschen in Konflikt zu geraten (n = 6 (9,23%) zu n = 4 (6,15%)), sich Problemen anderer Menschen zu stark anzunehmen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), nur schwer über andere Menschen urteilen zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie durch den Einsatz für Gerechtigkeit selbst Nachteile in Kauf zu nehmen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Es äußerten jedoch auch deutlich mehr Hochbegabte, mittlerweile akzeptiert zu haben, dass es nicht immer gerecht zugehen könne (n = 6 (9,23%) zu n = 2 (3,08%)). 15 3.2.4 Kritisches Denken Des Weiteren wurde das kritische Denken von beiden Gruppen sehr hoch eingeschätzt, wobei Hochbegabte etwas höhere Werte aufwiesen (M = 8,50, SD = 1,96) als Höchstbegabte (M = 8,32, SD = 1,82). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(122) = 0,54, p>.05). Das Ressourcenerleben erwies sich in beiden Gruppen als eher hoch mit nahezu identischen Werten bei Hochbegabten (M = 7,21, SD = 2,52) und Höchstbegabten (M = 7,16, SD = 2,27); t(123) = 0,11, p>.05. Das Belastungserleben des kritischen Denkens war in beiden Gruppen moderat ausgeprägt. Hier hatten Hochbegabte etwas höhere Werte (M = 4,30, SD = 3,08) als Höchstbegabte (M = 4,19, SD = 3,07). Auch dieser Unterschied war nicht signifikant (t(124) = 0,20, p>.05). In den Freitextantworten benannten Höchstbegabte häufiger als Ressource, dass sie ihr kritisches Denken wertschätzten (n = 8 (12,31%) zu n = 5 (7,69%)) und dass es hilfreich fürs Problemlösen sei (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte schilderten etwas öfter, automatisch alles zu hinterfragen (n = 13 (20,00%) zu n = 11 (16,92%)), sich durch Autoritätspersonen nicht beeinflussen zu lassen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), hierdurch mehr Authentizität zu verspüren (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie besser vor Fehlern bewahrt zu werden (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). In Bezug auf die Belastungen durch das kritische Denken gaben Höchstbegabte häufiger an, auf andere Menschen problemfokussiert und überkritisch zu wirken (n = 7 (12,31%) zu n = 5 (7,69%)), sehr selbstkritisch zu sein (n = 7 (10,77%) zu n = 0 (0,00%)), sich aus Anpassung mit der eigenen Meinung zurückzuhalten (n = 6 (9,23%) zu n = 0 (0,00%)), sich mit dem kritischen Denken unverstanden zu fühlen (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)), den Mund nicht halten zu können (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)), sich über unhinterfragtes oder inkompetentes Handeln anderer zu ärgern (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)) sowie nichts einfach hinnehmen zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Im Speziellen berichteten Höchstbegabte, dass andere ihr Bestreben nicht verstünden, nur Denkprozesse anregen zu wollen und sich stattdessen durch kritische Äußerungen herabgewürdigt fühlten (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte litten etwas häufiger unter Konflikten bis hin zu Ablehnung durch andere Menschen aufgrund des kritischen Denkens (n = 16 (24,62%) zu n = 12 (18,46%)). Zudem schilderten Hochbegabte häufiger die Schwierigkeit, aufgrund des kritischen Denkens schlecht entspannen und genießen zu können und zu wenig Leichtigkeit zu empfinden (n = 7 (10,77%) zu n = 4 (6,15%)), von anderen Menschen als anstrengend wahrgenommen zu werden (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)), sich mit dogmatischen Sichtweisen anderer Menschen schwer zu tun (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), durch eigene Zweifel verunsichert zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie bei anderen Menschen Gefühle des Bedrohtseins auszulösen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Darüber hinaus gaben Hochbegabte etwas häufiger an, im Lauf ihres Lebens gelernt zu haben, nicht mehr so viel zu kritisieren (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) sowie eher zu unkritisch zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). 3.2.5 Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit Zudem war die Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit in beiden Gruppen sehr hoch ausgeprägt, wobei sich die Werte der Höchstbegabten (M = 8,62, SD = 1,53) statistisch signifikant über denen der Hochbegabten (M = 8,05, SD = 1,74) befanden (t(126) = -1,98, p<.05). Auch im Ressourcenerleben wiesen Höchstbegabte eine sehr hohe Ausprägung auf ( M = 8,15, SD = 2,32), während diese bei Hochbegabten etwas geringer, aber immer noch hoch war (M = 7,78, SD = 2,34); t(128) = -0,90, p>.05. Das Belastungserleben wurde sowohl von Hochbegabten (M = 1,55, SD = 2,46) als auch von Höchstbegabten (M = 1,52, SD = 2,33) mit sehr ähnlichen Werten als sehr gering eingeschätzt (t(126) = 0,06, p>.05). An Ressourcen beschrieben Höchstbegabte in den Freitextantworten deutlich häufiger, Zusammenhänge schnell erkennen zu können (n = 9 (13,85%) zu n = 4 (6,15%)), Prinzipien auf höherer Ebene ebenfalls schnell erfassen zu können (n = 9 (13,85% zu n = 5 (7,69%)), Freude an der 16 Mustersuche zu verspüren (n = 8 (12,31%)) zu n = 6 (9,23%)), den eigenen Denkstil als sehr abstrakt wahrzunehmen (n = 7 (10,77%) zu n = 2 (3,08%)), diese Fähigkeit als Normalität zu erleben (n = 5 (7,69%) zu n = 2 (3,08%)), hierdurch ein Gefühl von Sicherheit zu erlangen (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), für diese Fähigkeit von anderen Menschen anerkannt zu werden (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) sowie eine enge Verknüpfung zwischen Mustern und Logik wahrzunehmen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Außerdem erlebten Höchstbegabte die Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit etwas öfter als hilfreich fürs Problemlösen (n = 4 (6,25%) zu n = 3 (4,62%)), fürs gute Erinnern (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), für schnelles Arbeiten oder Lernen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) sowie fürs Analysieren zwischenmenschlicher Situationen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte beurteilten die Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit etwas häufiger als förderlich für den Beruf (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)) und um die Welt zu verstehen (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)). An Belastungen benannten Höchstbegabte deutlich häufiger, dass andere Menschen ihnen nicht folgen könnten und weniger abstrakt dächten (n = 8 (12,31%) zu n = 4 (6,15%)), Zusammenhänge zu sehen wo keine sind (n = 5 (7,69%) zu n = 1 (1,54%)) und die Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit nicht abschalten zu können (n = 8 (12,31%) zu n = 3 (4,62%)). Des Weiteren empfanden es Höchstbegabte häufiger als belastend, wenn in Situationen kein Muster erkannt werden konnte (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)), schilderten mehr Schwierigkeiten, anderen Menschen ihre Gedanken zu vermitteln (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), erlebten durch ihre Fähigkeit mehr Konflikte mit Mitmenschen (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) und verspürten Unsicherheit, wenn andere Menschen die von ihnen erkannten Muster nicht wahrnahmen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Einige Hochbegabte beklagten, dass das Erkennen von Mustern und Zusammenhängen viel Zeit benötige (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). 3.2.6 Unabhängigkeit im Denken Des Weiteren war auch die Unabhängigkeit im Denken in beiden Gruppen sehr hoch ausgeprägt. Hierbei lagen die Werte der Höchstbegabten (M = 8,13, SD = 2,04) geringfügig oberhalb der Werte der Hochbegabten (M = 8,10, SD = 1,91); t(127) = -0,08, p>.05. Das Ressourcenerleben war sowohl bei Hochbegabten als auch bei Höchstbegabten eher hoch ausgeprägt, wobei Höchstbegabte (M = 7,73, SD = 2,43) höhere Werte erzielten als Hochbegabte ( M = 7,11 SD = 3,03). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(126) = -1,32, p>.05). Das Belastungserleben erwies sich in beiden Gruppen als eher niedrig, wobei sich Höchstbegabte (M = 2,55, SD = 2,85) etwas stärker belastet fühlten als Hochbegabte (M = 2,23, SD = 2,70). Allerdings war auch dieser Unterschied nicht signifikant (t(126) = -0,50, p>.05). In den Freitextantworten benannten Hoch- und Höchstbegabte gleich häufig als Ressource, dass ihnen die Unabhängigkeit im Denken Autonomie ermögliche (jeweils n = 10 (15,38%)) und dass diese Art des Denkens für sie selbst unvermeidbar sei (jeweils n = 2 (3,08%)). Höchstbegabte äußerten häufiger, stolz auf diese Fähigkeit zu sein (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)), Freude am unabhängigen Denken zu verspüren (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), sich dadurch unkonventionell verhalten zu können (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) und sich eine eigene Meinung erst nach sorgfältiger Information über ein Thema zu bilden (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Manche Höchstbegabte beschrieben ihr Denken eher als kritisches Hinterfragen bestehender Positionen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte erlebten die Unabhängigkeit im Denken minimal häufiger als identitätsstiftend (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), berichteten etwas öfter, andere Menschen mit ihrer Unkonventionalität inspirieren zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und beschrieben es als bewusste Entscheidung, ob sie sich der Meinung anderer Menschen anschließen oder nicht (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). 17 An Belastungen schilderten Höchstbegabte vermehrt Konflikte bis hin zu Ausgrenzung und Ablehnung durch andere Menschen (n = 7 (10,77%) zu n = 6 (9,23%)), die Beurteilung durch andere als unerwünscht (n = 7 (10,77%) zu n = 1 (1,54%)), allergisch auf Denkverbote von außen zu reagieren (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), durch die Unabhängigkeit im Denken Einsamkeit zu erleben (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), dadurch bei anderen Menschen ein Gefühl des Bedrohtseins auszulösen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), sich schwer eine eigene Meinung bilden zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und für das unabhängige Denken wenig Wertschätzung zu erhalten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hoch- und Höchstbegabte äußerten gleichermaßen, dass das System unabhängiges Denken oft nicht ermögliche (jeweils n = 2 (3,08%)). Hochbegabte gaben geringfügig häufiger an, sich in einer Gruppe mit der eigenen Meinung zurückzuhalten (n = 2 (3,08%)) zu n = 1 (1,54%)) und schilderten etwas mehr Probleme, sich systemkonform oder regelkonform zu verhalten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Auch äußerten Hochbegabte etwas häufiger, sich eher der Meinung anderer Menschen anzuschließen als sich eine eigene Meinung zu bilden (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)). 3.2.7 Bedürfnis nach viel intellektuellem Input Das Bedürfnis nach viel intellektuellem Input wurde ebenfalls in beiden Gruppen sehr hoch eingeschätzt, wobei Hochbegabte (M = 8,06, SD = 2,18) minimal höhere Werte erzielten als Höchstbegabte (M = 7,98, SD = 2,14); t(128) = 0,20, p>.05. Das Erleben als Ressource erwies sich sowohl bei Hochbegabten (M = 6,83, SD = 3,00) als auch bei Höchstbegabten (M = 7,03, SD = 2,75) als eher hoch. Die Werte der Höchstbegabten lagen hier etwas höher, der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant (t(127) = -0,40, p>.05). Im Belastungserleben war die Ausprägung beider Gruppen eher niedrig, wobei Hochbegabte (M = 3,35, SD = 3,10) deutlich höhere Werte aufwiesen als Höchstbegabte (M = 2,45, SD = 2,83). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(127) = 1,74, p>.05). . Hinsichtlich des Ressourcenerlebens äußerten Höchstbegabte in den Freitextantworten häufiger, generell Freude am Lernen zu haben (n = 12 (18,46%) zu n = 9 (13,85%)). Als Quellen für Input benannten beide Gruppen gleichermaßen das Lesen anspruchsvoller Literatur (jeweils n = 10 (15,38%)). Höchstbegabte nannten deutlich öfter Gespräche auf hohem Niveau (n = 7 (10,77%) zu n = 3 (4,62%)), Abwechslung auf allen Ebenen, nicht nur intellektuell, sondern auch sensorisch oder emotional (n = 6 (9,23%) zu n = 0 (0,00%)), Recherchen im Internet (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)), berufliche Zusatzprojekte (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)), Weiterbildungen (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), anspruchsvolle Dokumentarfilme (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), praktische Tätigkeiten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie das Hinterfragen von Dingen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Zudem empfanden Höchstbegabte den Kontakt zu anderen Hoch- und Höchstbegabten als hilfreich für die Befriedigung des Inputbedürfnisses (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Einige Hoch- und Höchstbegabte berichteten, ständig auf der Suche nach neuer Information zu sein (jeweils n = 2 (3,08%)), und einige Hochbegabte schilderten geringfügig häufiger, dass es überall etwas zu lernen gäbe (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und dass sie nur phasenweise das Bedürfnis nach Input verspürten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Wahrgenommene Belastungen bestanden in beiden Gruppen gleichermaßen in Frust und Langeweile, wenn zu wenig Input vorhanden war (jeweils n = 11 (16,92%)). Höchstbegabte erlebten deutlich öfter Schwierigkeiten, ausreichend Input zu finden (n = 7 (10,77%) zu n = 1 (1,54%)), Unverständnis durch andere Menschen für den Inputbedarf (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), fanden oft nur wenige Menschen für intellektuell anregende Gespräche (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und erlebten den Inputbedarf teilweise als anstrengend (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte äußerten hingegen deutlich häufiger, im Alltag zu wenig Zeit für neuen Input zu haben (n = 7 (10,77%) zu n = 2 (3,08%)), bei Alltagstätigkeiten oft Nebenbeschäftigungen zu brauchen (n = 3 (4,62%) zu n = 0 18 (0,00%)), den Inputbedarf immer wieder zu vergessen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und mit dem Inputbedarf überfordert zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Im Einklang hiermit schilderten einige Hochbegabte, dass einfache Tätigkeiten zur Entspannung als Ausgleich zum normalen Alltag ausreichten (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), dass sie nicht mehr als ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Entspannung bräuchten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), dass ihre innere Gedankenwelt genüge und sie keinen Input von außen benötigten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und dass der Inputbedarf mit dem Alter nachgelassen habe (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). 3.2.8 Hohe Bedeutung moralischer Werte Schließlich wurde auch die hohe Bedeutung moralischer Werte in beiden Gruppen sehr hoch beurteilt mit einer etwas höheren Ausprägung bei Höchstbegabten (M = 8,06, SD = 2,33) als bei Hochbegabten (M = 7,83, SD = 2,07). Der Unterschied war aber statistisch nicht signifikant (t(126) = -0,60, p>.05). Das Erleben als Ressource wurde in beiden Gruppen eher moderat beurteilt mit sehr ähnlichen Werten bei Hochbegabten (M = 6,03, SD = 3,04) und bei Höchstbegabten (M = 5,98, SD = 3,12); t(128) = 0,09, p>.05. Die Wahrnehmung als Belastung wurde in beiden Gruppen eher niedrig eingeschätzt mit etwas höheren Werten bei Hochbegabten (M = 3,62, SD = 3,07) als bei Höchstbegabten (M = 3,37, SD = 3,04). Jedoch war auch dieser Unterschied nicht signifikant (t(128) = 0,45, p>.05). In den Freitextantworten zum Ressourcenerleben betonten deutlich mehr Höchstbegabte, dass ihnen moralische Werte als Kompass dienten (n = 14 (21,54%) zu n = 5 (7,69%)) und dass sie ihren Werten im Handeln folgten (n = 10 (15,38%) zu n = 5 (7,69%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte schilderten, unabhängig von Konventionen eigene Moralvorstellungen entwickelt zu haben (jeweils n = 8 (12,31%)). Einige Hochbegabte erwähnten, Wertschätzung durch andere Menschen für ihr moralisches Verhalten zu erfahren (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). An Belastungen benannten Höchstbegabte häufiger, von unmoralischem Verhalten anderer Menschen enttäuscht zu sein (n = 14 (21,54%) zu n = 10 (12,31%)) sowie selbst gesellschaftliche Nachteile durch moralisches Verhalten zu erfahren (n = 6 (9,23%) zu n = 1 (1,54%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte erwähnten, hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen (jeweils n = 4 ( 6,15%)), auch hohe Ansprüche an andere Menschen zu haben (jeweils n = 2 (3,08%)) und aufgrund der moralischen Werte in Konflikte mit anderen Menschen zu geraten (jeweils n = 2 (3,08%)). Geringfügig mehr Hochbegabte gaben an, dass der Austausch mit Mitmenschen über Moral schwierig sei (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und dass es ihnen mit der Zeit gelungen sei, die Erwartungen an andere Menschen zu reduzieren (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). 3.2.9 Breit gefächerte Interessen Die breit gefächerten Interessen wurden von Höchstbegabten sehr hoch eingeschätzt (M = 8,40, SD = 2,08) und von Hochbegabten deutlich niedriger, aber immer noch hoch (M = 7,83, SD = 2,29). Der Unterschied verfehlte jedoch die Signifikanzgrenze (t(127) = -1,48, p>.05). Das Ressourcenerleben war in beiden Gruppen eher hoch, wobei auch hier Höchstbegabte höhere Werte aufwiesen (M = 7,45, SD = 2,43) als Hochbegabte (M = 7,02, SD = 2,48). Auch dieser Unterschied war nicht signifikant (t(128) = -1,00, p>.05). Das Belastungserleben erwies sich als eher niedrig, wobei Hochbegabte dort höhere Werte aufwiesen (M = 3,38, SD = 2,64) als Höchstbegabte (M = 2,89, SD = 2,96). Doch auch dieser Unterschied war nicht signifikant (t(126) = 0,98, p>.05). In den Freitextantworten schätzten deutlich mehr Höchstbegabte ihre Freude und Begeisterungsfähigkeit für neue Themen als Ressource (n = 31 (47,69%) zu n = 20 (30,77%)) und zudem ihr durch die breit gefächerten Interessen entstandenes großes Wissen über vielfältige Themen (n = 10 (15,38%) zu n = 7 (10,77%)), die Fähigkeit, vorhandenes Wissen aus verschiedenen 19 Bereichen zu verknüpfen (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) sowie sich nacheinander tiefgründig mit unterschiedlichen Themen zu befassen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Einige Höchstbegabte berichteten, ihren Interessen vor allem durch Lesen nachzugehen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und die zahlreichen Interessen als hilfreich fürs Problemlösen zu erleben (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Außerdem erwähnten etwas mehr Höchstbegabte, dass sie gelernt hätten, Prioritäten zwischen ihren Interessen zu setzen (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte äußerten, durch die breit gefächerten Interessen bei vielen Themen mitreden zu können (jeweils n = 3 (4,62%)). An Belastungen schilderten Höchstbegabte wesentlich häufiger, sich nur oberflächlich mit Themen zu beschäftigen, da Neues schnell langweilig werde (n = 11 (16,92%) zu n = 8 (12,31%)), Unverständnis von anderen Menschen für die breit gefächerten Interessen zu ernten (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)) sowie kein Durchhaltevermögen zu besitzen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte beklagten, sich wegen der vielfältigen Interessen nirgends als richtiger Experte zu fühlen (jeweils n = 7 (10,77%)) und Schwierigkeiten bei der Studien- oder Berufswahl zu haben (jeweils n = 3 (4,62%)). Hochbegabte litten häufiger darunter, zu wenig Zeit für alle Interessen zu haben (n = 12 (18,46%) zu n = 9 (13,85%)), sich schwer auf ein Thema fokussieren zu können, ablenkbar zu sein und sich zu verzetteln (n = 5 (7,69%) zu n = 2 (3,08%)), sich schwer zwischen den Interessen entscheiden zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und von Reizen überflutet oder überfordert zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Zudem benannten mehr Hochbegabte, eher einen engen Interessensbereich zu haben (n = 6 (9,23%) zu n = 3 (4,62%)). 3.2.10 Visuell-räumlicher Denk- und Lernstil Auch der visuell-räumliche Denk -und Lernstil war bei Höchstbegabten sehr hoch ausgeprägt (M = 8,31, SD = 1,90) und bei Hochbegabten deutlich niedriger, aber immer noch hoch (M = 7,00, SD = 2,18). Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war statistisch hoch signifikant (t(124) = -3,60, p<.001). Auch beim Ressourcenerleben erzielten Höchstbegabte (M = 7,40, SD = 2,60) eine deutlich höhere Ausprägung als Hochbegabte (M = 6,30, SD = 2,91). Dieser Unterschied war ebenfalls signifikant (t(126) = -2,33, p<.05). Das Belastungserleben wurde von beiden Gruppen eher niedrig eingeschätzt, wobei Höchstbegabte (M = 2,63, SD = 2,79) hier etwas höhere Werte aufwiesen als Hochbegabte (M = 1,97, SD = 2,42), statistisch jedoch nicht signifikant (t(120) = -1,41, p>.05). In den Freitextantworten schilderten deutlich mehr Höchstbegabte als Ressource, durch den visuell- räumlichen Denk- und Lernstil Zusammenhänge und Querverbindungen besser erkunden zu können (n = 13 (20,00%) zu n = 5 (7,69%)), große Gedankensprünge vollziehen zu können (n = 9 (13,85%) zu n = 1 (1,54%)), Informationen aus verschiedenen Quellen oder mit Vorwissen verknüpfen zu können (n = 8 (12,31%) zu n = 4 (6,15%)), Themen schnell in der Tiefe erfassen zu können (n = 8 (12,31%) zu n = 6 (9,23%)), in Bildern zu denken (n = 6 (9,23%) zu n = 2 (3,08%)) sowie das Gesamte besser erfassen zu können (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)). Des Weiteren erlebten Höchstbegabte deutlich häufiger den netzwerkartigen Denkstil als Normalität (n = 7 (10,77%) zu n = 4 (6,15%)), empfanden Freude an dieser Art des Denkens (n = 7 (10,77%) zu n = 0 (0,00%)), erachteten diesen Denkstil als Voraussetzung für schnelles Denken (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) und erlebten ihn als hilfreich für den Beruf (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und als hilfreich fürs vorausschauende Denken (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Einige Höchstbegabte empfanden in diesem Zusammenhang auch den Kontakt zu anderen Hoch- und Höchstbegabten als entlastend (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte schätzten die Arbeit mit vielen Visualisierungen (jeweils n = 7 (10,77%)). Hinsichtlich der wahrgenommenen Belastungen beschrieben Höchstbegabte häufiger, dass andere Menschen ihrem Denken nicht folgen könnten (n = 5 (7,69%) zu n = 4 (6,15%)), erlebten öfter eine Inkompatibilität mit der Lern- oder Arbeitsweise anderer Menschen (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), 20 wurden häufiger von anderen als dumm wahrgenommen (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), erlebten sich öfter am Beginn von Lernprozessen als langsam (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und waren durch das Warten auf andere Menschen stärker belastet (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte äußerten Probleme, anderen Menschen das eigene Denken zu vermitteln (jeweils n = 3 (4,62%)) sowie Bilder für andere Menschen in Worte zu übertragen (jeweils n = 2 (3,08%)). Hochbegabte beklagten deutlich öfter, beim Lernen oder Arbeiten unstrukturiert oder chaotisch zu wirken (n = 7 (10,77%) zu n = 2 (3,08%)) sowie sich zu verzetteln und vom Thema abzuschweifen (n = 5 (7,69%) zu n = 2 (3,08%)). Auch gaben mehr Hochbegabte an, eher einen sequenziellen Denkstil zu haben (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)). 3.2.11 Hohe intrinsische Motivation Die intrinsische Motivation war bei Hochbegabten sehr hoch ausgeprägt (M = 8,05, SD = 2,06) und bei Höchstbegabten deutlich niedriger, aber immer noch hoch (M = 7,68, SD = 2,50). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(124) = 0,92, p>.05). Beide Gruppen wiesen ein eher hohes Ressourcenerleben auf mit nahezu identischen Werten bei Hochbegabten (M = 7,23, SD = 2,94) und Höchstbegabten (M = 7,23, SD = 2,67); t(127) = 0,00, p>.05. Das Erleben als Belastung war in beiden Gruppen eher niedrig ausgeprägt, ebenfalls mit sehr ähnlichen Werten bei Hochbegabten (M = 2,37, SD = 2,82) und Höchstbegabten (M = 2,40, SD = 2,81); t(128) = -0,06, p>.05. In den Freitextantworten schilderten Höchstbegabte deutlich häufiger, nur dann intrinsisch motiviert zu sein, wenn sie eigenes Interesse an einem Thema verspürten (n = 9 (13,85%) zu n = 5 (7,69%)) oder wenn sie die Beschäftigung mit dem Thema als sinnhaft erlebten (n = 6 (9,23%) zu n = 2 (3,08%)). Im Zustand hoher intrinsischer Motivation befanden sich mehr Höchstbegabte im Flow- Erleben (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) und erachteten die Motivation als hilfreich für die Zielerreichung (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)). Außerdem erkannten Höchstbegabte in ihrer Motivation häufig sowohl intrinsische als auch extrinsische Aspekte (n = 5 (7,69%) zu n = 0 (0,00%)), während Hochbegabte wesentlich häufiger angaben, dass ihre intrinsische Motivation deutlich höher sei als die extrinsische Motivation (n = 10 (15,38%) zu n = 3 (4,62%)). Geringfügig mehr Hochbegabte empfanden Freude bei intrinsisch motivierten Tätigkeiten (n = 14 (21,54%) zu n = 13 (20,00%)) und nahmen bei sich eine hohe Ausdauer durch die Motivation wahr (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). An Belastungen äußerten Hochbegabte wesentlich öfter, kaum oder gar nicht auf extrinsische Anreize wie Geld oder Status anzusprechen (n = 10 (15,38%) zu n = 6 (9,23%)), für intrinsisch motivierte Tätigkeiten von anderen Menschen nicht genügend Anerkennung zu erhalten (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), durch die eigene intrinsische Motivation oft überfordert zu sein (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) sowie sich schwer zu tun, wenn die Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit verloren geht (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Höchstbegabte benannten minimal häufiger die Schwierigkeit, eine ausreichend bezahlte sinnstiftende Tätigkeit zu finden (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Geringfügig mehr Hochbegabte gaben an, eher wenig intrinsische Motivation zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)). 3.2.12 Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens Die Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens war in beiden Gruppen eher hoch ausgeprägt, wobei Höchstbegabte leicht höhere Werte aufwiesen (M = 7,82, SD = 2,27) als Hochbegabte (M = 7,62, SD = 2,38). Der Unterschied war aber nicht signifikant (t(128) = -0,49, p>.05). Es zeigte sich ein moderates Ressourcenerleben mit sehr ähnlichen Werten bei Hochbegabten (M = 5,52, SD = 3,30) und Höchstbegabten (M = 5,48, SD = 3,33); t(128) = 0,08, p>.05. Das Belastungserleben erreichte in beiden Gruppen eher niedrige Werte, jedoch fühlten sich 21 Höchstbegabte (M = 3,82, SD = 3,30) stärker belastet als Hochbegabte (M = 3,03, SD = 2,92). Jedoch war der Unterschied nicht signifikant (t(125) = -1,42, p>.05). In den Freitextantworten benannten Hochbegabte häufiger als Ressource, die realistische Selbsteinschätzung als hilfreich zu erleben (n = 12 (18,46%) zu n = 10 (15,38%)) sowie eigene Grenzen und Fehler offen zu kommunizieren (n = 6 (9,23%) zu n = 4 (6,15%)). Höchstbegabte schilderten häufiger, ihre Grenzen gelassen wahrnehmen zu können (n = 5 (7,69%) zu n = 1 (1,54%)), durch ihr bescheidenes Auftreten sympathisch zu wirken (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) und besser Rat von anderen Menschen einholen zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Zudem berichteten Höchstbegabte etwas öfter, dass ihnen die Kenntnis über die eigene Begabung beim Umgang mit ihren Grenzen helfe (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte äußerten, dass die wahrgenommenen Grenzen sich in Neugier übersetzen und den Ehrgeiz fördern (jeweils n = 2 (3,08%)). Hinsichtlich der wahrgenommenen Belastungen gaben Höchstbegabte wesentlich häufiger an, ihre eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen und sich zu wenig zuzutrauen (n = 14 (12,54%) zu n = 5 (7,69%)). Außerdem äußerten mehr Höchstbegabte, sehr selbstkritisch zu sein (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), sehr zurückhaltend zu sein (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) sowie zu wenig Austauschpartner bezüglich ihrer Selbstwahrnehmung zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte erlebten Frustration durch das Erkennen ihrer Grenzen (jeweils n = 5 (7,69%)). Hochbegabte litten öfter darunter, sich über die Selbstüberschätzung anderer Menschen zu ärgern (n = 5 (7,69%) zu n = 2 (3,08%)), beschrieben jedoch auch häufiger, die eigenen Grenzen eher erweitern zu wollen (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)) oder sich gar nicht bewusst mit den eigenen Grenzen auseinanderzusetzen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). 3.2.13 Hohe sprachliche Fähigkeiten Auch bei den sprachlichen Fähigkeiten erzielten Hochbegabte (M = 7,73, SD = 2,25) und Höchstbegabte (M = 7,68, SD = 2,30) eine hohe Ausprägung, wobei die Werte der Hochbegabten minimal über denen der Höchstbegabten lagen ohne signifikanten Unterschied (t(126) = 0,13, p>.05). Auch das Erleben als Ressource war in beiden Gruppen hoch, wobei auch hier die Hochbegabten (M = 8,00, SD = 2,38) eine etwas höhere Ausprägung aufwiesen als die Höchstbegabten (M = 7,81, SD = 2,86), ohne dass der Unterschied signifikant war (t(122) = 0,40, p>.05). Das Erleben als Belastung wurde in beiden Gruppen sehr niedrig eingestuft mit etwas höheren Werten bei Hochbegabten (M = 1,89, SD = 2,73) als bei Höchstbegabten (M = 1,42, SD = 2,26), wobei der Unterschied nicht signifikant war (t(118) = 1,04, p>.05). In den Freitextantworten zum Ressourcenerleben benannten Höchstbegabte deutlich häufiger, dass die sprachlichen Fähigkeiten hilfreich fürs Verfassen von Texten seien (n = 15 (23,08%) zu n =5 (7,69%) und zudem fürs Erlernen vielfältiger Fremdsprachen (n = 13 (20,00%) zu n = 8 (12,31%)), für eine sehr gute Kompetenz in der Muttersprache (n = 10 (15,38%) zu n = 9 (13,85%)) sowie für das berufliche Vorankommen (n = 7 (10,77%) zu n = 5 (7,69%)). Des Weiteren gaben mehr Höchstbegabte an, Dinge gut auf den Punkt bringen zu können (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)) und sehr gut in Grammatik zu sein (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)). Auch erlebten mehr Höchstbegabte den Kontakt zu anderen Hoch- und Höchstbegabten als förderlich für den Umgang mit ihren hohen sprachlichen Fähigkeiten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte äußerten, Freude am verbalen Ausdruck zu empfinden (jeweils n = 14 (21,54%)). Hochbegabte schilderten etwas öfter, sich gut auf das Sprachniveau ihres Gegenübers einstellen zu können (n = 5 (7,69%) zu n = 4 (6,15%)), sich in Diskussionen überlegen zu fühlen (n = 5 (7,69%) zu n = 0 (0,00%)) sowie sehr gut in Rechtschreibung zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). 22 In Bezug auf die Belastungen berichteten Höchstbegabte häufiger, von anderen Menschen als angeberisch oder hochnäsig wahrgenommen zu werden (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), bei Rechtschreib- oder Grammatikfehlern anderer Unwohlsein zu empfinden (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), von anderen die Rückmeldung zu erhalten, dass diese im Gespräch nicht folgen können (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), die eigene Sprache schwer für andere vereinfachen zu können (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)) und wegen bildhaftem Denken oder komplexen Abwägungen eine eher stockende Sprache zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich häufig erwähnten Hoch- und Höchstbegabte, andere Menschen wegen Rechtschreib- oder Grammatikfehlern oft zu korrigieren (jeweils n = 2 (3,08%)) sowie unter unpräzisen oder widersprüchlichen Formulierungen von Mitmenschen zu leiden (jeweils n = 2 (3,08%)). Hochbegabte beklagten öfter, durch sprachliche Abwägungen viel Zeit zum Schreiben von Texten zu benötigen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%), mit exakten Formulierungen auf Ablehnung durch andere Menschen zu stoßen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie durch Herausreden unangenehme Themen zu vermeiden (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Außerdem äußerten gleich viele Hoch- und Höchstbegabte, eher nicht sprachbegabt zu sein (jeweils n = 4 (6,15%)). 3.2.14 Hohe Sensibilität Des Weiteren war die hohe Sensibilität in beiden Gruppen eher hoch ausgeprägt mit etwas höheren Werten bei Höchstbegabten (M = 7,80, SD = 2,40) als bei Hochbegabten (M = 7,34, SD = 2,77). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(125) = -1,00, p>.05). Das Erleben als Ressource erwies sich in beiden Gruppen als moderat, ebenfalls mit einer höheren Ausprägung bei Höchstbegabten (M = 5,69, SD = 3,08) als bei Hochbegabten (M = 5,05, SD = 3,20). Auch dieser Unterschied verfehlte die Signifikanzgrenze (t(127) = -1,16, p>.05). Auch im Belastungserleben erreichten beide Gruppen moderate Werte, die bei Hochbegabten (M = 5,20, SD = 2,98) und Höchstbegabten (M = 5,26, SD = 3,20) sehr ähnlich waren (t(126) = 0,08, p>.05). In den Freitextantworten schilderten Höchstbegabte eine höhere Sensibilität bei Geräuschen (n = 18 (27,69%) zu n = 12 (18,46%)), bei Gerüchen (n = 11 (16,92%) zu n = 8 (12,31%)), bei Licht und Visuellem (n = 9 (13,85%) zu n = 7 (10,77%)), bei Berührungen (n = 6 (9,23%) zu n = 3 (4,62%)), bei Geschmack (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), bei Temperatur (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und bei Schmerz (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Etwas mehr Höchstbegabte äußerten, nur sensorisch und nicht emotional hochsensibel zu sein (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)). Als Ressourcen benannten Höchstbegabte öfter große Freude bei der Wahrnehmung von Schönem (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) und erachteten die hohe Sensibilität als hilfreich für die Analyse psychologischer Zusammenhänge (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) und für das Gelingen von Beziehungen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte schätzten deutlich häufiger ihr feines Gespür für Stimmungen und Emotionen anderer Menschen (n = 17 (26,15%) zu n = 11 (16,92%)) und betrachteten die hohe Sensibilität etwas öfter als zuträglich für den Beruf (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)). Hinsichtlich der Belastungen klagten Hochbegabte häufiger über die Wahrnehmung von negativen sensorischen oder emotionalen Reizen (n = 9 (13,85%) zu n = 3 (4,62%)), über Reizüberflutung (n = 7 (10,77%) zu n = 4 (6,15%)), über hohe Ablenkbarkeit (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)), über die Unmöglichkeit die eigene Wahrnehmung abzuschalten (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)(, über Schwierigkeiten zwischen eigenen Gefühlen und denen anderer Menschen zu differenzieren (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), über Abgrenzungsprobleme (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), über mangelnde Konstruktivität in Konfliktsituationen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie über ein hohes Verantwortungsgefühl für andere Menschen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich häufig benannten Hoch- und Höchstbegabte, viele Ruhepausen zu benötigen, um sich von den Reizen ihres Alltags zu erholen (jeweils n = 2 (3,08%)). Höchstbegabte litten häufiger darunter, verletzlich in 23 Beziehungen zu sein (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), negative Filme, Bücher oder Gespräche zum Selbstschutz vermeiden zu müssen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), emotional erschöpft zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), Eindrücke oft nicht richtig deuten zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie von anderen Menschen Unverständnis für ihre Sensibilität zu ernten (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Einige Höchstbegabte gaben an, ihre Sensibilität bei Bedarf abschalten zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Außerdem konstatierten gleich viele Hoch- und Höchstbegabte, eher wenig sensibel zu sein (jeweils n = 3 (4,62%)). 3.2.15 Perfektionismus Außerdem wurde der Perfektionismus von beiden Gruppen eher hoch eingeschätzt. Hierbei erzielten Höchstbegabte höhere Werte (M = 7,69, SD = 2,34) als Hochbegabte (M = 7,08, SD = 2,44). Der Unterschied war aber nicht signifikant (t(128) = -1,47, p>.05). Sowohl bei Hoch- als auch bei Höchstbegabten zeigte sich ein moderates Ressourcenerleben mit etwas höheren Werten bei Höchstbegabten (M = 6,00, SD = 2,73) als bei Hochbegabten (M = 5,84, SD = 3,54). Auch dieser Unterschied war nicht signifikant (t(128) = -0,34, p>.05). Das Belastungserleben war ebenfalls moderat, wobei Höchstbegabte (M = 4,86, SD = 2,94) höhere Werte aufwiesen als Hochbegabte (M = 4,30, SD = 2,91). Dieser Unterschied war jedoch ebenfalls nicht signifikant (t(128) = -1,10, p>.05). In den Freitextantworten äußerten geringfügig mehr Hochbegabte, dass der Perfektionismus hilfreich für gute Leistung sei (n = 10 (15,38%) zu n = 9 (13,85%)) und dass sie vor allem bei hoher intrinsischer Motivation perfektionistisch seien (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)). Auch gaben etwas mehr Hochbegabte an, nur manchmal perfektionistisch zu sein (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)). Höchstbegabte hingegen benannten deutlich öfter die Freude an perfekter Arbeit als Ressource (n = 5 (7,69%) zu n = 0 (0,00%)). Auch berichteten Höchstbegabte geringfügig häufiger, dass sie gelernt hätten, den Perfektionismus zu reduzieren (n = 9 (13,85%) zu n = 8 (12,31%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte erlebten es als entlastend, Selbst- und Fremdanspruch abzugleichen (jeweils n = 2 (3,08%)). Hochbegabte erachteten es zudem als hilfreich, nicht zu lang an der letzten Feinheit zu schleifen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). An Belastungen schilderten Höchstbegabte wesentlich häufiger, sehr hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen (n = 12 (18,46%) zu n = 4 (6,15%)), viel inneren Druck durch den Perfektionismus zu verspüren (n = 7 (10,77%) zu n = 3 (4,62%)), viel Zeit für Arbeiten zu benötigen (n = 6 (9,23%) zu n = 2 (3,08%)), durch überhöhte Selbstansprüche Blockaden oder Überforderung zu erleben (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), sich über die Nachlässigkeit anderer Menschen zu ärgern (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), unter Versagensangst zu leiden (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und extrem selbstkritisch zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte berichteten, dass überhöhte Ansprüche an sich selbst zu Vermeidung oder Aufschieben von Aufgaben führten (jeweils n = 5 (7,69%)) und dass sie auch hohe Ansprüche an andere Menschen hätten (jeweils n = 4 (6,15%)). Auch äußerten mehr Höchstbegabte den Wunsch, ihren Perfektionismus zu verringern (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)). Hochbegabte erwähnten lediglich minimal häufiger, manchmal zu verbissen zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Mehr Hochbegabte äußerten, über ein gutes Maß an Effizienz zu verfügen und zwar ordentlich, aber nicht perfektionistisch zu sein (n = 9 (13,85%) zu n = 6 (9,23%)), und Höchstbegabte gaben häufiger an, gar nicht perfektionistisch zu sein (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). 3.2.16 Imaginationsneigung Des Weiteren war die Imaginationsneigung in beiden Gruppen eher hoch ausgeprägt, wobei Höchstbegabte (M = 7,50, SD = 2,92) deutlich höhere Werte aufwiesen als Hochbegabte (M = 6,17, SD = 3,02). Der Unterschied war statistisch signifikant (t(127) = -2,54, p<.05). Das Erleben als 24 Ressource erwies sich bei Höchstbegabten als eher hoch (M = 6,60, SD = 3,40), während es bei Hochbegabten eher moderat ausfiel (M = 5,71, SD = 3,46). Der Unterschied verfehlte jedoch die Signifikanzgrenze (t(127) = -1,48, p>.05). Das Belastungserleben erwies sich in beiden Gruppen als eher niedrig mit etwas höheren Werten bei Hochbegabten (M = 2,44, SD = 2,87) als bei Höchstbegabten (M = 2,03, SD = 2,34). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(119) = 0,87, p>.05). Die Freitextantworten verdeutlichten, dass Höchstbegabte ihre reiche Fantasie bemerkenswert häufiger als Bereicherung empfanden (n = 18 (27,69%) zu n = 4 (6,15%). Auch schilderten Höchstbegabte öfter als Ressource der Imaginationsneigung, viele innere Bilder und Filme wahrzunehmen (n = 16 (24,62%) zu n = 13 (20,00%)) und erachteten die Fähigkeit öfter als hilfreich fürs Erfinden von Geschichten und Rollenspielen (n = 5 (7,69%) zu n = 4 (6,15%)), fürs Vorstellen realer Umgebungen (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), fürs psychische Wohlbefinden (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), für künstlerische Tätigkeiten (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), fürs Problemlösen (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)) und um die eigene Stimmung zu ändern (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Auch viele lebendige Träume (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie Wertschätzung durch andere für die reiche Fantasie (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) wurden von Höchstbegabten etwas öfter benannt. Gleich häufig erwähnten Hoch- und Höchstbegabte, viele Tagträume zu haben (jeweils n = 3 (4,62%)) und innerlich nur Gedankenketten, aber keine Bilder wahrzunehmen (jeweils n = 2 (3,08%)). Mehr Hochbegabte äußerten, sich mit ihrer Fantasie gut selbst beschäftigen zu können (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)) und erlebten diese als hilfreich für den Beruf (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), für die Vorbereitung auf neue Situationen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und fürs Gedächtnis (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). An Belastungen erwähnten Höchstbegabte häufiger, sich in negative Vorstellungen von Gefahren hineinzusteigern (n = 14 (21,54%) zu n = 10 (15,38%)), brutale Bilder schwer wieder los zu werden (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)), Filme mit Gewalt vermeiden zu müssen (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)) sowie den Bezug zur Realität leicht zu verlieren (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte gaben an, sich in Tagträumen zu verlieren (jeweils n = 2 (3,08%)). Hochbegabte benannten öfter, wenig Wertschätzung von außen für diese Fähigkeit zu erhalten (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), viele Alpträume zu durchleben n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) und viel Unverständnis durch andere Menschen zu ernten (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Auch berichteten deutlich mehr Hochbegabte, keine bildlichen Vorstellungen abrufen zu können (n = 5 (7,69%) zu n = 1 (1,54%)) oder nicht viel Fantasie zu haben (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)). 3.2.17 Kreativität Ebenso wurde die Kreativität in beiden Gruppen eher hoch beurteilt mit deutlich höheren Werten bei Höchstbegabten (M = 7,49, SD = 2,34) als bei Hochbegabten (M = 6,25, SD = 2,53). Der Unterschied war statistisch hoch signifikant (t(126) = -2,89, p<.01). Das Erleben als Ressource war ebenfalls in beiden Gruppen eher hoch ausgeprägt, wobei Höchstbegabte (M = 7,23, SD = 3,29) etwas höhere Werte aufwiesen als Hochbegabte (M = 6,73, SD = 3,06). Dieser Unterschied verfehlte die Signifikanzgrenze (t(125) = -0,89, p>.05). Das Belastungserleben wurde hingegen als sehr niedrig beurteilt mit leicht höheren Werten bei Hochbegabten (M = 1,39, SD = 2,12) als bei Höchstbegabten (M = 1,16, SD = 2,10). Auch dieser Unterschied war nicht signifikant (t(124) = 0,61, p>.05). In den Freitextantworten äußerten Höchstbegabte deutlich mehr Freude und Bereicherung bei der Schaffung von Neuem (n = 12 (18,46%) zu n = 5 (7,69%)). Auch erachteten Höchstbegabte die Kreativität etwas öfter als hilfreich bei künstlerischer Betätigung (n = 6 (9,23%) zu n = 5 (7,69%)), im Beruf (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), beim Musizieren (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), bei der Variation von Bekanntem (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), bei der Wahrnehmung vielfältiger Handlungsoptionen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und bei der Zweckentfremdung von 25 Gegenständen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte betrachteten die Kreativität als förderlich fürs Verfassen von Texten und Reden (jeweils n = 7 (10,77%)). Minimal häufiger empfanden Hochbegabte die Fähigkeit als Ressource beim Problemlösen (n = 15 (23,08%) zu n = 14 (21,54%)) sowie im handwerklichen und technischen Bereich (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)). Als Belastung empfanden Höchstbegabte häufiger, von anderen Menschen keine Wertschätzung, sondern eher Unverständnis für kreative Ideen zu ernten (n = 6 (9,23%) zu n = 2 (3,08%)), zu wenig Zeit für die Umsetzung ihrer Ideen zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), kein Ventil für die Kreativität zu finden (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und durch den eigenen Perfektionismus bei kreativen Tätigkeiten gehemmt zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Etwas mehr Hochbegabte äußerten, eher unkreativ zu sein (n = 7 (10,77%) zu n = 5 (7,69%)). 3.2.18 Geringer Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten Außerdem war der geringe Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten in beiden Gruppen eher hoch ausgeprägt. Auch hier übertrafen die Werte der Höchstbegabten (M = 7,34, SD = 2,15) deutlich die Werte der Hochbegabten (M = 6,41, SD = 2,08). Der Unterschied war statistisch signifikant (t(126) = -2,48, p<.05). Ebenso wurde auch das Ressourcenerleben in beiden Gruppen hoch eingeschätzt, wobei die Werte bei Höchstbegabten (M = 8,08, SD = 2,30) wesentlich höher waren als bei Hochbegabten (M = 7,13, SD = 2,83). Auch dieser Unterschied lieferte ein signifikantes Ergebnis (t(119) = -2,08, p<.05). Das Belastungserleben hingegen war in beiden Gruppen sehr niedrig ausgeprägt mit ähnlichen Werten bei Hochbegabten (M = 1,52, SD = 2,38) und Höchstbegabten (M = 1,47, SD = 2,40); t(123) = 0,13, p>.05. In den Freitextantworten betonten Höchstbegabte deutlich häufiger, generell über verschiedene Fertigkeiten hinweg schnell im Lernen zu sein (n = 13 (20,00%) zu n = 3 (4,62%)). Hinsichtlich spezifischer Fertigkeiten äußerten Höchstbegabte häufiger einen geringen Übungsbedarf bei intellektuellen Dingen (n = 11 (16,92%) zu n = 9 (13,85%)), bei handwerklichen Tätigkeiten (n = 6 (9,23%) zu n = 1 (1,54%)) und beim Musizieren (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)). Zudem benannten Höchstbegabte öfter als Ressource, dadurch vielfältige berufliche Möglichkeiten zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) und schnell bei den Besten zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Einige Höchstbegabte äußerten auch, nur dann wenig üben zu müssen, solang die Aufgaben einfach seien (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte schilderten häufiger Freude am schnellen Lernen (n = 10 (15,38%) zu n = 6 (9,23%)) und berichteten geringfügig öfter, von anderen Menschen aufgrund ihres geringen Übungsbedarfes als kompetent angesehen zu werden (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)) sowie vor allem bei eigenem Interesse an einer Sache einen geringen Übungsbedarf zu haben (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Wahrgenommene Belastungen bestanden bei Höchstbegabten häufiger darin, aufgrund des geringen Übungsbedarfes kaum Anstrengungsbereitschaft und Frustrationstoleranz entwickelt zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), wegen Widerstand gegen das Üben Dinge wie beispielsweise ein Musikinstrument oder Fremdsprachen nicht erlernen zu können (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), andere Menschen im Lerntempo abzuhängen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), durch das Warten auf andere Menschen belastet zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), für herausfordernde Aufgaben keine Lernstrategien erworben zu haben (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie das eigene Wissen wegen fehlender Wiederholungen nicht mit Beispielen verknüpft zu haben (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Auch bezeichneten mehr Höchstbegabte den geringen Übungsbedarf nur als teilweise vorhanden und erlebten im Alltag sowohl Situationen des schnellen Lernens als auch Situationen des langsameren Lernens (n = 6 (9,23%) zu n = 4 (6,15%)). Hochbegabte hingegen äußerten öfter, Langeweile oder Widerstand zu verspüren, wenn Wiederholungen gefordert werden (n = 6 (9,23%) zu 26 n = 4 (6,15%)), gaben aber auch etwas häufiger an, generell recht viel üben zu müssen (n = 5 (7,69%) zu n = 4 (6,15%)). 3.2.19 Sehr gutes Gedächtnis Zudem erzielten sowohl Hoch- als auch Höchstbegabte beim Gedächtnis eher hohe Werte, wobei Höchstbegabte ihr Gedächtnis als etwas besser einschätzten (M = 7,18, SD = 2,40) als Hochbegabte (M = 6,68, SD = 2,40). Der Unterschied war nicht signifikant (t(125) = -1,19, p>.05). Auch das Ressourcenerleben war in beiden Gruppen eher hoch, wobei Höchstbegabte höhere Werte erzielten (M = 7,41, SD = 2,89) als Hochbegabte (M = 6,79, SD = 3,05). Dieser Unterschied war ebenfalls nicht signifikant (t(125) = -1,23, p>.05). Das Belastungserleben hingegen erwies sich in beiden Gruppen als eher niedrig, aber mit etwas höheren Werten bei Höchstbegabten (M = 2,78, SD = 3,13) als bei Hochbegabten (M = 2,44, SD = 2,91). Der Unterschied war nicht signifikant (t(126) = -0,67, p>.05). In den Freitextantworten gaben Höchstbegabte deutlich häufiger an, vor allem bei eigenem Interesse für ein Thema ein sehr gutes Gedächtnis zu haben (n = 12 (18,46%) zu n = 7 (10,77%)), sich wortgetreu an Gespräche erinnern zu können (n = 8 (12,31%) zu n = 2 (3,08%)), sich vor allem gut an Räumliches, Orte und Bilder erinnern zu können (n = 5 (7,69%) zu n = 1 (1,54%)), sich fast alles merken zu können (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), vor allem wichtige Dinge gut im Gedächtnis abspeichern zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), ein sehr bildhaftes Gedächtnis zu haben (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie sich an die früheste Kindheit unter drei Jahren erinnern zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). An Ressourcen schilderten Höchstbegabte häufiger, dass das sehr gute Gedächtnis praktisch im Alltag sei (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%), dass es hilfreich fürs Lernen sei (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)) und dass sich hierdurch vieles aus dem Stehgreif reproduzieren lasse (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte beschrieben minimal häufiger, dass ihr Gedächtnis nur in manchen Bereichen gut und in anderen eher schlecht sei (n = 14 (21,54%) zu n = 13 (20,00%)). Des Weiteren benannten Hochbegabte öfter spezifische Bereiche, in denen sie über eine sehr gute Merkfähigkeit verfügten, beispielsweise bei persönlich erlebten Situationen und emotionalen Erinnerungen (n = 8 (12,31%) zu n = 5 (7,69%)), bei Fakten (n = 6 (9,23%) zu n = 1 (1,54%)), bei verstandenen Zusammenhängen (n = 4 (6,15%) zu n =3 (4,62%)), bei Zahlen (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)) und bei Namen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Auch äußerten Hochbegabte öfter, dass die Fremdwahrnehmung ihres Gedächtnisses besser sei als die Selbstwahrnehmung (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)) und erlebten ihr Gedächtnis öfter als hilfreich für den Beruf (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). An Belastungen schilderten Höchstbegabte wesentlich häufiger Konflikte mit anderen Menschen oder Irritationen bei diesen, da sie sich an Dinge erinnerten, die den anderen entfallen waren (n = 9 (13,85%) zu n = 2 (3,08%)) und zudem detaillierte Erinnerungen an Negatives (n = 8 (12,31%) zu n = 4 (6,15%)). Außerdem erwähnten mehr Höchstbegabte, durch das sehr gute Gedächtnis nachtragend zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), bei anderen Menschen fälschlicherweise den Eindruck großen Interesses an deren Person zu erwecken (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie Bilder in Worte dekodieren zu müssen, um Gedächtnisinhalte kommunizieren zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte drückten öfter Unsicherheit bei der Überlegung aus, mit welchen Erinnerungen sie andere Menschen konfrontieren dürfen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Aber auch deutlich mehr Hochbegabte schätzten ihr Gedächtnis eher schlecht ein (n = 9 (13,85%) zu n =5 (7,69%)). Hingegen schilderten etwas mehr Höchstbegabte ein Nachlassen des Gedächtnisses mit zunehmendem Alter (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). 27 3.2.20 Intensive Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer Darüber hinaus war die intensive Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer sowohl bei Hochbegabten (M = 6,86, SD = 2,42) als auch bei Höchstbegabten (M = 6,89, SD = 2,70) eher hoch ausgeprägt mit nahezu identischen Werten in beiden Gruppen (t(126) = -0,07, p>.05). Das Erleben als Ressource war ebenfalls in beiden Gruppen eher hoch mit minimal höheren Werten bei Höchstbegabten (M = 7,22, SD = 3,12) als bei Hochbegabten (M = 7,10, SD = 2,58); t(123) = -0,24, p>.05. Das Belastungserleben war hingegen eher gering ausgeprägt, wobei sich Höchstbegabte (M = 2,39, SD = 2,95) stärker belastet fühlten als Hochbegabte (M = 1,87, SD = 2,50). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(124) = -1,08, p>.05). In den Freitextantworten äußerten Höchstbegabte bedeutsam häufiger als Ressource der intensiven Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, in den Zustand des Flow-Erlebens zu geraten (n = 11 (16,92%) zu n = 4 (6,15%)). Geringfügig mehr Höchstbegabte schilderten, nur bei eigenem Interesse für eine Sache auf diese Fähigkeit zugreifen zu können (n = 15 (23,08%) zu n = 13 (20,00%)), die intensive Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer als hilfreich für Produktivität und Zielerreichung zu erleben (n = 6 (9,23%) zu n = 5 (7,69%)) sowie sie als förderlich fürs psychische Wohlbefinden zu betrachten (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Hochbegabte gaben häufiger an, nur bei herausfordernden Aufgaben konzentriert zu sein (n = 5 (7,69%) zu n = 1 (1,54%)). An Belastungen beschrieben Höchstbegabte häufiger, sich zwar gut konzentrieren zu können, aber wenig Ausdauer zu besitzen (n = 5 (7,69%) zu n = 1 (1,54%)), nur manchmal konzentriert zu sein und manchmal nicht (n = 5 (7,69%) zu n =1 (1,54%)), mit der eigenen Ausdauer andere Menschen zu überfordern (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)), die Zeit zu vergessen (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), das Essen zu vergessen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), sich über Störung von außen zu ärgern (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), sich in eine Aufgabe zu verbeißen und nicht davon los zu kommen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), Dinge dann interessant zu finden, wenn andere bereits erschöpft sind (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie sich zu überlasten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte gaben an, durch die intensive Konzentration auf eine Sache Dinge in der Umgebung nicht mehr mitzubekommen (jeweils n = 3 (4,62%)). Hochbegabte berichteten öfter, an einer Aufgabe bis zur Erschöpfung dran zu bleiben (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)) und durch die intensive Ausdauer unter Schlafmangel zu leiden (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Einige Teilnehmer*innen beklagten jedoch auch eine herabgesetzte Konzentrationsfähigkeit. Höchstbegabte sahen häufiger Krankheiten als Ursache hierfür (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)), und gleich viele Hoch- und Höchstbegabte beklagten ein Nachlassen mit dem Alter (jeweils n = 2 (3,08%)). Geringfügig mehr Hochbegabte äußerten ohne Angabe von Gründen, sich einfach schwer konzentrieren zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). 3.2.21 Beschäftigung mit existenziellen Themen Die Beschäftigung mit existenziellen Themen wurde ebenfalls in beiden Gruppen eher hoch eingeschätzt mit sehr ähnlichen Werten bei Hochbegabten (M = 6,49, SD = 3,01) und Höchstbegabten (M = 6,55, SD = 3,19); t(128) = -0,11, p>.05. Es zeigte sich in beiden Gruppen ein moderates Erleben als Ressource, wobei hier Hochbegabte (M = 4,47, SD = 3,08) etwas höhere Werte erzielten als Höchstbegabte (M = 4,25, SD = 3,38). Der Unterschied war aber nicht signifikant (t(126) = 0,39, p>.05). Das Belastungserleben erwies sich als eher niedrig, wobei sich Höchstbegabte (M = 3,75, SD = 3,58) geringfügig stärker belastet fühlten als Hochbegabte (M = 3,59, SD = 3,16). Auch dieser Unterschied war nicht signifikant (t(126) = -0,27, p>.05). In den Freitextantworten schilderten Höchstbegabte häufiger ein hohes emotionales Engagement bei der Beschäftigung mit diesen Themen (n = 8 (12,31%) zu n = 6 (9,23%)), betonten deutlich häufiger, die Beschäftigung mit solchen Themen oder Gespräche darüber zu mögen (n = 6 (9,23%) zu n = 0 (0,00%)), erlebten es als wichtiger darüber Bescheid zu wissen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und 28 empfanden hierdurch ein Gefühl der Sinnhaftigkeit (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich häufig äußerten Hoch- und Höchstbegabte, Ehrgeiz zu aktivem Handeln zu verspüren (jeweils n = 3 (4,62%)) sowie die Beschäftigung mit solchen Themen als Normalität zu erleben (jeweils n = 2 (3,08%)). Mehr Hochbegabte gaben an, einen Beruf in diesem Bereich zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Hinsichtlich spezieller Themen benannten Höchstbegabte öfter die Beschäftigung mit Tod und Krankheit (n = 8 (12,31%) zu n = 4 (6,15%)), mit übergeordneten Sinnfragen (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)), mit Krieg (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)) und mit dem Klimawandel (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte erwähnten deutlich häufiger, als Resultat aus der Auseinandersetzung mit solchen Themen konsequent zu handeln, beispielsweise durch Helfen oder Spenden (n = 6 (9,23%) zu n = 0 (0,00%)) sowie sich nur Betätigungen zu suchen, mit denen man sicher im Kleinen etwas bewegen kann (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Wahrgenommene Belastungen bestanden bei Höchstbegabten wesentlich häufiger darin, diese Themen verdrängen zu müssen, da das damit verbundene Leid als unerträglich empfunden wurde (n = 7 (10,77%) zu n = 0 (0,00%)), bestimmte Nachrichten zum Selbstschutz vermeiden zu müssen (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)), die eigenen Einflussmöglichkeiten als sehr gering einzuschätzen (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), sich über unbedachtes Verhalten anderer Menschen zu ärgern (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) sowie schwer gelassen bleiben zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleichzeitig erwähnten aber auch einige Höchstbegabte, Gelassenheit hinsichtlich dieser Themen zu empfinden (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich häufig berichteten Hoch- und Höchstbegabte, angesichts dieser Themen oft Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung zu empfinden (jeweils n = 5 (7,69%)) sowie Angst durch diese Themen zu erleben (jeweils n = 2 (3,08%)). Hochbegabte schilderten öfter, dass zwar existenzielle Themen im Hintergrund seien, sie jedoch kein Bedürfnis zu handeln verspürten (n = 5 (7,69%) zu n = 1 (1,54%)), dass sie diese Themen nicht an sich heran ließen, solang sie selbst keinen Einfluss darauf nehmen könnten (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)) sowie keine Gesprächspartner für diese Themen finden zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). 3.2.22 Hohes Energielevel Auch das Energielevel wurde in beiden Gruppen eher hoch eingeschätzt mit etwas höheren Werten bei Höchstbegabten (M = 6,25, SD = 2,87) als bei Hochbegabten (M = 6,02, SD = 2,67). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(125) = -0,49, p>.05). Während das Ressourcenerleben bei Höchstbegabten eher hoch ausgeprägt war (M = 6,71, SD = 3,22), erreichten Hochbegabte nur eine moderate Ausprägung (M = 5,92, SD = 3,00). Jedoch verfehlte der Unterschied die Signifikanzgrenze (t(128) = -1,43, p>.05). Das Belastungserleben war hingegen eher niedrig, wobei sich Hochbegabte (M = 2,64, SD = 2,66) etwas mehr belastet fühlten als Höchstbegabte (M = 2,42, SD = 2,85); t(128) = 0,48, p>.05. In den Freitextantworten benannten deutlich mehr Höchstbegabte als Ressource, dass das hohe Energielevel vorteilhaft für die Leistungsfähigkeit sowie die Verfolgung von Interessen sei, so das viel gleichzeitig möglich sei (n = 11 (16,92%) zu n = 3 (4,62%)). Auch Erlebten Höchstbegabte diese Eigenschaft öfter als große Bereicherung (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), benötigten teilweise weniger als sechs Stunden Nachtschlaf (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und erlebten ein hohes Energielevel mitunter nur bei eigenem Interesse für ein Thema oder bei herausfordernden Tätigkeiten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte schilderten, von anderen Menschen als sehr energiegeladen wahrgenommen zu werden, sich selbst jedoch in dieser Hinsicht als unauffällig zu erleben (jeweils n = 5 (7,69%)). Hochbegabte gaben deutlich häufiger an, nur phasenweise bei einem neuen Interesse viel Energie zu verspüren (n = 10 (15,38%) zu n = 4 (6,15%)). Geringfügig mehr Höchstbegabte betrachteten es als ‚Belastung, nicht konstant auf ihr hohes Energielevel zugreifen zu können, sondern stattdessen einen Wechsel zwischen Phasen mit viel 29 Energie und Phasen der Erschöpfung zu erleben (n = 10 (15,38%) zu n = 9 (13,85%)). Des Weiteren schilderten Höchstbegabte häufiger, von anderen Menschen Unverständnis für ihr hohes Aktivitätsniveau zu ernten (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), sich durch andere Menschen ausgebremst zu fühlen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), durch die permanente Aktivität Sozialkontakte zu vernachlässigen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) sowie zum Ausgleich für die Umtriebigkeit am Tag einen guten Nachtschlaf zu brauchen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte äußerten wesentlich häufiger, dass sie im Alltag viele Ruhephasen benötigten (n = 7 (10,77%) zu n = 2 (3,08%)), dass andere Menschen mit ihrem Energielevel nicht mithalten könnten (n = 6 (9,23%) zu n = 3 (4,62%)), dass der Alltag viel Kraft koste (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und dass sie ein großes Schlafbedürfnis hätten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte gaben an, eher wenig Energie zu haben (jeweils n = 5 (7,69%)). Deutlich mehr Höchstbegabte berichteten, dass ihr Energielevel durch Krankheit herabgesetzt sei (n = 8 (12,31%) zu n = 2 (3,08%)) und dass die Energie mit zunehmendem Alter nachgelassen hätte (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)). 3.2.23 Intensive Emotionalität Schließlich wurde auch die intensive Emotionalität in beiden Gruppen eher hoch beurteilt, wobei Höchstbegabte (M = 6,19, SD = 3,14) minimal höhere Werte aufwiesen als Hochbegabte (M = 6,05, SD = 3,27); t(124) = -0,26, p>.05. Das Erleben als Ressource erwies sich in beiden Gruppen als moderat, jedoch wiesen Höchstbegabte (M = 5,26, SD = 3,19) hier eine stärkere Ausprägung auf als Hochbegabte (M = 4,39, SD = 3,25). Der Unterschied war allerdings nicht signifikant (t(124) = -1,51, p>.05). Das Belastungserleben wurde ebenfalls moderat eingeschätzt, wobei sich Höchstbegabte (M = 4,85, SD = 3,07) stärker belastet fühlten als Hochbegabte (M = 4,13, SD = 3,23). Auch dieser Unterschied war nicht signifikant (t(124) = -1,30, p>.05). In den Freitextantworten schilderten Höchstbegabte häufiger, intensive Emotionen jeglicher Qualität zu verspüren (n = 10 (15,38%) zu n = 7 (10,77%)) sowie das eigene emotionale Erleben als große Bereicherung zu empfinden (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)). Gleichzeitig äußerten aber auch mehr Höchstbegabte, emotional sehr ausgeglichen zu sein (n = 6 (9,23%) zu n = 3 (4,62%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte berichteten, aufgrund ihrer Emotionalität ein gutes Gespür für die Emotionen anderer Menschen sowie starkes Mitgefühl zu besitzen (jeweils n = 2 (3,08%)). Hochbegabte erwähnten öfter, nur als Kind über eine intensive Emotionalität verfügt zu haben (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)). An Belastungen benannten Höchstbegabte häufiger, sehr verletzlich und kränkbar zu sein (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)), oft zu weinen (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), hierdurch in zwischenmenschlichen Beziehungen belastet zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), Tätigkeiten zur Beruhigung zu benötigen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie die eigenen Emotionen nur ausgewählten Menschen preiszugeben (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte gaben an, dass ihre Emotionen schwer zu kontrollieren und überwältigend seien (jeweils n = 4 (6,15%)), dass die Intensität der Gefühle für andere schwer nachvollziehbar sei (jeweils n = 4 (6,15%)) und dass sie häufig Scham für ihr emotionales Auftreten empfänden (jeweils n = 2 (3,08%)). Hochbegabte berichteten etwas häufiger von starken Wutausbrüchen (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)), von dicken Mauern zum Selbstschutz, um Gefühle vor ihren Mitmenschen zu verbergen (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) und vom Wunsch nach einem dickeren Fell (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Auch erwähnten Hochbegabte etwas öfter, durch starkes Mitgefühl belastet zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und generell viele negative Emotionen zu erleben (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Zudem beschrieben sich mehr Hochbegabte als wenig emotional (n = 8 (12,31%) zu n = 4 (6,15%)). 30 3.2.24 Synästhesie Die Synästhesie war in beiden Gruppen gering ausgeprägt, wobei hier Höchstbegabte (M = 2,05, SD = 2,99) höhere Werte aufwiesen als Hochbegabte (M = 1,28, SD = 2,26). Der Unterschied verfehlte jedoch die Signifikanzgrenze (t(117) = -1,65, p>.05). Die höhere Ausprägung bei Höchstbegabten zeigte sich auch in der Häufigkeit der Teilnehmer*innen mit Synästhesieerfahrung, n = 31 (47,69%) bei Höchstbegabten und n = 24 (36,92%) bei Hochbegabten. Die Diskrepanz zwischen der großen Häufigkeit von Synästhesieerfahrung und der als gering empfundenen Ausprägung mag darauf zurückzuführen sein, dass die Teilnehmer*innen um eine Einschätzung gebeten wurden, wie charakteristisch das Merkmal für sie ist und sie synästhetisches Erleben vermutlich als weniger relevant für ihre Persönlichkeit ansahen als andere Merkmale. Zudem muss jedoch auch angemerkt werden, dass möglicherweise nicht alle, die synästhetisches Erleben bei sich annahmen, auch tatsächliche Synästhetiker*innen sind. In manchen Freitextantworten wurde deutlich, dass das Phänomen der Synästhesie zumindest teilweise missverstanden wurde und eventuell auch Erlebnisse als Synästhesie bezeichnet wurden, die in Wahrheit andere Ursachen haben. Das Erleben als Ressource war bei den Teilnehmer*innen mit Synästhesieerfahrung eher gering ausgeprägt, wobei Höchstbegabte (M = 4,07, SD = 3,93) höhere Werte aufwiesen als Hochbegabte (M = 3,04, SD = 3,14). Der Unterschied war nicht signifikant (t(52) = -1,05, p>.05). Das Erleben als Belastung erwies sich als sehr gering mit etwas höheren Werten bei Hochbegabten (M = 0,83, SD = 1,49) als bei Höchstbegabten (M = 0,67, SD = 1,73);t(52) = 0,47, p>.05. In den Freitextantworten berichteten Höchstbegabte deutlich häufiger von synästhetischem Erleben, beispielsweise dass Zahlen Farben besäßen (n = 9 (13,85%) zu n = 2 (3,08%)), dass Zahlen eine Persönlichkeit hätten (n = 6 (9,23%) zu n = 2 (3,08%)), dass Buchstaben farbig seien (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), dass Zeit im Raum angeordnet sei (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), dass Zahlen im Raum angeordnet seien (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), dass Buchstaben eine Persönlichkeit hätten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), dass Buchstaben im Raum angeordnet seien (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und dass Wochentage Farben hätten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich häufig benannten Hoch- und Höchstbegabte, dass Musik mit Formen assoziiert sei (jeweils n = 2 (3,08%)). Auch äußerten Höchstbegabte häufiger, die Synästhesie als Ressource zu erleben, beispielsweise dass sie hilfreich fürs Gedächtnis sei (n = 6 (9,23%) zu n = 1 (1,54%)) und dass die synästhetische Wahrnehmung an sich Freude bereite (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). 3.3 Begabungsbezogene Schwierigkeiten Hinsichtlich der begabungsbezogenen Schwierigkeiten zeigte sich nahezu durchgängig eine höhere Ausprägung bei Höchstbegabten (siehe Tabelle 10). Höchstbegabte Teilnehmer*innen hatten höhere Werte bei der Unterforderung in Ausbildung und Beruf, bei der Langeweile bei Routineaufgaben des Alltags, beim Gefühl der Andersartigkeit, bei Mobbing, bei Sinnkrisen, bei Problemen anderen Menschen zu vertrauen und sich auf Beziehungen einzulassen, bei der Einsamkeit, bei ungenügenden Lernstrategien sowie beim Underachievement. Dies spiegelte sich auch im Gesamtwert der aufsummierten begabungsbezogenen Schwierigkeiten, der bei Höchstbegabten (M = 59,98, SD = 17,51) signifikant höher war als bei Hochbegabten (M = 53,57, SD = 17,54); t(128) = -2,09, p<.05. Statistisch signifikant waren neben dem Gesamtwert der Schwierigkeiten aber lediglich die Unterschiede im Gefühl der Andersartigkeit und in den ungenügenden Lernstrategien. Lediglich das Gefühl des Unverstandenseins wurde von hochbegabten Teilnehmer*innen etwas häufiger erlebt, wobei der Unterschied nicht signifikant war. Im Folgenden werden die einzelnen Schwierigkeiten detailliert beschrieben, wobei auch hier neben den quantitativen Ergebnissen die Befunde aus den Freitextantworten dargestellt werden. Wie bei den begabungsbezogenen Erlebens- und Verhaltensmerkmalen wurden auch bei den begabungsbezogenen Schwierigkeiten die Aussagen der Teilnehmer*innen kategorisiert, und es werden nur diejenigen Kategorien erwähnt, die von mindestens zwei Teilnehmer*innen einer der beiden Gruppen genannt wurden. 31 Schwierigkeit Häufigkeit HoB Häufigkeit HöB Unterforderung M = 5,86 (SD = 2,86) M = 6,34 (SD = 2,87) Langeweile M = 6,28 (SD = 3,34) M = 6,49 (SD = 3,23) Andersartigkeit M = 7,94 (SD = 2,24) M = 8,67 (SD = 1,89) Unverstandensein M = 7,46 (SD = 2,42) M = 7,30 (SD = 2,39) Mobbing M = 3,56 (SD = 3,18) M = 4,40 (SD = 3,46) Sinnkrisen M = 4,14 (SD = 3,06) M = 5,17 (SD = 3,47) Vertrauensprobleme M = 4,23 (SD = 3,02) M = 5,00 (SD = 3,40) Einsamkeit M = 5,12 (SD = 3,16) M = 5,55 (SD = 3,25) Ungen. Lernstrategien M = 4,02 (SD = 3,42) M = 5,46 (SD = 3,16) Underachievement M = 5,44 (SD = 3,11) M = 6,19 (SD = 3,43) Tab. 10: Mittelwerte (M) und Standardabweichungen (SD) der erfassten begabungsbezogenen Schwierigkeiten in beiden Gruppen (HoB = Hochbegabte, HöB = Höchstbegabte) 3.3.1 Gefühl der Andersartigkeit Das Gefühl der Andersartigkeit wurde in beiden Gruppen über die Lebensspanne hinweg sehr häufig wahrgenommen und erzielte den höchsten Wert innerhalb der erfassten begabungsbezogenen Schwierigkeiten. Zudem wiesen Höchstbegabte (M = 8,66, SD = 1,89) hier signifikant höhere Werte auf als Hochbegabte (M = 7,94, SD = 2,24); t(124) = -1,99, p<.05. Dieses Bild spiegelte sich auch in den Freitextantworten. Höchstbegabte Teilnehmer*innen berichteten deutlich häufiger, das Gefühl der Andersartigkeit ständig wahrzunehmen (n = 13 (20,00%) zu n = 7 (10,77%)), sich wie ein Alien von einem fremden Planeten zu fühlen (n = 6 (9,23%) zu n = 3 (4,62%)), keine oder kaum ähnliche Menschen zu finden (n = 5 (7,69%) zu n = 1 (1,54%)), sich als falsch oder komisch zu erleben (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), sich stets als Randerscheinung zu fühlen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie aus Angst vor Zurückweisung keine tieferen Beziehungen eingehen zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Höchstbegabte berichteten zudem häufiger, sich vor allem in einem unpassenden, beispielsweise bildungsfernen Umfeld anders zu fühlen (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), sich in der Vergangenheit übermäßig stark an andere Menschen angepasst zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)) sowie für die Anpassung viel Kraft aufzuwenden (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Einige Höchstbegabte äußerten auch, sich nur früher anders gefühlt zu haben, heute jedoch nicht mehr (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte schilderten öfter, dass das Gefühl der Andersartigkeit vor allem in der Kindheit und Jugend vorhanden gewesen sei (n = 11 (16,92%) zu n = 7 (10,77%)). Zudem gaben Hochbegabte minimal häufiger an, schwer Anschluss zu finden (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)) und sich dumm zu fühlen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). An Gründen für die erlebte Andersartigkeit nannten Höchstbegabte geringfügig häufiger, andere Interessen zu haben (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)), differenzierter zu denken (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und schneller zu denken (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Hochbegabte benannten öfter die Abgrenzung zum Mainstream (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Höchstbegabte fühlten sich bezüglich des Gefühls der Andersartigkeit deutlich häufiger durch die Kenntnis über die eigene Begabung entlastet (n = 10 (15,38%) zu n = 4 (6,15%)) und erlebten es zudem als hilfreich, die Individualität anderer Menschen zu erkennen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte erachteten öfter den Kontakt zu anderen Hochbegabten als Entlastung (n = 7 (10,77%) zu n = 5 (7,69%)) sowie ein wertschätzendes Umfeld (n = 4 (6,15%) zu n = 2 (3,08%)). Geringfügig mehr Hochbegabte äußerten zudem, dass das Gefühl der Andersartigkeit bei ihnen kaum vorhanden sei beziehungsweise nicht als störend empfunden werde (n = 5 (7,69%) zu n = 4 (6,15%)). 32 3.3.2 Gefühl von anderen Menschen nicht verstanden zu werden Das Gefühl von anderen Menschen nicht verstanden zu werden wurde in beiden Gruppen eher häufig empfunden, wobei hier Hochbegabte (M = 7,46, SD = 2,42) leicht höhere Werte hatten als Höchstbegabte (M = 7,30, SD = 2,39). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(126) = 0,38, p>.05). In den Freitextantworten benannten Höchstbegabte jedoch tendenziell mehr Belastungen. Sie beschrieben häufiger Schwierigkeiten, die eigenen Gedanken in für andere Menschen verständliche Worte zu fassen (n = 7 (10,77%) zu n = 4 (6,15%), erlebten das Gefühl des Unverstandenseins häufiger als ständig präsent (n = 5 (7,69%) zu n = 2 (3,08%)), hatten es öfter vor allem in der Kindheit und Jugend erlebt (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), schilderten mehr Missverständnisse mit anderen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und fühlten sich öfter von niemandem in allen Bereichen verstanden (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte schilderten, dass ihnen andere nicht folgen könnten (jeweils n = 3 (4,62%)). Hochbegabte gaben häufiger an, sich nur von wenigen Menschen verstanden zu fühlen (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)), sich ausgeschlossen zu fühlen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), sich sowohl gedanklich als auch emotional unverstanden zu fühlen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie viel negatives Feedback von anderen Menschen zu ernten (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Als Ursachen für Unverständnis nannten Höchstbegabte häufiger vorauseilendes Denken (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)), Gedankensprünge (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), Schwierigkeiten mit Smalltalk (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und geringe Kommunikationsbereitschaft (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte ernteten öfter Unverständnis bei Optimierungsvorschlägen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Als Reaktion auf wiederkehrendes Unverständnis berichteten mehr Höchstbegabte, sich stark an andere anzupassen (n = 6 (9,23%) zu n = 1 (1,54%)), durch die starke Anpassung oft unsicher zu sein, wer sie selbst sind (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)). Als hilfreich erachteten mehr Höchstbegabte die Kenntnis über die eigene Begabung (n = 7 (10,77%) zu n = 6 (9,23%)), für andere Menschen Verständnis aufzubringen und sich um eine verständliche Ausdrucksweise zu bemühen n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)) sowie den Kontakt zu anderen Hoch- und Höchstbegabten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte hatten häufiger den Eindruck, sich gut verständlich machen zu können (n = 6 (9,23%) zu n = 5 (7,69%)) und empfanden zudem öfter gelegentliches Unverstandensein als nicht belastend (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)). 3.3.3 Langeweile bei Routineaufgaben des Alltags Auch die Langeweile bei Routineaufgaben des Alltags erreichte in beiden Gruppen durchschnittlich eher hohe Werte, wobei Höchstbegabte (M = 6,49, SD = 3,23) etwas häufiger Langeweile empfanden als Hochbegabte (M = 6,28, SD = 3,34). Es bestand aber kein signifikanter Unterschied (t(128) = - 0,37, p>.05). In den Freitextantworten schilderten Höchstbegabte häufiger einen starken Widerwille gegen Routinetätigkeiten (n = 10 (15,38%) zu n = 5 (7,69%)), berichteten, durch die Langeweile vermehrt Flüchtigkeitsfehler zu machen (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), in eine Art Standby-Modus abzuschalten (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) sowie Routineaufgaben als sinnlos zu erleben (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte äußerten öfter, Alltagsaufgaben zu vermeiden oder aufzuschieben (n = 9 (13,85%) zu n = 6 )9,23%)). Mit Langeweile assoziierte Aufgaben waren für Höchstbegabte häufiger sich wiederholende Bürotätigkeiten (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)) sowie Haushaltstätigkeiten (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)). 33 Als förderliche Strategie gegen Langeweile erachteten Höchstbegabte häufiger eine Anreicherung von Routineaufgaben durch Nebentätigkeiten oder Nachdenken (n = 12 (18,46%) zu n = 8 (12,31%)), durch Schnelligkeit (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)) sowie durch Variation oder Spiele (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Auch das schlichte Aushalten der Langeweile (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%) und das Aufteilen der Tätigkeiten in kleine Zeitabschnitte (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) wurde von Höchstbegabten öfter als förderlich wahrgenommen. Hochbegabte berichteten häufiger, Routineaufgaben zu delegieren (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)). Des Weiteren erlebten Hochbegabte Routineaufgaben deutlich häufiger als Möglichkeit zur Entspannung (n = 10 (15,38%) zu n = 3 (4,62%)). Auch berichteten mehr Hochbegabte, keine Langeweile bei Alltagstätigkeiten zu verspüren (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)). 3.3.4 Unterforderung in Beruf oder Ausbildung Die Unterforderung in Beruf oder Ausbildung wurde von Höchstbegabten eher häufig erlebt (M = 6,34, SD = 2,87). Hochbegabte hingegen hatten hier eher moderate Werte (M = 5,86, SD = 2,86). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (t(127) = -0,95, p>.05). In den Freitextantworten berichteten Hoch- und Höchstbegabte gleichermaßen häufig von Unterforderung in der Schule (jeweils n = 16 (24,62%)). Höchstbegabte beschrieben jedoch häufiger Unterforderung im Beruf, und hier vor allem in einem Anstellungsverhältnis (n = 13 (20,00%) zu n = 8 (12,31%)) sowie Unterforderung im Studium (n = 8 (12,31%) zu n = 4 (6,15%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte fühlten sich in einer Berufsausbildung nicht genügend herausgefordert (jeweils n = 2 (3,08%)). Bei etwas mehr Hochbegabten resultierte Unterforderung aus der Ausführung bekannter Tätigkeiten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Als Folge der Unterforderung empfanden mehr Höchstbegabte Langeweile (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), während mehr Hochbegabte geringe Anstrengungsbereitschaft auf ungenügende Herausforderung zurückführten (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). An hilfreichen Bewältigungsstrategien benannten mehr Höchstbegabte die eigenständige Schaffung von Herausforderungen in Beruf oder Freizeit (n = 11 (16,92%) zu n = 10 (15,38%)), berufliche Selbstständigkeit (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), häufige Jobwechsel (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), das Lernen im eigenen Tempo (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) sowie Kompensation durch quantitative Überlastung (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%). Des Weiteren wurden von mehr Höchstbegabten fördernde Personen (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), viel Gestaltungsspielraum im Job (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) und die Kenntnis über die eigene Begabung (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) als positiv empfunden. Hochbegabte erachteten häufiger Nebenbeschäftigungen oder Multitasking als entlastend (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)). Deutlich mehr Hochbegabte äußerten, in ihrem bisherigen Leben kaum Unterforderung verspürt zu haben (n = 10 (15,38%) zu n = 2 (3,08%)), durch ihren Beruf ausreichend herausgefordert zu sein (n = 5 (7,69%) zu n = 0 (0,00%)) sowie die Hochbegabung zu nutzen, um faul sein zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). 3.3.5 Underachievement Während Höchstbegabte eher häufig Underachievement erlebten (M = 6,19, SD = 3,43), trat dies bei Hochbegabten ebenfalls eher mit moderater Häufigkeit auf (M = 5,44, SD = 3,11). Allerdings zeigte sich kein signifikanter Unterschied (t(122) = -1,30, p>.05). In den Freitextantworten äußerten deutlich mehr Höchstbegabte, ihr Potential nicht für sich nutzbringend einsetzen zu können (n = 8 (12,31%) zu n = 3 (4,62%)), trotz offensichtlichem Erfolg das Gefühl der ungenügenden Potentialausschöpfung zu haben (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)), 34 nicht über die passenden Strategien zu verfügen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie Unsicherheit über das eigene Potential zu empfinden (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte gaben öfter an, im Beruf ihr Potential nicht ausschöpfen zu können (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)). Als Ursachen für Underachievement betrachteten mehr Höchstbegabte, keine Förderung erhalten zu haben (n = 6 (9,23%) zu n = 3 (4,62%)), sich ausgebremst zu fühlen (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)), keine Lernstrategien entwickelt zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), durch ein traditionelles weibliches Rollenbild beeinflusst worden zu sein (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), sich lange Zeit dumm gefühlt zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), sich selbst zu wenig zuzutrauen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie absichtlich Fehler zu machen, um nicht besser zu sein als andere n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte empfanden die späte Entdeckung ihrer Begabung als hinderlich (jeweils n = 5 (7,69%)). Deutlich mehr Hochbegabte erwähnten, ihr Potential in einem anspruchsvollen Beruf (Arzt, Anwalt, Ingenieur, kreativer Beruf etc.) gut nutzen zu können (n = 11 (16,92%) zu n = 5 (7,69%)), in Hobbys oder in beruflichen Nebentätigkeiten intellektuelle Erfüllung zu finden (n = 9 (13,85%) zu n = 3 (4,62%)), grundsätzlich immer genug Herausforderungen zu finden (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Außerdem äußerten Hoch- und Höchstbegabte gleichermaßen, kein Bedürfnis nach Potentialausschöpfung zu haben und lieber mit Minimalaufwand durchs Leben zu gehen (jeweils n = 7 (10,77%)) sowie die Kenntnis über die eigene Begabung als hilfreich anzusehen (jeweils n = 2 (3,08%)). 3.3.6 Einsamkeit Einsamkeit wurde in beiden Gruppen mit moderater Häufigkeit wahrgenommen, wobei Höchstbegabte (M = 5,55, SD = 3,24) sich häufiger einsam fühlten als Hochbegabte (M = 5,12, SD = 3,16). Der Unterschied war allerdings nicht signifikant (t(128) = -0,77, p>.05). In den Freitextantworten schilderten Höchstbegabte häufiger, sich in Gesellschaft anderer Menschen einsam zu fühlen (n = 7 (10,77%) zu n = 4 (6,15%)), ständig unter Einsamkeitsgefühlen zu leiden (n = 6 (9,23%) zu n = 2 (3,08%)) sowie nur Bekannte, aber keine Freunde zu haben (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)). Jedoch gaben auch etwas mehr Höchstbegabte an, Einsamkeitsgefühle nur früher erlebt zu haben, heute aber nicht mehr (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)). Hochbegabte erwähnten öfter, bei fehlendem Gefühl von Zugehörigkeit oder Verstandensein Einsamkeit zu erleben (n = 9 (13,85%) zu n = 6 (9,23%)), sich vor allem in der Kindheit und Jugend einsam gefühlt zu haben (n = 8 (12,31%) zu n = 7 (10,77%)), nur wenige Freunde zu haben (n = 6 (9,23%) zu n = 4 (6,15%)), sich aufgrund des Single-Seins einsam zu fühlen (n = 6 (9,23%) zu n = 0 (0,00%)) sowie kaum Menschen zum Austausch auf einem ähnlichen intellektuellen Niveau zu haben (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Ein beträchtlicher Anteil der Teilnehmer*innen gab allerdings auch an, gerne alleine zu sein, was geringfügig mehr Hochbegabte betraf (n = 12 (18,46%) zu n = 11 (16,92%)). Zur Kompensation der Einsamkeit gaben etwas mehr Hochbegabte die Flucht in Bücher oder Computerspiele an (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Etwas mehr Höchstbegabte empfanden Kontakte zu anderen Hoch- und Höchstbegabten hilfreich (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)), während mehr Hochbegabte die Kenntnis über die eigene Begabung als entlastend wahrnahmen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Höchstbegabte erwähnten geringfügig öfter, sozial gut eingebunden zu sein (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) und sich nur für kurze Momente einsam zu fühlen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). 35 3.3.7 Ungenügende Lernstrategien Auch ungenügende Lernstrategien wurden sowohl von Hoch- als auch von Höchstbegabten mit moderater Häufigkeit erlebt, wobei Höchstbegabte (M = 5,46, SD = 3,16) signifikant höhere Werte aufwiesen als Hochbegabte (M = 4,02, SD = 3,42); t(124) = -2,48, p<.05. In den Freitextantworten äußerten Höchstbegabte mit überragender Häufigkeit, dass sie in der Schule nahezu ohne Anstrengung alles lernen konnten (n = 18 (27,69%) zu n = 7 (10,77%)). Zudem gaben Höchstbegabte öfter an, erst im Studium oder Beruf Lernstrategien erworben zu haben (n = 11 (16,92%) zu n = 7 (10,77%)), sich immer noch keine passenden Lernstrategien angeeignet zu haben (n = 10 (15,38%) zu n = 9 (13,85%)), sich selbst Lernstrategien beigebracht zu haben (n = 9 (13,85%) zu n = 0 (0,00%)), nur bei vorhandenem eigenem Interesse gut lernen zu können (n = 5 (7,69%) zu n = 0 (0,00%)), nur über ineffiziente Strategien zu verfügen (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)) sowie nicht auswendig lernen zu können (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Mehr Hochbegabte berichteten hingegen, dass sie sich in Schule und Studium anstrengen mussten (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)). Als Ursachen für ungenügende Lernstrategien benannten Hoch- und Höchstbegabte gleichermaßen, dass in der Schulzeit keine Förderung von Lernstrategien stattgefunden hätte (jeweils n = 3 (4,62%)). Etwas mehr Höchstbegabte führten außerdem die fehlende Förderung der Begabung an (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Folgen der unzureichenden Lernstrategien sahen Höchstbegabte häufiger darin, deswegen vieles nicht lernen zu können, wie beispielsweise Fremdsprachen oder Musikinstrumente (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) sowie keine Frustrationstoleranz entwickelt zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte schilderten öfter, deswegen das Gymnasium oder das Studium abgebrochen zu haben (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) sowie schlechte Schulleistungen erbracht zu haben (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). 3.3.8 Sinnkrisen Des Weiteren wurden Sinnkrisen in beiden Gruppen mit moderater Häufigkeit erwähnt, wobei Höchstbegabte (M = 5,17, SD = 3,47) deutlich höhere Werte aufwiesen als Hochbegabte (M = 4,14, SD = 3,06). Der Unterschied verfehlte knapp die Signifikanzgrenze (t(124) = -1,78, p>.05). In den Freitextantworten äußerten deutlich mehr Höchstbegabte, dass sich Sinnkrisen bei ihnen in Depressionen manifestierten (n = 7 (10,77%) zu n = 1 (1,54%)) und dass sie regelmäßige Sinnkrisen als Normalität empfänden (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte erlebten Sinnkrisen als ständiges sie begleitendes Thema (jeweils n = 3 (4,62%)). Mehr Hochbegabte berichteten hingegen, nur früher Sinnkrisen erlebt zu haben und dies heute überwunden zu haben (n = 8 (12,31%) zu n = 6 (9,23%)). Als Ursachen für Sinnkrisen benannten Höchstbegabte wesentlich häufiger, vieles im Leben durch die Berücksichtigung der gesellschaftlichen oder globalen Situation oder des gesamten Universums als sinnlos wahrzunehmen (n = 6 (9,23%) zu n = 0 (0,00%)), große Lebensveränderungen wie beispielsweise durch den Berufseinstieg, den Tod nahestehender Menschen oder Arbeitslosigkeit (n = 5 (7,69%) zu n = 3 (4,62%)), fehlende sinnhafte Potentialausschöpfung (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)), Zukunftssorgen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)), Einsamkeit (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie zwischenmenschliche Enttäuschungen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hoch- und Höchstbegabte erwähnten gleichermaßen als Hintergrund unpassende Tätigkeiten jeweils n = 4 (6,15%)). Hochbegabte benannten öfter Schwierigkeiten bei der Partnersuche (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)) und Sinnkrisen ohne erkennbaren Grund (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Als hilfreich zur Bewältigung von Sinnkrisen erlebten Höchstbegabte häufiger die Kenntnis über die eigene Begabung (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)) sowie eine regelmäßige Neuorientierung (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte fühlten sich öfter durch die Haltung entlastet, dass es keinen 36 Sinn gibt (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)), durch die Beschäftigung mit neuen Themen oder Projekten (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), durch Religiosität (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und empfanden Sinnkrisen etwas häufiger als gute Möglichkeit, um den Geist wach zu halten (n = 2 (3,08%) zu n = 1 (1,54%)). Geringfügig mehr Hochbegabte äußerten auch, Sinnkrisen aus ihrem bisherigen Leben nicht zu kennen (n = 4 (6,15%) zu n = 3 (4,62%)). 3.3.9 Probleme anderen Menschen zu vertrauen und sich auf Beziehungen einzulassen Die Probleme, anderen Menschen zu vertrauen und sich auf Beziehungen einzulassen, wurden ebenfalls in beiden Gruppen mit moderater Häufigkeit angegeben, wobei Höchstbegabte (M = 5,00, SD = 3,40) höhere Werte aufwiesen als Hochbegabte (M = 4,23, SD = 3,02). Der Unterschied war aber nicht signifikant (t(126) = -1,35, p>.05). In den Freitextantworten schilderten Höchstbegabte öfter, dass sie oberflächliche Kontakte zwar leicht eingehen könnten, es ihnen aber ab einer gewissen Tiefe der Beziehung aus Angst vor Unverständnis und Zurückweisung schwer falle, Vertrauen zu fassen (n = 8 (12,31%) zu n = 5 (7,69%)). Zudem erwähnten Höchstbegabte häufiger, viel Misstrauen gegenüber anderen Menschen zu empfinden (n = 7 (10,77%) zu n = 2 (3,08%)), noch nie jemandem vertraut zu haben (n = 4 (6,15%) zu n = 0 (0,00%)), nur wenigen Menschen zu vertrauen (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), viele Bekannte, aber nur wenige enge Freunde zu haben (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) sowie überhaupt keine Freunde zu besitzen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Hoch- und Höchstbegabte benannten als Ursache von Vertrauensproblemen gleichermaßen, viele Enttäuschungen und Zurückweisungen erlebt zu haben (jeweils n = 9 (13,85%)). Hochbegabte schilderten häufiger, andere Menschen lang zu prüfen, bevor ihnen ein Einlassen auf eine Beziehung möglich sei (n = 3 (4,62%) zu n = 1 (1,54%)), oft von anderen ausgenutzt worden zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) und durch Probleme, anderen Menschen zu vertrauen, seit vielen Jahren Single zu sein (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Im Gegensatz zu den Schwierigkeiten beim Einlassen auf eine Beziehung berichteten Hochbegabte etwas öfter, eher zu schnell zu vertrauen und dadurch viele Enttäuschungen zu erleben (n = 10 (15,38%) zu n = 7 (10,77%)). Auch stellten Hochbegabte häufiger fest, keine Vertrauensprobleme zu haben (n = 5 (7,69%) zu n = 1 (1,54%)) sowie über eine gute Intuition bezüglich der Vertrauenswürdigkeit anderer Menschen zu verfügen (n = 5 (7,69%) zu n = 1 (1,54%)). 3.3.10 Mobbing Schließlich hatten auch beim Mobbing sowohl Hoch- als auch Höchstbegabte moderate Ergebnisse. Hierbei lagen die Werte von Höchstbegabten (M = 4,40, SD = 3,46) über denen von Hochbegabten (M = 3,56, SD = 3,18). Der Unterschied war allerdings nicht signifikant (t(126) = -1,43, p>.05). In den Freitextantworten schilderten Höchstbegabte mit überragender Häufigkeit, im Kindes- oder Jugendalter von Gleichaltrigen gemobbt worden zu sein (n = 28 (43,08%) zu n = 18 (27,69%)). Auch Mobbing durch Vorgesetzte (n = 10 (15,38%) zu n = 5 (7,69%)), durch Kolleg*innen (n = 8 (12,31%) zu n = 7 (10,77%)), durch Ausbilder*innen (n = 4 (6,15%) zu n = 1 (1,54%)) und durch Lehrer*innen in der Schule (n = 3 (4,62%) zu n = 0 (0,00%)) wurde von Höchstbegabten deutlich häufiger erlebt. Hochbegabte berichteten öfter von Mobbingsituationen, wenn eine große Andersartigkeit zu einer Gruppe bestand, beispielsweise in Handwerker-Kreisen oder in Freizeitvereinen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Manche Teilnehmer*innen benannten Gründe für die Mobbing-Erfahrungen. Hier nannten Hoch- und Höchstbegabte gleichermaßen ein Streber-Image (jeweils n = 3 (4,62%)). Höchstbegabte sahen öfter 37 Neid und Ablehnung wegen ihrer Überlegenheit (n = 3 (4,62%) zu n = 2 (3,08%)) sowie Übergewicht (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)) als Ursache an. Hochbegabte beschrieben häufiger ein unmodernes Äußeres (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Als protektiven Faktor betrachteten mehr Höchstbegabte, über eine hohe Empathiefähigkeit und Sensibilität zu verfügen (n = 2 (3,08%) zu n = 0 (0,00%)). Mehr Hochbegabte erwähnten, noch nie Mobbing erlebt zu haben (n = 10 (15,38%) zu n = 6 (9,23%)). 3.4 Erfahrungen mit Psychotherapie Wie anfangs erwähnt, wurden die beiden Gruppen der jeweils 65 Hoch- und Höchstbegabten so aneinander angeglichen, dass sich in beiden Gruppen gleich viele Teilnehmer*innen mit Therapieerfahrung befanden. Jeweils n = 36 (55,38%) der Teilnehmer*innen pro Gruppe gaben an, mindestens einmal im bisherigen Leben in Psychotherapie gewesen zu sein, und n = 29 (44,62%) der Teilnehmer*innen verfügten über keine Therapieerfahrung. Innerhalb der therapieerfahrenen Teilnehmer*innen wurde die Anzahl der durchlaufenen Therapien nicht systematisch erfasst, jedoch konnte die Anzahl der von den Teilnehmer*innen freiwillig angegebenen ambulanten und / oder stationären Therapien verglichen werden. Diese Anzahl war bei Hochbegabten (M = 1,69, SD = 1,01) und Höchstbegabten (M = 1,67, SD = 1,33) nahezu identisch; t(65) = 0,10, p>.05. Alle Teilnehmer*innen mit Therapieerfahrung hatten mindestens eine ambulante Psychotherapie absolviert. In stationärer Behandlung waren bereits n = 10 (15,38%) der Hochbegabten und n = 8 (12,31%) der Höchstbegabten. Hinsichtlich der angewandten Therapieverfahren bei therapieerfahrenen Teilnehmer*innen hatten deutlich mehr Hochbegabte eine Verhaltenstherapie erhalten (n = 27 (75,00%) zu n = 19 (52,78%)). Auch die Hypnotherapie (n = 6 (16,67%) zu n =4 (11,11%), die systemische Therapie (n = 5 (13,89%) zu n = 2 (5,56%), die Gesprächstherapie (n = 3 (8,34%) zu n = 1 (2,78%)) und die Traumatherapie (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)) wurden von Hochbegabten öfter angegeben. Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte hatten eine Psychoanalyse durchlaufen (jeweils n = 8 (22,22%)). Etwas mehr Höchstbegabte hatten eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie (n= 16 (44,44%) zu n = 15 (41,67%)), eine dialektisch-behaviorale Therapie (n = 1 (2,78%) zu n = 0 (0,00%)) oder eine körperzentrierte Therapie (n = 1 (2,78%) zu n = 0 (0,00%)) hinter sich oder hatten keine Kenntnis über das eingesetzte Verfahren (n = 8 (22,22%) zu n = 4 (11,11%)). An gestellten Diagnosen nannten Höchstbegabte mit Therapieerfahrung häufiger eine Depression (n = 26 (72,22%) zu n = 21(58,33%)), eine Autismus-Spektrum-Störung (n = 7 (19,44%) zu n = 2 (5,56%)), ADHS oder ADS (n = 4 (11,11%) zu n = 3 (8,33%)), eine soziale Phobie (n = 4 (11,11%) zu n = 1 (2,78%)), eine Essstörung (n = 3 (8,33%) zu n = 2 (5,56%)), eine Panikstörung (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)), eine schizotype Störung (n = 1 (2,78%) zu n = 0 (0,00%)), eine spezifische Phobie (n = 1 (2,78%) zu n = 0 (0,00%)) und eine dissoziative Störung (n = 1 (2,78%) zu n = 0 (0,00%)). Auch war wesentlich mehr Höchstbegabten keine Diagnose bekannt (n = 7 (19,44%) zu n = 3 (8,33%)). Zusätzlich zur deutlich größeren Häufigkeit von Autismus-Spektrum-Störungen bei Höchstbegabten äußerten diese auch häufiger, ohne gesicherte Diagnose bei sich selbst Autismus zu vermuten (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte nannten häufiger eine posttraumatische Belastungsstörung (n = 5 (13,89%) zu n = 2 (5,56%)), eine Anpassungsstörung (n = 5 (13,89%) zu n = 0 (0,00%)), eine generalisierte Angststörung (n = 4 (11,11%) zu n = 2 (5,56%)), eine psychosomatische Störung (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)), eine narzisstische Persönlichkeitsstörung (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)), eine bipolare Störung (n = 1 (2,78%) zu n = 0 (0,00%)), eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (n = 1 (2,78%) zu n = 0 (0,00%)) und eine Somatisierungsstörung (n = 1 (2,78%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich häufig erwähnten Hoch- und Höchstbegabte eine Borderline-Störung, eine Suchterkrankung sowie eine akute Belastungsreaktion (alles jeweils n = 1 (2,78%)). Auf die Frage nach Fehldiagnosen antworteten mehr Höchstbegabte (n 38 = 5 (13,89%) zu n = 2 (5,56%)), dass sie fälschlicherweise Diagnosen erhalten hatten, die zu einem späteren Zeitpunkt von einer mit Hochbegabung erfahrenen Fachperson wieder zurückgenommen wurden. Nur geringfügig mehr Hochbegabte gaben an, dass ihnen die Hochbegabung bereits vor der Therapie bekannt war (n = 25 (69,44%) zu n = 23 (63,89%)). Dafür äußerten etwas mehr Höchstbegabte, dass die Begabung während der Therapie festgestellt wurde (n = 5 (13,89%) zu n = 3 (8,33%)). Bei n = 8 (22,22%) der Höchstbegabten mit Therapieerfahrung und bei n = 7 (19,44%) der Hochbegabten mit Therapieerfahrung war die Begabung zum Zeitpunkt der Therapie noch nicht bekannt. Höchstbegabte berichteten öfter, die Begabung im Rahmen der Therapie erwähnt zu haben (n = 24 (66,67%) zu n = 19 (52,78%)), n = 12 (33,33%) der Hochbegabten und n = 11 (30,56%) der Höchstbegabten gaben an, ihre Intelligenz in der Therapie nicht angesprochen zu haben beziehungsweise selbst noch nichts davon gewusst zu haben, und n = 4 (11,11%) der Hochbegabten wussten nicht mehr, ob sie die Begabung in der Therapie erwähnt hatten. Somit kann die Bekanntheit der Hoch- oder Höchstbegabung im Rahmen der Therapien als vergleichbar angesehen werden. Des Weiteren waren die Kenntnisse der Therapeut*innen über Hoch- und Höchstbegabung in beiden Gruppen ähnlich. Nur minimal mehr Höchstbegabte waren bei Therapeut*innen mit Vorwissen zu Hoch- und Höchstbegabung (n = 14 (38,89%) zu n = 12 (33,33%)). Während mehr Hochbegabte nicht wussten, ob spezifische Kenntnisse bei ihren Therapeut*innen vorhanden waren (n = 17 (47,22%) zu n = 10 (27,78%)), berichteten mehr Höchstbegabte, dass ihre Therapeut*innen nicht über Kenntnisse zu Hoch- und Höchstbegabung verfügten (n = 11 (30,56%) zu n = 7 (19,44%)). Somit können auch diese Angaben als vergleichbar betrachtet werden. In den Variablen der Therapiezufriedenheit erzielten Hochbegabte durchweg höhere Werte. Sie fühlten sich in ihren Therapien besser verstanden, erlebten die Zusammenarbeit als gelungener und erachteten ihre Begabung als besser berücksichtigt. Jedoch waren diese Unterschiede nicht signifikant. Wie auch bei den vorangegangenen Punkten werden ebenso in diesem Abschnitt neben den quantitativen Befunden der Teilnehmer*innen auch die Ergebnisse aus den Freitextantworten zusammengefasst. Auch hier werden lediglich diejenigen Punkte dargestellt, die von mindestens zwei Teilnehmer*innen einer Gruppe erwähnt wurden. 3.4.1 Verständnis durch den / die Therapeut*in Bei der Beurteilung der absolvierten Psychotherapien fühlten sich Hochbegabte (M = 6,18, SD = 2,98) besser von ihren Therapeut*innen verstanden als Höchstbegabte (M = 5,22, SD = 3,36). Der Unterschied war allerdings nicht signifikant (t(70) = 1,25, p>.05). Die Werte beider Gruppen bewegten sich im moderaten Bereich. Als hilfreich für das Gefühl des Verstandenseins in der Therapiesituation erachteten Höchstbegabte in den Freitextantworten häufiger, respektiert und ernst genommen zu werden (n = 8 (22,22%) zu n = 4 (11,11%)), die Akzeptanz der Hochbegabung zu erfahren (n = 4 (11,11%) zu n = 0 (0,00%)), Anregungen zu neuen Sichtweisen und zum Hinterfragen zu erhalten (n = 3 (8,33%) zu n = 2 (5,56%)), über alles sprechen zu können (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)), Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten zu erfahren (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)), einen guten persönlichen Austausch zu erleben (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)), die Therapeut*innen intellektuell auf Augenhöhe zu empfinden (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)) sowie eine sympathische Art der Therapeut*innen (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte sahen es öfter als förderlich an, die Spiegelung ihres Verhaltens zu erfahren (n = 5 (13,89%) zu n = 2 (5,56%)), wertgeschätzt und akzeptiert zu werden (n = 4 (11,11%) zu n = 3 (8,33%)) sowie Input durch Therapiemethoden zu erhalten (n = 4 (11,11%) zu n = 3 (8,33%)). 39 Als hinderlich fürs Gefühl des Verstandenseins betrachteten Höchstbegabte häufiger Fehlannahmen durch die Therapeut*innen (n = 5 (13,89%) zu n = 3 (8,33%)), ein therapeutisches Arbeiten an der Oberfläche (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)), Ablehnung oder viele Vorwürfe durch die Therapeut*innen (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)) und nicht ernst genommen zu werden (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte litten darunter, dass ihre Therapeut*innen keine Kenntnisse über Hochbegabung hatten oder kein Interesse für das Thema zeigten (jeweils n = 5 (13,89%)) und dass in der Therapie ein Standardvorgehen eingesetzt wurde (jeweils n = 3 (8,33%)). Hochbegabte empfanden es häufiger als Belastung, wenn ihre Therapeut*innen nicht präsent wirkten oder keine Spiegelung stattfand (n = 4 (11,11%) zu n = 2 (5,56%)) und wenn zu wenig Input durch Therapiemethoden vorhanden war (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)). 3.4.2 Zusammenarbeit in der Therapie Auch die Zusammenarbeit in der Therapie wurde von Hoch- und Höchstbegabten moderat bewertet. Insgesamt wurde sie von Hochbegabten (M = 6,27, SD = 3,13) etwas besser wahrgenommen als von Höchstbegabten (M = 5,91, SD = 3,11). Es bestand jedoch kein signifikanter Unterschied (t(70) = 0,47, p>.05). Als hilfreich für die Zusammenarbeit empfanden mehr Höchstbegabte, wenn die Therapeut*innen ihnen zuhörten (n = 4 (11,11%) zu n = 2 (5,56%)), wenn ihre Begabung als Teil der gesunden Persönlichkeit anerkannt wurde (n = 3 (8,33%) zu n = 1 (2,78%)), wenn sie Akzeptanz und Bestärkung erfuhren (n = 3 (8,33%) zu n = 0 (0,00%)), wenn in der Therapie individualisiert vorgegangen wurde (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)), wenn die TherapeutInnen viel Flexibilität zeigten (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)) und wenn die Therapeut*innen intellektuell auf Augenhöhe wahrgenommen wurden (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte erlebten es häufiger als förderlich, wenn eine gute therapeutische Beziehung bestand (n = 3 (8,33%) zu n = 2 (5,56%)), wenn die Therapeut*innen eine kompetente Gesprächsführung praktizierten (n = 3 (8,33%) zu n = 0 (0,00%)), wenn sie in den Sitzungen selbst über die Themen bestimmen durften (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)) und wenn ihnen die Therapeut*innen halfen, blinde Flecken und unangenehme Sachverhalte aufzudecken (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)). Als hinderlich für die Zusammenarbeit erlebten es Höchstbegabte häufiger, wenn sie nicht ernst genommen wurden (n = 5 (13,89%) zu n = 0 (0,00%)), wenn sie ablehnende Reaktionen auf die Begabung erhielten (n = 3 (8,33%) zu n = 0 (0,00%)), wenn die Therapeut*innen unzureichende Kenntnisse über Hochbegabung besaßen (n = 3 (8,33%) zu n = 0 (0,00%)), wenn Therapeut*innen sie von oben herab als kranke Person ansahen (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)) und wenn sie mit Vorwürfen und Unterstellungen konfrontiert wurden (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte fühlten sich bei der Zusammenarbeit durch die fehlende Flexibilität in den Therapiemethoden beeinträchtigt (jeweils n = 3 (8,33%)). Hochbegabte litten häufiger darunter, wenn sie zu wenig Input in der Therapie erhielten (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)) oder wenn die Therapeut*innen lange Zeit schwiegen (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)). 3.4.3 Berücksichtigung der Hoch- und Höchstbegabung Die Berücksichtigung der Hoch- und Höchstbegabung wurde von Hochbegabten (M = 2,36, SD = 3,42) und Höchstbegabten (M = 2,33, SD = 2,92) nahezu identisch eingeschätzt und war insgesamt eher gering; t(70) = 0,05, p>.05. In den Freitextantworten erachteten es etwas mehr Höchstbegabte als hilfreich, wenn ihre Begabung als Teil der gesunden Persönlichkeit angesehen wurde (n = 4 (11,11%) zu n = 3 (8,33%)), wenn bei 40 den Therapeut*innen eine Aufgeschlossenheit gegenüber allen wichtigen Themen bestand (n = 3 (8,33%) zu n = 0 (0,00%)), wenn sie sich mit ihrer Begabung akzeptiert fühlten (n = 3 (8,33%) zu n = 0 (0,00%)) und wenn ihnen Zutrauen in ihre Fähigkeiten geschenkt wurde (n = 3 (8,33%) zu n = 0 (0,00%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte erlebten es als förderlich, wenn Therapeut*innen intellektuell auf Augenhöhe waren (jeweils n = 2 (5,56%)). Hochbegabte schätzten es häufiger, wenn ein guter persönlicher Austausch zu selbst hochbegabten Therapeut*innen bestand (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)). Als hinderlich wurde es von Höchstbegabten häufiger empfunden, wenn Therapeut*innen die Begabung nicht thematisierten (n = 7 (19,44%) zu n = 5 (13,89%)), wenn die Hochbegabung ganz abgelehnt oder heruntergespielt wurde (n = 6 (16,67%) zu n = 1 (2,78%)) und wenn Merkmale der Hochbegabung fehlgedeutet wurden (n = 3 (8,33%) zu n = 0 (0,00%)). Hochbegabte kritisierten geringfügig öfter, dass Therapeut*innen ein Standardvorgehen anwandten (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)). 3.4.4 Wünsche der Teilnehmer*innen an Therapeut*innen Bei der Frage nach ihren Wünschen an Therapeut*innen nannten Höchstbegabte deutlich häufiger, dass sie akzeptiert und ernst genommen werden möchten (n = 16 (44,44%) zu n = 11 (30,56%)), dass die Begabung in der Therapie angemessen berücksichtigt werden sollte (n = 12 (33,33%) zu n = 7 (19,44%)), dass Therapeut*innen selbst hochbegabt sein sollten (n = 11 (30,56%) zu n = 4 (11,11%)), dass Therapeut*innen den Klient*innen aufgeschlossen und unvoreingenommen begegnen sollten (n = 9 (25,00%) zu n = 3 (8,33%)), dass Therapeut*innen keine Vorurteile haben sollten (n = 5 (13,89%) zu n = 4 (11,11%)), dass die Hochbegabung in der Therapie erkannt oder erfragt werden sollte (n = 5 (13,89%) zu n = 2 (5,56%)), dass ein individualisiertes Vorgehen angewandt werden sollte (n = 4 (11,11%) zu n = 2 (5,56%)) und dass das kognitive Potential der Klient*innen genutzt werden sollte (n = 4 (11,11%) zu n = 1 (2,78%)). Auch wünschten sich Höchstbegabte öfter, dass Hochbegabung und psychische Erkrankungen differenziert werden (n = 3 (8,33%) zu n = 2 (5,56%)) und dass die Hochbegabung als Teil der gesunden Persönlichkeit anerkannt wird (n = 3 (8,33%) zu n = 1 (2,78%)). Darüber hinaus wünschten sich mehr Höchstbegabte, dass Therapeut*innen Empathie besitzen sollten (n = 3 (8,33%) zu n = 0 (0,00%)), intelligent sein sollten (n = 3 (8,33%) zu n = 0 (0,00%)), sich nicht in ihrer Kompetenz angegriffen fühlen sollten (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)), keine Berührungsängste haben sollten (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)), sich nicht unterlegen fühlen oder neidisch sein sollten (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)), sich authentisch verhalten sollten (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)), eine gefestigte Persönlichkeit haben und selbstreflektiert sein sollten (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)) und in der Lage sein sollten, selbstsicher mit kritischen Klient*innen umzugehen (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)). Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte benannten, dass Therapeut*innen ihre Grenzen kennen und ehrlich sein sollten (jeweils n = 3 (8,33%)). Hochbegabte wünschten sich deutlich häufiger, dass Therapeut*innen Kenntnisse über Hoch- und Höchstbegabung besitzen sollten (n = 27 (75,00%) zu n = 20 (55,56%)), dass Kommunikation auf Augenhöhe stattfinden sollte (n = 5 (13,89%) zu n = 3 (8,33%)), dass das Vorgehen transparent sein sollte (n = 2 (5,56%) zu n = 1 (2,78%)) und dass sie Vorwissen der Klient*innen beachten sollten (n = 2 (5,56%) zu n = 0 (0,00%)). 41 4 Diskussion 4.1 Aussagekraft und Grenzen der Studie In der vorliegenden Studie wurden die Fragebogenergebnisse von zwei Gruppen aus jeweils 65 Hoch- und Höchstbegabten miteinander verglichen. Die Teilnehmer*innen beider Gruppen hatten in vorangegangenen Studien (Heil 2021a, 2021b) jeweils denselben Fragebogen zu demographischen Angaben, begabungsbezogenen Erlebens- und Verhaltensmerkmalen, begabungsbezogenen Schwierigkeiten sowie Erfahrungen mit Psychotherapie beantwortet. Die Vergleichsgruppen wurden nach Alter, Geschlecht, Therapieerfahrung, Zusammensetzung des sozialen Umfeldes und Anzahl der Jahre seit der Diagnostik der Hoch- oder Höchstbegabung in soweit parallelisiert, dass zwischen den beiden Gruppen kein signifikanter Unterschied mehr bestand. Die Teilnehmer*innen befanden sich durchschnittlich im mittleren Erwachsenenalter, gehörten jeweils zur Hälfte dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht an, ihr privates soziales Umfeld bestand ungefähr zu einem Drittel aus Hoch- und Höchstbegabten, die Diagnostik der Hoch- oder Höchstbegabung lag im Mittel circa 10 Jahre zurück, und etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer*innen hatte Erfahrung mit Psychotherapie. Der Intelligenzquotient der beiden Gruppen unterschied sich durchschnittlich etwa um 12 IQ-Punkte. Die Vergleichbarkeit beider Gruppen ist durch die exakt gleiche Durchführung der beiden Ursprungsstudien und durch die Parallelisierung der Gruppen gewährleistet. Auch ermöglicht die gute Größe der Gruppen, die gleich starke Repräsentation beider Geschlechter sowie Hoch- und Höchstbegabter mit und ohne Therapieerfahrung als auch das Vorhandensein unterschiedlicher Bildungsgrade, Berufstätigkeiten und privaten Lebensmodelle einen breiten Einblick in die vielfältigen Lebenswege hoch- und höchstbegabter Menschen. Die Möglichkeit zu Freitextantworten gewährt außerdem einen deutlich breiteren Einblick in die Lebensrealität Hoch- und Höchstbegabter, als eine rein quantitative Erhebung dies gewährleisten hätte können. Bei der Interpretation der Ergebnisse ist jedoch auch einschränkend zu berücksichtigen, dass die Teilnehmer*innen beider Ursprungsstudien aus Hoch- und Höchstbegabtengruppen wie Mensa, der Triple Nine Society, UnIQate, der Mailingliste der Psychotherapeutin Frauke Niehues oder Facebook- Gruppen zum Thema Hochbegabung gewonnen wurden. Daher sind Selektionseffekte sehr wahrscheinlich und eine Generalisierung auf die Gesamtheit der Hoch- und Höchstbegabten kaum möglich. Selektionseffekte könnten dahingehend wirken, dass Hoch- und Höchstbegabte mit psychischen Problemen in den Studien überrepräsentiert sind. Es kann angenommen werden, dass Hoch- und Höchstbegabte, die in irgendeinem Lebensbereich Schwierigkeiten erleben, mit höherer Wahrscheinlichkeit im Rahmen der Ursachensuche eine Intelligenzdiagnostik durchlaufen, als solche, die ohne größere Probleme durchs Leben kommen. Des Weiteren ist es denkbar, dass sich von den diagnostizierten hoch- und höchstbegabten Menschen, die sich unglücklich, unterfordert oder einsam fühlen oder viele Konflikte mit Mitmenschen haben, ein größerer Anteil einer Hoch- oder Höchstbegabtengruppe anschließt, als das bei ähnlich Begabten der Fall ist, die über ein passendes soziales Umfeld verfügen, eine hohe Lebenszufriedenheit haben und in Beruf und Freizeit erfüllende Tätigkeiten verfolgen. Darüber hinaus könnte ein dritter Selektionseffekt darin bestehen, dass sich von den Mitgliedern der Hoch- und Höchstbegabtengruppen vor allem solche mit Schwierigkeiten im Leben für die Teilnahme an einer derartigen psychologischen Studie interessieren. Gleichzeitig sind aber auch Selektionseffekte in umgekehrter Richtung vorstellbar, nämlich dahingehend, dass die Teilnehmer*innen der Studien ihre Begabung stärker als Ressource erachteten, als das möglicherweise in der Gesamtheit der Hoch- und Höchstbegabten der Fall ist. Zu bedenken ist hier, dass die aller meisten Hoch- und Höchstbegabten gar nicht um ihr besonderes Potential wissen und beispielsweise im Hochbegabtenverein Mensa e.V. lediglich rund ein Prozent der Hochbegabten vertreten ist. Die Ergebnisse der Ursprungsstudien zeigen, dass Hoch- und Höchstbegabte ihre Begabung umso mehr als Ressource ansahen, je mehr Kontakt sie zu ähnlich begabten Menschen 42 hatten. Auch die Kenntnis um die Hoch- oder Höchstbegabung wurden mehrfach als große Entlastung wahrgenommen. Immer wieder schilderten Teilnehmer*innen, dass sich Schwierigkeiten durch die Kenntnis über die Begabung oder den Kontakt zu ähnlichen Menschen verringert hatten oder gar ganz verschwunden waren (Heil, 2021a, 2021b). Zudem muss bei der Interpretation der Freitextantworten berücksichtigt werden, dass manche Unterschiede auch zufällig entstanden sein könnten, da manche Themen nur mit geringer Häufigkeit angesprochen wurden und nicht davon ausgegangen werden kann, dass es den Teilnehmer*innen möglich war, alle für sie bedeutsamen Aspekte niederzuschreiben. Auch ist es denkbar, das der recht geringe Intelligenzunterschied in den beiden Vergleichsgruppen mögliche Unterschiede zwischen Hoch- und Höchstbegabten verdeckt. Daher wird weitere Forschung notwendig sein, um noch mehr Erkenntnisse über das qualitative Erleben von Hoch- und Höchstbegabten zu gewinnen. Was die vorliegende Studie jedoch liefern kann, sind erste Ansätze und Hinweise zum begabungsbezogenen Erleben und Verhalten. Vielleicht ermöglichen es gerade die vermuteten Selektionseffekte, dass sowohl Ressourcen als auch Belastungen im Zusammenhang mit der Begabung in den Studien besonders deutlich zum Vorschein kommen. 4.2 Gemeinsamkeiten und Unterschiede In sehr vielen der untersuchten Bereiche wiesen die beiden Vergleichsgruppen aus Hoch- und Höchstbegabten große Ähnlichkeit auf. Es zeigte sich jedoch bei Höchstbegabten nahezu durchweg eine, wenn auch zumeist nicht signifikante, stärkere Ausprägung der aller meisten untersuchten Merkmale. So war die kognitive und schulische Entwicklung bei Höchstbegabten leicht beschleunigt. Sie sprachen etwas früher ihre ersten Worte, lernten etwas früher lesen und rechnen, wurden etwas früher eingeschult, übersprangen etwas häufiger eine Klasse, erhielten etwas häufiger eine begabungsbezogene Förderung und schlossen etwas früher die Schulzeit ab. Signifikant war der Unterschied jedoch nur beim Alter des Rechnen Lernens. Allerdings zeigte sich bei Hochbegabten ein etwas höherer Bildungsgrad. Mehr als drei Viertel der Teilnehmer*innen beider Gruppen hatten das Abitur erreicht, Höchstbegabte jedoch etwas seltener als Hochbegabte. Zudem hatten Höchstbegabte signifikant häufiger einen Schulabschluss unterhalb der Fachhochschulreife (Hauptschule oder Mittlere Reife). Zudem hatten die Höchstbegabten (Student*innen ausgenommen) etwas seltener ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium abgeschlossen. Auch hinsichtlich der Berufstätigkeit wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede sichtbar. Während der Anteil der Angestellten mit knapp der Hälfte der Teilnehmer*innen in beiden Gruppen nahezu gleich war, waren Höchstbegabte (nicht berufstätige Personen ausgenommen) etwas häufiger beruflich selbstständig. Knapp die Hälfte der Höchstbegabten übten eine selbstständige Tätigkeit aus im Vergleich zu einem Drittel der Hochbegabten. Darüber hinaus bestand ein signifikanter Unterschied darin, dass Höchstbegabte deutlich häufiger mehrere berufliche Tätigkeiten ausübten, wie beispielsweise gleichzeitig ein Anstellungsverhältnis und eine Selbstständigkeit oder ein Studium und ein Anstellungsverhältnis. Während etwas mehr als ein Viertel der Höchstbegabten mehrere Tätigkeiten parallel ausübte, tat dies nur etwa ein Sechzehntel der Hochbegabten. Hieraus ergab sich auch ein signifikant höherer Anteil an Student*innen unter den Höchstbegabten, da viele dies berufsbegleitend absolvierten. Der Familienstand ähnelte sich in beiden Gruppen stark. Etwa drei Viertel der Teilnehmer*innen beider Gruppen befanden sich in einer Beziehung. Höchstbegabte hatten jedoch etwas häufiger und etwas mehr Kinder, wobei aber der Unterschied nicht signifikant war. Während etwas mehr als die Hälfte der Höchstbegabten Kinder hatte, war dies nur bei etwas weniger als der Hälfte der Hochbegabten der Fall. Es bestand keine Korrelation zwischen der Anzahl der Kinder und der Höhe des Ausbildungsabschlusses. 43 In den erfassten begabungsbezogenen Erlebens- und Verhaltensmerkmalen zeigten sich in beiden Gruppen moderate bis sehr hohe Ausprägungen. Bei der Mehrzahl dieser Merkmale hatten höchstbegabte Teilnehmer*innen höhere Werte als Hochbegabte: schnelles und komplexes Denken, logisch-analytische Fähigkeiten, visuell-räumlicher Denk- und Lernstil, intensive Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, Imaginationsneigung, Synästhesie, Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit, Kreativität, sehr gutes Gedächtnis, geringer Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten, breit gefächerte Interessen, Unabhängigkeit im Denken, hohes Energielevel, hohe Sensibilität, intensive Emotionalität, ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, Perfektionismus, Beschäftigung mit existenziellen Themen, Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens, hohe Bedeutung moralischer Werte. Jedoch waren lediglich die Mittelwertsunterschiede beim schnellen und komplexen Denken, beim visuell-räumlichen Denk- und Lernstil, bei der Imaginationsneigung, bei der Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit, bei der Kreativität und beim geringen Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten statistisch signifikant. Etwas niedrigere Ausprägungen, jedoch statistisch nicht signifikant, hatten Höchstbegabte bei den hohen sprachlichen Fähigkeiten, beim kritischen Denken, bei der hohen intrinsischen Motivation und beim Bedürfnis nach viel intellektuellem Input. Auch wiesen Höchstbegabte bei den meisten begabungsbezogenen Erlebens- und Verhaltensmerkmalen ein etwas stärkeres Ressourcenerleben auf als Hochbegabte: schnelles und komplexes Denken, logisch-analytische Fähigkeiten, visuell-räumlicher Denk- und Lernstil, intensive Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, Imaginationsneigung, Synästhesie, Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit, Kreativität, sehr gutes Gedächtnis, geringer Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten, breit gefächerte Interessen, Unabhängigkeit im Denken, Bedürfnis nach viel intellektuellem Input, hohes Energielevel, hohe Sensibilität, intensive Emotionalität, ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und Perfektionismus. Dies zeigte sich auch darin, dass Höchstbegabte einen höheren Gesamtwert der aufsummierten Ressourcen aufwiesen als Hochbegabte. Der Unterschied war jedoch nicht signifikant. Auch bei den einzelnen Merkmalen waren die Mittelwertsunterschiede nur beim visuell-räumlichen Denk- und Lernstil und beim geringen Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten statistisch signifikant. Bei der hohen intrinsischen Motivation war das Ressourcenerleben von Hoch- und Höchstbegabten identisch. Ein etwas geringeres Ressourcenerleben, jedoch statistisch nicht signifikant, hatten Höchstbegabte bei den hohen sprachlichen Fähigkeiten, beim kritischen Denken, bei der starken Beschäftigung mit existenziellen Themen, bei der Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens sowie bei der hohen Bedeutung moralischer Werte. Beim Belastungserleben der Merkmale zeigten sich nur geringfügige Unterschiede zwischen Hoch- und Höchstbegabten. Lediglich das schnelle und komplexe Denken wurde von Höchstbegabten signifikant stärker als Belastung erlebt. Eine etwas höhere Belastung, jedoch statistisch nicht signifikant, erlebten Höchstbegabte bei den logisch-analytischen Fähigkeiten, beim visuell- räumlichen Denk- und Lernstil, bei der intensiven Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, beim sehr guten Gedächtnis, bei der Unabhängigkeit im Denken, bei der intensiven Emotionalität, beim Perfektionismus, bei der starken Beschäftigung mit existenziellen Themen und bei der Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens. Nahezu identisch war das Belastungserleben beider Gruppen bei der Synästhesie, bei der Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit, bei der hohen intrinsischen Motivation, bei der hohen Sensibilität und beim ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Hochbegabte waren etwas stärker belastet, jedoch statistisch nicht signifikant, durch die Imaginationsneigung, die Kreativität, den geringen Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten, die hohen sprachlichen Fähigkeiten, das kritische Denken, die breit gefächerten Interessen, das Bedürfnis nach viel intellektuellem Input, das hohe Energielevel und die hohe Bedeutung moralischer Werte. Die eher geringen Unterschiede im Belastungserleben zeigten sich auch im Gesamtwert der aufsummierten Belastungen, der bei Höchstbegabten nur leicht höher war als bei Hochbegabten. 44 Hinsichtlich der begabungsbezogenen Schwierigkeiten zeigte sich nahezu durchgängig eine höhere Ausprägung bei Höchstbegabten bei insgesamt moderaten bis hohen Werten in beiden Gruppen. Höchstbegabte Teilnehmer*innen hatten höhere Werte bei der Unterforderung in Ausbildung und Beruf, bei der Langeweile bei Routineaufgaben des Alltags, beim Gefühl der Andersartigkeit, bei Mobbing, bei Sinnkrisen, bei Problemen anderen Menschen zu vertrauen und sich auf Beziehungen einzulassen, bei der Einsamkeit, bei ungenügenden Lernstrategien sowie beim Underachievement. Hierbei waren die Unterschiede im Gefühl der Andersartigkeit und in den ungenügenden Lernstrategien statistisch signifikant. Dies spiegelte sich auch im Gesamtwert der aufsummierten begabungsbezogenen Schwierigkeiten, der bei Höchstbegabten signifikant höher war als bei Hochbegabten. Lediglich das Gefühl des Unverstandenseins wurde von hochbegabten Teilnehmer*innen etwas häufiger erlebt. Gemäß der Parallelisierung hatten etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer*innen bereits Erfahrung mit Psychotherapie. Hierbei war die durchschnittliche Anzahl der durchlaufenen Therapien nahezu identisch. Alle Teilnehmer*innen mit Therapieerfahrung hatten mindestens eine ambulante Psychotherapie absolviert. Etwa ein Achtel der Teilnehmer*innen war bereits in stationärer Behandlung, Hochbegabte geringfügig häufiger als Höchstbegabte. Hinsichtlich der angewandten Therapieverfahren bei therapieerfahrenen Teilnehmer*innen hatten deutlich mehr Hochbegabte eine Verhaltenstherapie erhalten. Auch die Hypnotherapie, die systemische Therapie, die Gesprächstherapie und die Traumatherapie wurden von Hochbegabten öfter angegeben. Gleich viele Hoch- und Höchstbegabte hatten eine Psychoanalyse durchlaufen. Etwas mehr Höchstbegabte hatten eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie, eine dialektisch-behaviorale Therapie oder eine körperzentrierte Therapie hinter sich oder hatten keine Kenntnis über das eingesetzte Verfahren. An gestellten Diagnosen nannten fast drei Viertel der Höchstbegabten mit Therapieerfahrung eine Depression, während dies nur etwas mehr als die Hälfte der Hochbegabten berichteten. Eine Autismus-Spektrum-Störung wurde von fast einem Fünftel der Höchstbegabten mit Therapieerfahrung angegeben, während dies lediglich von etwas weniger als einem Sechzehntel der Hochbegabten erwähnt wurde. Auch benannten Höchstbegabte öfter die Diagnosen ADHS oder ADS, soziale Phobie, Essstörung, Panikstörung, schizotype Störung, spezifische Phobie und dissoziative Störung. Zudem war wesentlich mehr Höchstbegabten keine Diagnose bekannt. Zusätzlich zur deutlich größeren Häufigkeit von Autismus-Spektrum-Störungen bei Höchstbegabten, äußerten diese auch häufiger, ohne gesicherte Diagnose bei sich selbst Autismus zu vermuten. Hochbegabte nannten häufiger eine posttraumatische Belastungsstörung, eine Anpassungsstörung, eine generalisierte Angststörung, eine psychosomatische Störung, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung, eine bipolare Störung, eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung und eine Somatisierungsstörung. Gleich häufig erwähnten Hoch- und Höchstbegabte eine Borderline-Störung, eine Suchterkrankung sowie eine akute Belastungsreaktion. Bei den Unterschieden hinsichtlich der gestellten Diagnosen ist zu berücksichtigen, dass insbesondere die in der Reihenfolge zuletzt genannten Diagnosen nur mit sehr geringer Häufigkeit erwähnt wurden, so dass die Unterschiede dort praktisch nicht interpretiert werden können. Auf die Frage nach Fehldiagnosen antworteten mehr als doppelt so viele Höchstbegabte (etwas mehr als ein Achtel), dass sie fälschlicherweise Diagnosen erhalten hatten, die zu einem späteren Zeitpunkt von einer mit Hochbegabung erfahrenen Fachperson wieder zurückgenommen wurden. Rund zwei Dritteln der Teilnehmer*innen mit Therapieerfahrung war ihre Begabung bereits vor der Therapie bekannt, darunter geringfügig mehr Hochbegabten. Dafür äußerten etwas mehr Höchstbegabte, dass die Begabung während der Therapie festgestellt wurde. Bei rund einem Fünftel der Teilnehmer*innen mit Therapieerfahrung war die Begabung zum Zeitpunkt der Therapie noch nicht bekannt. Ungefähr zwei Drittel der Höchstbegabten und etwas mehr als die Hälfte der Hochbegabten hatten die Begabung im Rahmen der Therapie angesprochen. Jedoch gab etwa ein Achtel der Hochbegabten an, nicht mehr zu wissen, ob sie die Begabung erwähnt hatten. Etwas mehr 45 als ein Drittel der Teilnehmer*innen beider Gruppen befanden sich bei Therapeut*innen mit Erfahrung im Bereich der Hochbegabung. Bei Höchstbegabten war dies minimal öfter der Fall als bei Hochbegabten. Während mehr Hochbegabte nicht wussten, ob spezifische Kenntnisse bei ihren Therapeut*innen vorhanden waren, berichteten mehr Höchstbegabte, dass ihre Therapeut*innen nicht über Kenntnisse zu Hoch- und Höchstbegabung verfügten. Somit können diese Angaben als vergleichbar betrachtet werden. In den Variablen der Therapiezufriedenheit fühlten sich Hochbegabte etwas besser von ihren Therapeut*innen verstanden und erlebten die Zusammenarbeit als etwas gelungener bei insgesamt moderaten Werten. Die Unterschiede waren jedoch nicht signifikant. Die Berücksichtigung der Begabung in der Therapie wurde in beiden Gruppen eher gering und sehr ähnlich eingeschätzt. In den Freitextantworten zu allen erfassten Bereichen spiegelten sich die quantitativen Befunde insofern, dass zahlreiche qualitative Themen sowohl von Hoch- als auch von Höchstbegabten berichtet wurden, die höchstbegabten Teilnehmer*innen die einzelnen Themen jedoch zumeist häufiger benannten und insgesamt auch eine größere Vielfalt von Themen ansprachen als Hochbegabte. Im Folgenden soll eine Darstellung von möglichen Unterschieden zwischen Hoch- und Höchstbegabten vorgenommen werden, indem Zusammenhänge in den komplexen Ergebnissen der Vergleichsstudie exploriert werden. Hierfür werden sowohl die Ergebnisse der quantitativen Erhebung herangezogen, als auch die Befunde der Freitextantworten. Bei dieser Analyse wird der Fokus auf diejenigen Aspekte gelenkt, in denen sich trotz der vielen Gemeinsamkeiten deutliche Unterschiede zwischen Hoch- und Höchstbegabten gezeigt haben. In den Freitextantworten benannte Themen werden dann einbezogen, wenn sie in der einen Gruppe von mindestens zwei Personen mehr erwähnt wurden als in der anderen Gruppe. Zwar können einzelne Freitextantworten wie weiter oben beschrieben aufgrund der geringen Häufigkeit der Erwähnung mancher Themen und möglicher Zufallsbefunde schwer interpretiert werden, jedoch erscheint mir eine Interpretation von Mustern über verschiedene Hochbegabungsmerkmale und -schwierigkeiten hinweg durchaus möglich. 4.2.1 Kognitive Differenziertheit Die Befunde der vorliegenden Studie legen nahe, dass Höchstbegabte im Vergleich zu Hochbegabten ein noch komplexeres und vielschichtigeres Denken aufweisen, mehr Aspekte gleichzeitig erfassen, sich Denkprozesse auf einer höheren Abstraktionsebene abspielen, das Lernen eher netzwerkartig oder mosaikhaft anstatt sequenziell erfolgt und die Art des Denkens von Höchstbegabten vor allem intrapersonell als große Ressource wahrgenommen wird. Das schnelle und komplexe Denken, die Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit sowie der visuell-räumliche Denk- und Lernstil waren bei Höchstbegabten signifikant stärker ausgeprägt. Untermauert wird dies durch die Tatsache, dass Höchstbegabte in den Freitextantworten zumeist eine größere Vielfalt von Aspekten eines Themas ansprachen als Hochbegabte. Insgesamt stimmt dies mit den Erkenntnissen von Jacobsen (2000) überein. Die logisch-analytischen Fähigkeiten, die Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit sowie der visuell- räumliche Denk- und Lernstil wurden von Höchstbegabten deutlich häufiger als Normalität und als identitätsstiftend wahrgenommen. Auch empfanden Höchstbegabte erheblich häufiger Freude an der eigenen Art zu denken, was beim visuell-räumlichen Denk- und Lernstil, bei der Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit, beim kritischen Denken sowie bei der Unabhängigkeit im Denken erwähnt wurde. Höchstbegabte berichteten darüber hinaus im Zusammenhang mit dem visuell-räumlichen Denk- und Lernstil und mit dem schnellen und komplexen Denken wesentlich häufiger, große Gedankensprünge zu vollziehen. Ein weiterer von Höchstbegabten deutlich öfter genannter Aspekt war das vorausschauende Denken, das beim schnellen und komplexen Denken, bei den logisch- analytischen Fähigkeiten und beim visuell-räumlichen Denk- und Lernstil Erwähnung fand. Außerdem benannten wesentlich mehr Höchstbegabte als Ressource ihres schnellen und komplexen 46 Denkens, viele Facetten eines Themas gleichzeitig zu betrachten, ein hohes Arbeitstempo zu haben, sich entsprechende Herausforderungen zu suchen, die Fähigkeit bei kreativen Projekten als Bereicherung zu erleben, sich in ungewohnten Situationen schnell zurechtzufinden sowie zügig zu lernen. Sowohl die logisch-analytischen Fähigkeiten als auch das kritische Denken wurden von Höchstbegabten öfter als hilfreich fürs Problemlösen angesehen. Ebenso schilderten Höchstbegabte merklich häufiger, durch ihre hohen logisch-analytischen Fähigkeiten komplexe Zusammenhänge schnell zu erschließen und für diese Art zu denken Wertschätzung von anderen Menschen zu erhalten. Mit erheblich größerer Häufigkeit äußerten Höchstbegabte des Weiteren, mit Hilfe ihres visuell- räumlichen Denk- und Lernstils Zusammenhänge und Querverbindungen zu erkunden und Informationen aus verschiedenen Quellen oder mit Vorwissen zu verknüpfen und den netzwerkartigen Denkstil als Voraussetzung für schnelles Denken zu begreifen. In den Antworten zur Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit gaben Höchstbegabte deutlich häufiger an, dass sie Prinzipien sehr gut erfassen könnten, die Fähigkeit hilfreich fürs Erinnern und fürs Analysieren zwischenmenschlicher Situationen sei, ihr Denkstil sehr abstrakt sei, das Denken ihnen ein Gefühl der Sicherheit vermittle und ein starker Zusammenhang zwischen Mustern und Logik bestehe. Im Kontext der Unabhängigkeit im Denken empfanden Höchstbegabte häufiger Stolz auf ihren Denkstil, hinterfragten bestehende Positionen, informierten sich sorgfältig vor der Bildung einer eigenen Meinung und schätzten die Unkonventionalität, die ihnen hierdurch ermöglicht wird. Wahrgenommene Belastungen bezogen sich bei Höchstbegabten insbesondere häufiger auf eine als zu ausgeprägt empfundene Kopflastigkeit, auf Schwierigkeiten, das eigene Denken herunterzufahren und auf Kompatibilitätsprobleme mit anderen Menschen hinsichtlich Schnelligkeit und Komplexität des Denkens. Als herausfordernd bezüglich des schnellen und komplexen Denkens betrachteten Höchstbegabte wesentlich öfter, beim Vereinfachen von Denkprozessen für andere Menschen viel Information auf der Strecke zu lassen, schneller zu denken als zu sprechen, wegen Langeweile oft ablenkbar zu sein, wegen der hohen Komplexität langsamer zu denken, andere Menschen wortgewaltig zu überrollen, wegen der Schnelligkeit manchmal auch falsche Ergebnisse zu erzielen und Gefahren überzubewerten. In den Erläuterungen zur Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit äußerten sie häufiger, ihr Denken nicht abschalten zu können, oft Muster zu sehen wo keine sind und Schwierigkeiten damit zu haben, wenn kein Muster identifiziert werden kann. Darüber hinaus benannten mehr Höchstbegabte, aufgrund ihres kritischen Denkens den Mund nicht halten zu können, nichts einfach hinnehmen zu können, hierdurch schwer entspannen und genießen zu können und zu wenig Leichtigkeit zu verspüren. In ähnlicher Weise berichteten sie in den Antworten zu den logisch- analytischen Fähigkeiten merklich häufiger, zu viel im Kopf und zu wenig im Erleben zu sein. Bei der Unabhängigkeit im Denken gaben mehr Höchstbegabte an, sich wegen ihrem differenzierten Denken mit der Bildung einer eigenen Meinung schwer zu tun. Im Kontrast hierzu erschien die Kompatibilität der Hochbegabten mit der Außenwelt hinsichtlich der genannten Fähigkeiten wesentlich höher zu sein, denn sie sahen im kritischen Denken, im schnellen und komplexen Denken, in der Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit sowie im sehr guten Gedächtnis deutlich häufiger einen Vorteil für den Beruf. Darüber hinaus waren die Eigenschaften für Hochbegabte häufig eine Quelle der Selbstwirksamkeit im Alltag. Sie gaben hinsichtlich der logisch- analytischen Fähigkeiten häufiger an, Freude an dieser Art des Denkens zu empfinden, hierdurch gut Fehler im System entdecken zu können und effektiv und effizient zu sein. Auch benannten Hochbegabte öfter, dass ihnen die Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit helfe, die Welt zu verstehen. Außerdem äußerten mehr Hochbegabte, dass ihr kritisches Denken sie vor Fehlern bewahre, ihnen Authentizität ermögliche und sie alles automatisch hinterfragten. Allerdings gaben sie bei der Unabhängigkeit im Denken öfter an, sich eher der Meinung anderer Menschen anzuschließen. In den Beschreibungen zum visuell-räumlichen Denk- und Lernstil berichteten Hochbegabte wesentlich 47 häufiger, eher sequenziell zu denken, was eine höhere Kompatibilität mit der Lern- und Arbeitsweise Normalbegabter impliziert. Belastungen bezogen sich bei Hochbegabten öfter auf das Verstricken in Denkprozessen, dadurch entstehende Unsicherheit sowie einen hohen Zeitbedarf für die kognitiven Abläufe. Hochbegabte erwähnten häufiger, durch ihr schnelles und komplexes Denken Schwierigkeiten beim Abschalten zu haben und einfache Dinge zu verkomplizieren. Auch gaben sie öfter an, aufgrund der hohen logisch- analytischen Fähigkeiten Dinge zu Tode zu denken und den Denkstil auch auf Unlogisches anzuwenden. Eine Herausforderung beim visuell-räumlichen Denk- und Lernstil sahen sie öfter darin, sich zu verzetteln und vom Thema abzuschweifen. Im Rahmen des kritischen Denkens fühlten sie sich häufiger durch Zweifel verunsichert, und im Zusammenhang mit der Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit äußerten mehr Hochbegabte, dass das Erkennen von Mustern und Zusammenhängen viel Zeit benötige. 4.2.2 Visuelle Orientierung Des Weiteren fiel bei Höchstbegabten eine wesentlich stärkere visuelle Orientierung auf, die in Übereinstimmung mit den Befunden der höheren kognitiven Differenziertheit steht. Während akustisch oder schriftlich dargebotene Informationen einer sequenziellen Erfassung bedürfen, ermöglichen Abbildungen oder mentale bildliche Vorstellungen die gleichzeitige Erfassung komplexer Zusammenhänge, deren Erläuterung bei einer Aneinanderreihung von Worten in Sprache oder Schrift viel mehr Zeit benötigen würde. Daher erscheint es nicht verwunderlich, dass gerade bei Höchstbegabten das Visuelle eine größere Bedeutung einzunehmen scheint. Neben der signifikant höheren Ausprägung des visuell-räumlichen Denk- und Lernstils zeigte sich bei Höchstbegabten auch eine signifikant höhere Ausprägung der Imaginationsneigung. Darüber hinaus fanden die visuelle Orientierung und das Vorhandensein bildhafter Denk- und Erlebensprozesse auch in den Beschreibungen des schnellen und komplexen Denkens, des sehr guten Gedächtnisses, der Synästhesie und der hohen sprachlichen Fähigkeiten Erwähnung. Höchstbegabte beschrieben beim visuell-räumlichen Denk- und Lernstil sowie beim schnellen und komplexen Denken deutlich häufiger eine bildhafte Denkstruktur. Auch im Rahmen der Imaginationsneigung schilderten sie öfter viele innere Bilder und Filme. In Zusammenhang mit der hohen kognitiven Vernetztheit Höchstbegabter zeigte sich auch beim Erleben von Synästhesien eine wesentlich stärkere visuelle Beteiligung. So äußerten deutlich mehr Höchstbegabte, dass Zahlen, Buchstaben oder Wochentage bei ihnen Farben besäßen und dass Zeit, Zahlen oder Buchstaben im Raum optisch angeordnet seien. Darüber hinaus beschrieben Höchstbegabte öfter, dass Zahlen und Buchstaben eine Persönlichkeit hätten. Sowohl bei der Imaginationsneigung als auch bei der Synästhesie wurden die bildlichen Wahrnehmungen und Vorstellungen von Höchstbegabten häufiger als freudvoll und bereichernd wahrgenommen. Eine Ressource ihrer visuellen Orientierung bei der Imaginationsneigung sahen mehr Höchstbegabte darin, sich reale Umgebungen gut vorstellen zu können. Sowohl in Bezug auf ihr sehr gutes Gedächtnis als auch in Bezug auf die Synästhesie schätzten sie wesentlich häufiger den positiven Einfluss der bildlichen Vorstellungen und Wahrnehmungen auf ihre Merkfähigkeit. Ihr Gedächtnis erlebten Höchstbegabte deutlich öfter vor allem bei Räumlichem, Orten und Bildern als herausragend, und berichteten zudem öfter, über ein bildhaftes Gedächtnis zu verfügen. Belastungen bezogen sich bei Höchstbegabten häufiger darauf, Visuelles schwer nach außen kommunizieren zu können. So beschrieben sie im Kontext ihres schnellen und komplexen Denkens wesentlich häufiger als Hochbegabte, Denkinhalte schwer in Worte fassen zu können, und im Zusammenhang mit dem sehr guten Gedächtnis äußerten mehr Höchstbegabte, dass eine Dekodierung von Bildern in Worte notwendig sei, um Gedächtnisinhalte kommunizieren zu können. Auch bei den hohen sprachlichen Fähigkeiten gaben sie öfter an, wegen ihrem bildhaften Denken und komplexen Abwägungen eher stockend zu sprechen. Derartige Schwierigkeiten wurden bereits von Siaud- 48 Facchin (2017) in Zusammenhang mit Hochbegabung beschrieben und scheinen insbesondere Menschen im obersten Intelligenzbereich zu betreffen. Die Andersartigkeit von Lernprozessen im Vergleich zu Normalbegabten sowie die Belastung durch negative visuelle Vorstellungen wurden von Höchstbegabten ebenfalls häufiger thematisiert. Als Folge ihres visuell-räumlichen Denk- und Lernstils schilderten sie öfter, dass Lernprozesse am Anfang langsamer als bei anderen Menschen vonstatten gingen und später aber schneller abliefen als bei anderen, wenn alles visualisiert sei. Im Rahmen der Imaginationsneigung gaben Höchstbegabte häufiger an, Filme mit Gewalt vermeiden zu müssen, lebendig zu träumen und Schwierigkeiten zu haben, brutale Bilder innerlich wieder los zu werden, sowie sich in negative Vorstellungen von Gefahren hineinzusteigern. Im Gegensatz hierzu schilderten Hochbegabte in den Beschreibungen zur Imaginationsneigung erheblich häufiger, über keine bildlichen Vorstellungen zu verfügen. Stattdessen schien sich ihre Fantasie zu großen Teilen eher auf andere Weise abzuspielen. Sie berichteten häufiger, sich mit ihrer Fantasie gut selbst beschäftigen zu können sowie mehr Alpträume zu erleben. Keinerlei Aspekte der visuellen Orientierung wurden von Hochbegabten häufiger erwähnt als von Höchstbegabten, was erneut die herausragende Bedeutung derselben bei Höchstbegabten unterstreicht. 4.2.3 Offenheit für Neues Bemerkenswert war außerdem die Freude und Begeisterungsfähigkeit, mit der Höchstbegabte neuen Themen und Herausforderungen begegneten, was durch die signifikant höhere Ausprägung der Kreativität bei Höchstbegabten untermauert wird und sich auch in den Freitextantworten zur Kreativität, zu den breit gefächerten Interessen, zum Inputbedarf und zur Imaginationsneigung zeigte. So schilderten sie in den Erläuterungen zur Kreativität deutlich häufiger, große Freude und Begeisterung bei der Schaffung von Neuem zu erleben, empfanden ihre Imaginationsneigung erheblich öfter als große Bereicherung, verspürten durch die breit gefächerten Interessen deutlich häufiger Freude und Begeisterungsfähigkeit für neue Themen und erlebten auch im Zuge des Inputbedarfes mehr Freude am Lernen. Darüber hinaus zeigte sich eine beeindruckende Vielfalt der Beschäftigung mit neuen Themen. Im Zusammenhang mit den breit gefächerten Interessen berichteten Höchstbegabte öfter, sich über vielfältige Bereiche Wissen angeeignet zu haben, Prioritäten hinsichtlich ihrer Interessen zu setzen, das Lesen zum Wissenserwerb zu nutzen und sich häufiger nacheinander tiefgründig mit unterschiedlichen Themen zu beschäftigen. Die Imaginationsneigung wurde von Höchstbegabten häufiger als zuträglich fürs psychische Wohlbefinden erachtet und zudem als Möglichkeit betrachtet, durch Fantasie die eigene Stimmung zu ändern. Auch gaben Höchstbegabte häufiger an, von anderen Menschen Wertschätzung für ihre reiche Fantasie zu ernten. Die breit gefächerten Interessen sowie die Imaginationsneigung wurden zudem von Höchstbegabten öfter als hilfreich fürs Problemlösen angesehen. In den Beschreibungen zur Kreativität schilderten Höchstbegabte häufiger, Bekanntes zu variieren, viele Optionen zu sehen, Gegenstände von ihrem eigentlichen Zweck zu entfremden, im musikalischen Bereich kreativ zu sein und diese Fähigkeit als hilfreich für den Beruf anzusehen. Beim Inputbedarf äußerten deutlich mehr Höchstbegabte, hauptsächlich Abwechslung zu benötigen, die nicht nur intellektueller Natur sein muss, sondern auch sensorisch oder emotional sein darf. Ebenfalls deutlich mehr Höchstbegabte bezogen ihren Input über Gespräche auf hohem Niveau, über Recherchen im Internet oder über das Hinterfragen von Sachverhalten. Die Kehrseite der hohen Offenheit für Neues bestand für Höchstbegabte häufig in ungenügender Anregung und Langeweile im Alltag. So benannten hinsichtlich des Inputbedarfes erheblich mehr Höchstbegabte, Schwierigkeiten zu haben, ausreichend Input zu finden. Auch in Bezug auf die breit gefächerten Interessen äußerten sie häufiger, dass neue Themen schnell langweilig würden und sie sich daher nur oberflächlich mit Dingen beschäftigten und sie kein Durchhaltevermögen hätten. Aber auch Überforderung und Zeitmangel für die Verfolgung aller Ideen wurden von Höchstbegabten 49 häufiger angesprochen. So berichteten sie im Zusammenhang mit den breit gefächerten Interessen öfter, dass sie durch die vielfältigen Beschäftigungen oft unter Überforderung oder Reizüberflutung litten. Zudem gaben sie häufiger an, durch die Imaginationsneigung Schwierigkeiten zu haben, in der Realität zu leben, und bei der Kreativität äußerten mehr Höchstbegabte, nicht genügend Zeit zu haben, um alle Ideen umzusetzen sowie kein Ventil für die Kreativität zu finden. Im Vergleich dazu betrachteten Hochbegabte lediglich die Imaginationsneigung öfter als hilfreich im Beruf und gaben bezüglich des Inputbedarfes häufiger an, eine Nebenbeschäftigung zu benötigen. Wesentlich öfter benannten sie jedoch die Vernachlässigung der Beschäftigung mit Neuem aufgrund alltäglicher Herausforderungen, ein deutlich geringeres Bedürfnis nach Anregung sowie die Irritation durch zu viel Neues. Auch erwähnten sie deutlich öfter, im Alltag zu wenig Zeit für neuen Input zu haben sowie durch zu viel Input überfordert zu sein, nur phasenweise Heißhunger nach Input zu verspüren, den Inputbedarf sogar immer wieder ganz zu vergessen, die innere Gedankenwelt oder einfache Tätigkeiten als ausreichenden Input zu erleben oder mit dem ausgeglichenen Verhältnis aus Arbeit und Entspannung im Alltag zufrieden zu sein. Im Rahmen der breit gefächerten Interessen äußerten Hochbegabte häufiger, leicht ablenkbar zu sein, sich schwer auf ein Thema fokussieren zu können und sich zu verzetteln sowie eher eng begrenzte Interessen zu haben. 4.2.4 Hohe Aktivität Das hohe Potential von Höchstbegabten, ihre große Offenheit für Neues sowie ein häufig auch stark ausgeprägtes Energielevel waren bei den höchstbegabten Teilnehmer*innen oft mit einem sehr hohen Aktivitätsniveau im Alltag assoziiert. Obwohl Höchstbegabte sich ähnlich häufig in einer Partnerschaft befanden und sogar etwas mehr Kinder hatten, übten sie signifikant häufiger eine berufliche Mehrfachtätigkeit aus, verbunden mit einem etwas höheren Anteil an beruflich Selbstständigen und an Student*innen, was ein bereits von Schwiebert (2015) in Zusammenhang mit Hochbegabung beschriebener Befund ist. Zuträglich hierfür erschienen auf quantitativer Ebene bei Höchstbegabten die signifikant höhere Ausprägung des geringen Übungsbedarfes bei neuen Fertigkeiten sowie die ebenfalls etwas höheren Werte Höchstbegabter bei der intensiven Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, bei den breit gefächerten Interessen, beim sehr guten Gedächtnis und beim hohen Energielevel. Auch die Freitextantworten untermauerten dies. Es wurde offensichtlich, dass Höchstbegabten zumeist vieles gleichzeitig möglich war, dies sowohl beruflich als auch privat Vorteile mit sich brachte und die Umsetzung oft mit Leichtigkeit erfolgte. Erheblich mehr Höchstbegabte erwähnten, aufgrund ihres geringen Übungsbedarfes bei neuen Fertigkeiten generell schnell im Lernen zu sein und vor allem bei Handwerklichem wenig Übung zu benötigen. Auch berichteten sie in diesem Zusammenhang öfter, vor allem intellektuelle Dinge rasch zu beherrschen, durch den geringen Übungsbedarf vielfältige berufliche Möglichkeiten zu haben, stets schnell bei den Besten zu sein sowie wenig Übung beim Musizieren zu benötigen. Außerdem schilderten Höchstbegabte wesentlich öfter, sich durch ihr sehr gutes Gedächtnis fast alles merken zu können und sich wortgetreu an Gesprächsverläufe zu erinnern. Ebenfalls häufiger äußerten sie, sich an die früheste Kindheit unter drei Jahren erinnern zu können, vieles aus dem Stehgreif reproduzieren zu können und empfanden das sehr gute Gedächtnis als praktisch für den Alltag und als hilfreich fürs Lernen. Einhergehend mit der intensiven Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer sowie der hohen intrinsischen Motivation äußerten Höchstbegabte deutlich öfter, in einen Zustand des Flow-Erlebens zu geraten und bei konzentrierter Tätigkeit die Zeit zu vergessen. Des Weiteren gaben wesentlich mehr Höchstbegabte an, durch ihre hohen sprachlichen Fähigkeiten mehrere Fremdsprachen zu sprechen und erachteten ihre Eloquenz als hilfreich für den Beruf sowie fürs Schreiben von Texten und äußerten, durch diese Fähigkeit Dinge gut auf den Punkt bringen zu können. Darüber hinaus benannten deutlich mehr Höchstbegabte, Input auch über berufliche Zusatzprojekte, Weiterbildungen und praktische Tätigkeiten zu beziehen. Beim hohen Energielevel schilderten Höchstbegabte erheblich häufiger, dass ihre Energie vorteilhaft für die Leistungsfähigkeit und die Verfolgung ihrer 50 Interessen sei und hierdurch vieles gleichzeitig möglich sei. Zur Reduktion der Unterforderung in Beruf oder Ausbildung empfanden es Höchstbegabte häufiger als hilfreich, sich quantitativ zu überlasten sowie im eigenen Tempo zu lernen. In ähnlicher Weise benannten Höchstbegabte zur Kompensation der Langeweile bei Routineaufgaben des Alltags öfter, die unzureichend herausfordernden Tätigkeiten durch Nebentätigkeiten, Nachdenken, Variation oder Schnelligkeit anzureichern. An Belastungen erwähnten Höchstbegabte häufiger, auf ihre Fähigkeiten oft nur bei hohem eigenem Interesse zugreifen zu können. So wurde dies bei der intensiven Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer, beim sehr guten Gedächtnis, bei der hohen intrinsischen Motivation und beim hohen Energielevel erwähnt. Darüber hinaus gaben Höchstbegabte öfter an, sich aufgrund ihrer intensiven Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer bei konzentrierter Arbeit sehr über Störungen von außen zu ärgern, sich in Sachen zu verbeißen und nicht los zu kommen, dadurch an Überlastung zu leiden sowie nur manchmal konzentriert zu sein. Zudem erwähnten sie öfter, aufgrund ihres sehr guten Gedächtnisses durch detaillierte Erinnerungen an Negatives belastet zu sein. Des Weiteren berichteten mehr Höchstbegabte, nur bei erlebter Sinnhaftigkeit intrinsische Motivation aufbringen zu können. Als Folge des hohen Energielevels benannten sie häufiger, Sozialkontakte zu vernachlässigen und einen guten Nachtschlaf als Ausgleich für die hohe Aktivität am Tag zu benötigen. Auch berichteten mehr Höchstbegabte, dass ihr Energielevel im Alter nachgelassen habe. Im Vergleich hierzu erwähnten Hochbegabte ebenfalls zahlreiche Merkmale hoher Aktivität, die sich auf Selbstwert und Selbstwirksamkeit positiv auswirkten. Mehr Hochbegabte gaben an, durch ihren geringen Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten Freude am schnellen Lernen zu empfinden. Ebenfalls häufiger benannten sie, durch die hohe intrinsische Motivation mehr Ausdauer zu besitzen. Im Rahmen ihrer Kreativität berichteten mehr Hochbegabte, in einen Zustand des Flow-Erlebens zu geraten. Auch erwähnten Hochbegabte öfter, dass andere mit ihrer Energie nicht mithalten könnten. Des Weiteren schilderten sie deutlich häufiger, sich aufgrund ihrer hohen sprachlichen Fähigkeiten in Diskussionen überlegen zu fühlen. Ihr sehr gutes Gedächtnis bezog sich wesentlich häufiger auf Fakten, Zahlen, Namen sowie Erlebtes und Emotionales. Hochbegabte schilderten häufiger, mehr intrinsische als extrinsische Motivation zu haben und erwähnten zudem wesentlich öfter, kaum oder gar nicht auf extrinsische Anreize anzusprechen, während allerdings Höchstbegabte wesentlich öfter erwähnten, in ihrer Motivation sowohl intrinsische als auch extrinsische Aspekte zu erkennen. Zur Verringerung der Unterforderung in Beruf oder Ausbildung benannten mehr Hochbegabte, diese durch Nebenbeschäftigungen oder Multitasking zu kompensieren. Eine Betrachtung der Einschränkungen und Belastungen zeigte jedoch, dass die hohe Aktivität von Hochbegabten nicht ganz so übergreifend und eher auf spezifische Bereiche oder Situationen begrenzt zu sein schien. Hochbegabte schilderten häufiger die Notwendigkeit von Ruhephasen. Sie äußerten hinsichtlich des geringen Übungsbedarfes bei neuen Fertigkeiten öfter, schnell Langeweile und Widerstand zu verspüren, wenn Wiederholungen gefordert wurden. Im Kontext der hohen sprachlichen Fähigkeiten benannten mehr Hochbegabte, durch sprachliche Abwägungen viel Zeit zum Schreiben von Texten zu benötigen. In den Erläuterungen zur intensiven Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer erwähnten Hochbegabte öfter, nur bei herausfordernden Aufgaben konzentriert und ausdauernd zu sein und ansonsten weniger auf diese Fähigkeit zugreifen zu können sowie zwar konzentriert, aber wenig ausdauernd zu sein. Ebenfalls häufig benannten sie, wegen intensiver Konzentration bis zur Erschöpfung dran zu bleiben und unter Schlafmangel zu leiden. Hinsichtlich des sehr guten Gedächtnisses berichteten mehr Hochbegabte, ein eher schlechtes Gedächtnis zu besitzen. Auch schilderten Hochbegabte hinsichtlich breit gefächerter Interessen öfter, zu wenig Zeit für die Verfolgung aller Interessen zu haben. In Bezug auf ihr Energielevel erwähnten sie deutlich häufiger, nur phasenweise bei einem neuen Interesse viel Energie zu verspüren und ansonsten eher wenig bis durchschnittlich viel Energie zu haben sowie viele Ruhephasen und viel Schlaf zu 51 benötigen. Schließlich merkten sie hinsichtlich der Langeweile bei Routineaufgaben des Alltags auch deutlich häufiger an, Routineaufgaben zur Entspannung zu nutzen. 4.2.4 weiter Horizont Zudem deuten die Ergebnisse der Studie darauf hin, dass Höchstbegabte vor allem auf mentaler Ebene zumeist einen weiteren Horizont betrachten, der deutlich über das persönliche Leben hinausgeht und globale Themen sowie das Universum einbezieht. Obwohl Höchstbegabte in den quantitativen Daten zur Beschäftigung mit existenziellen Themen, zum ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, zu den hohen moralischen Werten und zu Sinnkrisen nur minimal höhere Werte aufwiesen, zeigten sich doch wesentliche qualitative Unterschiede in den Freitextantworten. Hinsichtlich der Beschäftigung mit existenziellen Themen gaben Höchstbegabte häufiger an, emotional sehr engagiert zu sein, Gespräche über derartige Themen sehr zu schätzen, dabei Sinnhaftigkeit zu erleben und bezüglich dieser Themen Gelassenheit zu verspüren. Inhaltlich beschäftigten sich Höchstbegabte häufiger mit Tod, Krankheit, Krieg und Klimawandel. In Zusammenhang mit den hohen moralischen Werten äußerten Höchstbegabte erheblich öfter, dass ihnen diese als Kompass dienten und sie den eigenen Werten im Handeln folgten. Auch schilderten mehr Höchstbegabte, stolz auf ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn zu sein sowie von anderen Menschen Wertschätzung für ihre Fairness zu erhalten. Hieraus resultierende Belastungen bestanden für Höchstbegabte häufiger in negativer emotionaler Überflutung, in zwischenmenschlichen Enttäuschungen, in einer als gering empfundenen Selbstwirksamkeit, in Hoffnungslosigkeit und in Zukunftsängsten, was häufig auch einen Selbstschutz hiervor erforderlich machte. Beim ausgeprägten Gerechtigkeitssinn berichteten sie öfter, dass Ungerechtigkeit und unmoralisches Verhalten anderer Menschen bei ihnen zu Wut und Frust führe und sie den Mund nicht halten könnten. Auch bei den hohen moralischen Werten gaben sie häufiger an, dass sie von unmoralischem Verhalten anderer Menschen enttäuscht seien und dass sie durch moralisches Verhalten gesellschaftliche Nachteile erlitten. Durch die mit existenziellen Themen oft verbundene Not sahen sie sich deutlich häufiger gezwungen, derartige Themen zu verdrängen, da ihnen das Leid unerträglich erschien. Zudem waren sie sich stärker über die geringen eigenen Einflussmöglichkeiten bewusst, vermieden öfter zum Selbstschutz bestimmte Nachrichten, ärgerten sich öfter über unbedachtes Verhalten anderer Menschen und taten sich mit Gelassenheit schwerer. Bei Sinnkrisen benannten Höchstbegabte wesentlich häufiger, dass sich diese in Depressionen ausdrückten und dass regelmäßige Sinnkrisen zu ihrem Leben gehörten und als Normalität wahrgenommen würden. Als Ursachen für Sinnkrisen schilderten Höchstbegabte deutlich öfter über das eigene Leben hinausgehende globale oder universelle Themen, große Lebensveränderungen wie beispielsweise den Berufseinstieg, den Tod nahestehender Menschen oder Arbeitslosigkeit, fehlende sinnhafte Potentialausschöpfung, zwischenmenschliche Enttäuschungen, Einsamkeit und Zukunftssorgen. Hierbei gaben Höchstbegabte auch häufiger an, dass die Sinnkrisen eine regelmäßige Neuorientierung notwendig machten. Diese Befunde decken sich mit dem Konzept der existenziellen Depression (Webb, Amend, Webb, Goerss & Hornung, 2015; Webb, Tucson & Hornung, 2020), von der Höchstbegabte möglicherweise öfter betroffen sind. Bei Hochbegabten standen hinsichtlich dieser Themen eher das hilfreiche Handeln sowie ein damit verbundenes Erleben von Selbstwirksamkeit und Erfüllung im Vordergrund. Sie benannten häufiger, sich aufgrund ihres ausgeprägten Gerechtigkeitssinns für Gerechtigkeit und für Schwächere einzusetzen und wurden von anderen Menschen öfter für ihre hohen moralischen Werte anerkannt. Als Resultat der Beschäftigung mit existenziellen Themen äußerten mehr Hochbegabte, durch Helfen oder Spenden konsequent zu handeln, einen Beruf in diesem Bereich auszuüben sowie sich nur Betätigungen zu suchen, mit denen sich im Kleinen sicher etwas bewegen lässt. Allerdings schilderten auch deutlich mehr Hochbegabte, dass ihnen existenzielle Themen zwar im Hintergrund bewusst seien, sie aber kein Bedürfnis zu handeln verspürten. Auch gaben mehr Hochbegabte an, mittlerweile 52 zu akzeptieren, dass es nicht immer gerecht zugehen könne, und sie äußerten öfter, dass Sinnkrisen nur früher aufgetreten seien, jedoch heute nicht mehr. Somit kann bei Hochbegabten eine geringere emotionale Belastung durch diese Themen vermutet werden. Vorhandene Belastungen bezogen sich in erster Linie auf die Interaktion mit anderen Menschen. So gaben sie öfter an, durch ihren ausgeprägten Gerechtigkeitssinn mit Mitmenschen in Konflikt zu geraten und hierbei auch Nachteile in Kauf zu nehmen sowie schwer über andere Menschen urteilen zu können. Bei den hohen moralischen Werten benannten sie, dass der Austausch mit anderen Menschen hierüber schwierig sei. Auch bei den Sinnkrisen wurde deutlich, dass diese sich bei Hochbegabten öfter auf die persönlichen Lebensumstände bezogen und weniger tiefgreifend erschienen. Als Ursachen hierfür sahen Hochbegabte öfter Schwierigkeiten bei der Partnersuche oder konnten gar keinen Grund benennen. Zur Bewältigung von Sinnkrisen erlebten sie öfter die Beschäftigung mit neuen Themen oder Projekten sowie den Sinn in der Religion als hilfreich. 4.2.5 Geringe Passung im System Die Ergebnisse der Studie veranschaulichen außerdem die deutlich geringere Passung Höchstbegabter mit Systemen wie Schule, Ausbildung und Arbeitsplatz. Insbesondere im Schulsystem erscheinen die Auswirkungen der geringen Passung am gravierendsten, was sich insbesondere durch die Diskrepanz zwischen dem intellektuellen Potential Höchstbegabter und ihrer Schulabschlüsse zeigte. Signifikant mehr Höchstbegabte hatten einen Schulabschluss unterhalb des Fachabiturs (Hauptschule oder Mittlere Reife). Auch verfügten Höchstbegabte etwas seltener über ein abgeschlossenes Studium. Als wesentlicher Faktor können die für Höchstbegabte viel zu geringen Anforderungen in Schule und Ausbildung angesehen werden, die dazu führen, dass Lernstrategien, Anstrengungsbereitschaft, Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz gar nicht oder ungenügend gelernt werden können. Eventuell sind diese Umstände auch mitverantwortlich dafür, dass Höchstbegabte etwas niedrigere Werte bei der hohen intrinsischen Motivation aufwiesen als Hochbegabte. In den Freitextbeschreibungen zum geringen Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten sowie zu den ungenügenden Lernstrategien schilderten mehr Höchstbegabte, wegen ihrem Widerstand gegen das Üben oder wegen fehlenden Strategien vieles nicht ausreichend lernen zu können, beispielsweise ein Musikinstrument oder Fremdsprachen. Ebenfalls häufiger berichteten Höchstbegabte im Zusammenhang mit dem geringen Übungsbedarf bei neuen Fertigkeiten und im Zusammenhang mit dem Underachievement, dass es ihnen an Lernstrategien fehle. Zudem benannten Höchstbegabte häufiger, dass ihr Wissen aufgrund der mit dem geringen Übungsbedarf einhergehenden fehlenden Notwendigkeit von Wiederholungen beim Lernen nicht mit Beispielen verknüpft sei und dass sie nur bei Dingen, die ihnen leicht fielen einen geringen Übungsbedarf hätten. Höchstbegabte gaben auch öfter an, manchmal schnell zu lernen und manchmal nicht. Im Kontext der ungenügenden Lernstrategien schilderten Höchstbegabte mit überragender Häufigkeit, dass sie in der Schule nahezu ohne Anstrengung alles lernen konnten. Ebenfalls deutlich mehr Höchstbegabte gaben an, Lernstrategien erst im Studium oder Beruf erworben zu haben, sich Lernstrategien selbst beigebracht zu haben, nur bei eigenem Interesse gut lernen zu können, wegen der fehlenden Notwendigkeit zu lernen keine Frustrationstoleranz entwickelt zu haben und nicht auswendig lernen zu können. Sowohl in den Erläuterungen zu den ungenügenden Lernstrategien als auch zum Underachievement bemängelten mehr Höchstbegabte, keine Förderung ihrer Begabung erhalten zu haben. Hinsichtlich der Langeweile bei Routineaufgaben des Alltags berichteten Höchstbegabte häufiger, einen starken Widerwille gegen Routineaufgaben zu verspüren, bei derartigen Tätigkeiten in einen Standby-Modus zu gehen, durch die Langeweile viele Flüchtigkeitsfehler zu machen, Routineaufgaben als sinnlos zu erleben oder die damit einhergehende Langeweile einfach auszuhalten. Während sich gleich viele Hoch- und Höchstbegabte in der Schule unterfordert fühlten, erlebten deutlich mehr Höchstbegabte Unterforderung noch im Studium und im Beruf, und hier insbesondere 53 in einem Anstellungsverhältnis. Ausgelöst hierdurch empfanden Höchstbegabte häufiger Langeweile. In Bezug auf Underachievement erwähnten Höchstbegabte wesentlich öfter, ihr Potential nicht für sich nutzbringend einsetzen zu können, trotz offensichtlichem Erfolg das Potential nicht ausgeschöpft zu sehen, sich ausgebremst zu fühlen, durch ein traditionelles weibliches Rollenbild behindert worden zu sein, wegen fehlenden Lernstrategien schlechte Schulnoten erbracht zu haben, bezüglich des eigenen Potentials unsicher zu sein und absichtlich Fehler in Klausuren eingebaut zu haben, um nicht besser zu sein als andere. Vermutlich mit ausgelöst durch ungenügende Herausforderungen, mangelnde Lern- und Arbeitsstrategien, unzureichende Spiegelung ihrer Leistungen und eventuelle Misserfolge zeigten Höchstbegabte deutlich mehr Selbstkritik sowie geringes Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten. So äußerten Höchstbegabte beim kritischen Denken, beim Perfektionismus sowie bei der Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens erheblich häufiger, sehr selbstkritisch zu sein. Zudem schilderten in den Beschreibungen zur Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens sowie zum Underachievement deutlich mehr Höchstbegabte, die eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen, ein zu geringes Zutrauen in sich selbst zu haben und sehr zurückhaltend zu sein. Des Weiteren gaben Höchstbegabte beim schnellen und komplexen Denken häufiger an, sich als langsam und begrenzt zu empfinden. Im Zusammenhang mit dem Underachievement schilderten mehr Höchstbegabte, lange Zeit gedacht zu haben ,dass sie dumm seien. Höchstbegabte begegneten den Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens jedoch auch mit mehr Gelassenheit und sahen sich eher in der Lage, Rat von anderen Menschen einzuholen. Verbunden mit der hohen Selbstkritik zeigte sich häufig auch ein stark ausgeprägter Perfektionismus, der teilweise als förderlich, häufig aber auch als Belastung wahrgenommen wurde. Höchstbegabte äußerten häufiger, Freude an perfekter Arbeit zu haben. Allerdings gaben sie auch deutlich öfter an, sehr hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen, wegen des Perfektionismus viel Zeit für Arbeiten zu benötigen, innerlich großen Druck zu verspüren, aufgrund der überhöhten Ansprüche blockiert oder überfordert zu sein und unter Versagensangst zu leiden. Folglich wünschten sich auch mehr Höchstbegabte, den Perfektionismus verringern zu wollen. Auch Hochbegabte berichteten von ungenügender Passung im System, allerdings nicht so konsistent wie Höchstbegabte. Stattdessen erwähnten sie auch häufig, dass sie sich anstrengen müssten oder genügend herausgefordert seien. Im Zusammenhang mit der Unabhängigkeit im Denken äußerten mehr Hochbegabte, Probleme mit systemkonformem oder regelkonformem Verhalten zu haben. Als Folge der ungenügenden Lernstrategien benannten sie öfter, deswegen schlechte Schulleistungen erbracht zu haben sowie das Gymnasium oder das Studium abgebrochen zu haben. Ausgelöst durch Unterforderung erwähnten Hochbegabte häufiger, kaum Anstrengungsbereitschaft und Durchhaltevermögen erworben zu haben und vor allem bei der Ausführung bekannter Tätigkeiten unterfordert zu sein. Aufgrund der Langeweile bei Routineaufgaben berichteten mehr Hochbegabte, Alltagsaufgaben aufzuschieben oder zu vermeiden, und im Kontext des Underachievements benannten Hochbegabte etwas öfter, ihr Potential im Beruf nicht ausschöpfen zu können. Allerdings berichteten sie in Zusammenhang mit den ungenügenden Lernstrategien häufiger, dass sie sich in Schule oder Studium trotz ihrer Begabung anstrengen hätten müssen. Auch gaben deutlich mehr Hochbegabte an, wegen ihrem herausfordernden Beruf keine Unterforderung zu erleben, generell in ihrem Leben kaum Unterforderung gespürt zu haben und die Hochbegabung zu nutzen, um faul sein zu können. In ähnlicher Weise erwähnten sie öfter, bei Routineaufgaben des Alltags keine Langeweile zu verspüren. In den Beschreibungen zum Underachievement äußerten sie schließlich deutlich häufiger, ihr Potential in anspruchsvollen Berufen (Arzt, Anwalt, Ingenieur etc.), in Hobbys oder beruflichen Nebentätigkeiten auszuschöpfen und überall eine Herausforderung zu finden, um das Potential weitestgehend zu nutzen. Bezüglich der Selbsteinschätzung schienen sich Hochbegabte eher an einer realistischen Selbstwahrnehmung zu orientieren, anstatt zu selbstkritisch zu sein. Bei der Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens äußerten mehr Hochbegabte, offen über eigene Grenzen und Fehler sprechen zu können, die realistische Selbsteinschätzung als 54 hilfreich zu erleben, die eigenen Grenzen eher erweitern zu wollen sowie sich über Selbstüberschätzung von anderen Menschen zu ärgern. Auch schien der Perfektionismus schwächer ausgeprägt zu sein. Hochbegabte erwähnten öfter, ordentlich aber nicht perfektionistisch zu sein, über ein gutes Maß an Effizienz zu verfügen und nicht zu lang an der letzten Feinheit zu schleifen. 4.2.6 Geringe Passung mit Normalbegabten Der wohl bedeutsamste Unterschied zwischen Hoch- und Höchstbegabten zeigte sich in der wahrgenommenen Andersartigkeit zum Großteil der Menschen und damit einhergehenden interaktionellen Herausforderungen. Quantitativ spiegelte sich dies im signifikant höheren Gefühl der Andersartigkeit sowie im signifikant höheren Gesamtwert der begabungsbezogenen Schwierigkeiten bei Höchstbegabten. Darüber hinaus wurden in den Freitextantworten zu zahlreichen begabungsbezogenen Erlebens- und Verhaltensmerkmalen sowie zu begabungsbezogenen Schwierigkeiten wie dem Gefühl der Andersartigkeit und des Unverstandenseins, erlebter Sinnkrisen, Vertrauensproblemen, Einsamkeit und Mobbing vielfältige Belastungen im zwischenmenschlichen Kontakt deutlich. Ein von Höchstbegabten wesentlich öfter benanntes Thema war das Warten auf langsamer oder weniger komplex denkende Menschen, das zumeist als sehr belastend empfunden wurde. Dies wurde beim visuell-räumlichen Denk- und Lernstil, beim geringen Übungsbedarf für neue Fertigkeiten und beim schnellen und komplexen Denken angegeben. Ein weiteres bedeutsames Thema bestand in der Wahrnehmung, dass andere Menschen nicht folgen können. Dies wurde bei den logisch-analytischen Fähigkeiten, bei den hohen sprachlichen Fähigkeiten und bei der Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit genannt. Als ebenfalls zentrale Herausforderung wurde die Vermittlung eigener Gedanken im Kontakt mit anderen Menschen betrachtet. Beim schnellen und komplexen Denken berichteten Höchstbegabte erheblich häufiger, dass sie große Anstrengung auf sich nähmen, um anderen Menschen ihre Gedanken verständlich zu machen und deren Perspektive einzunehmen. Die hohen sprachlichen Fähigkeiten führten bei Höchstbegabten öfter zu der Schwierigkeit, ihre Sprache für andere Menschen vereinfachen zu müssen. Auch beim Gefühl des Unverstandenseins benannten mehr Höchstbegabte das Problem, ihre Gedanken in für andere Menschen verständliche Worte zu fassen. Ebenfalls von wesentlicher Bedeutung war das Erleben von Unverständnis durch andere Menschen, das bei den breit gefächerten Interessen, bei der Kreativität, beim kritischen Denken und beim hohen Energielevel von Höchstbegabten deutlich öfter angesprochen wurde. Höchstbegabte schilderten häufiger, aufgrund ihrer Kreativität von anderen Menschen eher Unverständnis anstatt Wertschätzung für ihre Ideen und Projekte zu erfahren. Als Folge des kritischen Denkens fühlten sich Höchstbegabte öfter generell in ihrem Denkstil unverstanden oder in ihrer Intention, mit Hinterfragen nur Denkprozesse anregen zu wollen. Beim Gefühl des Unverstandenseins ernteten sie vor allem Unverständnis für vorauseilendes Denken. Des Weiteren schilderten mehr Höchstbegabte, aufgrund ihres Denkstils in Konflikte mit anderen Menschen zu geraten, was beim schnellen und komplexen Denken und beim sehr guten Gedächtnis zur Sprache kam. Darüber hinaus gaben Höchstbegabte wesentlich öfter an, durch ihr schnelles und komplexes Denken genervte Reaktionen zu ernten, unter Missverständnissen mit anderen Menschen zu leiden und kaum ähnlich denkende Menschen zu kennen. Außerdem berichteten Höchstbegabte deutlich häufiger als Hochbegabte, sich aufgrund ihrer hohen logisch-analytischen Fähigkeiten über unlogisches Verhalten anderer Menschen zu ärgern, dadurch eine starke Entfernung zu anderen zu verspüren und mit ihren Analysen auf andere Menschen unempathisch oder emotionslos zu wirken. In den Beschreibungen zum visuell-räumlichen Denk- und Lernstil äußerten Höchstbegabte wesentlich öfter, von anderen Menschen beim Lernen oder Arbeiten als unstrukturiert oder chaotisch angesehen zu werden, dümmer als andere zu wirken und eine Inkompatibilität mit der Lern- und Arbeitsweise anderer Menschen zu erleben. Die intensive Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer führte bei Höchstbegabten häufiger dazu, dass andere Menschen erschöpft waren, wenn etwas begann für sie selbst interessant zu werden. Bei der Mustersuche und Abstraktionsfähigkeit gaben Höchstbegabte öfter an, unsicher zu werden, 55 wenn andere Menschen von ihnen erkannte Muster nicht wahrnähmen. Aufgrund des sehr guten Gedächtnisses berichteten sie öfter, Irritation auszulösen, wenn sie sich an Dinge erinnerten, die anderen entfallen seien. Ebenfalls häufiger erwähnten sie, dass andere aufgrund des sehr guten Gedächtnisses oft fälschlicherweise dächten, sie hätten großes Interesse an ihnen oder würden Buch über sie führen. Zudem benannten Höchstbegabte wesentlich häufiger, durch ihre hohen sprachlichen Fähigkeiten auf andere Menschen angeberisch oder hochnäsig zu wirken. Des Weiteren schilderten sie deutlich öfter, sich aufgrund ihres kritischen Denkens über unhinterfragtes oder inkompetentes Handeln anderer Menschen zu ärgern sowie auf andere Menschen problemfokussiert und überkritisch zu wirken. In den Beschreibungen zur Unabhängigkeit im Denken gaben Höchstbegabte erheblich öfter an, dass dies bei anderen Menschen unerwünscht sei, dass diese sich hierdurch bedroht fühlten und dass sie wenig Wertschätzung für diese Eigenschaft erhielten. Mit überragender Häufigkeit schilderten Höchstbegabte beim Gefühl der Andersartigkeit, beim Gefühl des Unverstandenseins und bei der Einsamkeit, dass dies in ihrem Leben ständig präsent sei. Deutlich häufiger als Hochbegabte fühlten sich Höchstbegabte im Rahmen ihres Gefühls der Andersartigkeit, als würden sie von einem fremden Planeten stammen, kannten keine oder kaum ähnliche Menschen, hatten öfter das Gefühl, falsch oder komisch zu sein, spürten Andersartigkeit vor allem in einem bildungsfernen Umfeld und fühlten sich öfter als Randerscheinung. Sowohl beim Gefühl der Andersartigkeit als auch bei den Problemen, anderen Menschen zu vertrauen und sich auf Beziehungen einzulassen, erwähnten Höchstbegabte öfter, aus Angst vor Unverständnis und Ablehnung nur schwer tiefere Beziehungen eingehen zu können. In den Erläuterungen zum Gefühl des Unverstandenseins berichteten mehr Höchstbegabte, wegen Schwierigkeiten mit Smalltalk als komisch wahrgenommen zu werden und sich von niemandem in allen Bereichen verstanden zu fühlen, jedoch gaben sie auch öfter an, nicht sehr kommunikativ zu sein. An Problemen, anderen Menschen zu vertrauen und sich auf Beziehungen einzulassen, berichteten Höchstbegabte deutlich häufiger, gegenüber anderen Menschen sehr misstrauisch zu sein und nur sehr wenigen Menschen zu vertrauen oder sogar noch nie jemandem vertraut zu haben. Sowohl bei den Problemen, anderen Menschen zu vertrauen und sich auf Beziehungen einzulassen, als auch bei der Einsamkeit äußerten wesentlich mehr Höchstbegabte, viele Bekannte aber nur wenige enge Freunde oder sogar gar keine Freunde zu haben. Zudem beklagten Höchstbegabte in den Schilderungen zur Einsamkeit wesentlich häufiger, dieses Gefühl in Gesellschaft zu verspüren. All diese interaktionellen Belastungen waren auch mit ausgeprägteren Mobbing-Erfahrungen bei Höchstbegabten assoziiert. Sie schilderten mit überragender Häufigkeit, durch andere Kinder und Jugendliche, durch Vorgesetzte, in der Ausbildung sowie durch Lehrer*innen gemobbt worden zu sein. Auch Mobbing wegen Übergewicht wurde von Höchstbegabten öfter benannt. Als Folge der erlebten Andersartigkeit sowie der häufigen negativen Reaktionen von Mitmenschen schilderten wesentlich mehr Höchstbegabte, sich übermäßig stark an andere Menschen anzupassen. So gaben Höchstbegabte deutlich häufiger an, aufgrund ihres Gefühls des Unverstandenseins Überanpassung zu betreiben und hierdurch große Unsicherheit bezüglich der eigenen Identität zu verspüren. Auch beim Gefühl der Andersartigkeit berichteten Höchstbegabte öfter eine starke Überanpassung in der Vergangenheit, und beim kritischen Denken gaben deutlich mehr Höchstbegabte an, sich aus Anpassung mit der eigenen Meinung zurückzuhalten. Auch auf das Erleben von Psychotherapien schlugen sich die zwischenmenschlichen Erfahrungen Höchstbegabter nieder. An wahrgenommenen Belastungen standen hier vor allem mangelnde Akzeptanz der Klient*innen sowie Fehleinschätzungen durch Therapeut*innen im Vordergrund. Fürs Verständnis durch Therapeut*innen und für die Zusammenarbeit in der Therapie empfanden es mehr Höchstbegabte als hinderlich, wenn Therapeut*innen die Klient*innen nicht ernst nahmen. Zudem waren deutlich mehr Höchstbegabte in der therapeutischen Zusammenarbeit und hinsichtlich der Berücksichtigung ihrer Begabung mit ablehnenden Reaktionen auf die Begabung oder mit Herunterspielen derselben konfrontiert. Auch das Stellen von Fehldiagnosen entsprechend der Befunde von Webb et al. (2015) sowie das generelle Treffen von Fehlannahmen wurde in den 56 Beschreibungen zum Verständnis durch Therapeut*innen und zur Berücksichtigung der Begabung von Höchstbegabten öfter kritisiert. Außerdem litten Höchstbegabte in der therapeutischen Zusammenarbeit öfter unter unzureichenden begabungsbezogenen Kenntnissen der Therapeut*innen sowie unter Vorwürfen und Unterstellungen. Im Vergleich hierzu benannten auch Hochbegabte einige interaktionelle Herausforderungen häufiger als Höchstbegabte, jedoch schienen diese insgesamt enger begrenzt und oft weniger tiefgreifend zu sein. Sie berichteten öfter, durch die logisch-analytischen Fähigkeiten sowie durch das kritische Denken Konflikte mit anderen Menschen zu erleben. Jedoch äußerten sie auch häufiger, dass die logisch-analytischen Fähigkeiten bei ihnen nicht so ausgeprägt seien. Auch gaben Hochbegabte öfter an, wenig Wertschätzung von anderen für ihre Imaginationsneigung zu erhalten. Darüber hinaus äußerten sie häufiger, durch ihr sehr gutes Gedächtnis unsicher zu sein, mit welchen Erinnerungen sie ihre Mitmenschen konfrontieren können. Die hohen sprachlichen Fähigkeiten hatten bei mehr Hochbegabten zur Folge, dass ihre exakte Ausdrucksweise von anderen Menschen abgelehnt wurde und sie unangenehme Situationen durch Herausreden gut vermeiden konnten. Beim kritischen Denken benannten Hochbegabte öfter, dass andere Menschen sich bedroht fühlten. An der Unabhängigkeit im Denken schätzten sie hingegen häufiger, dass andere Menschen durch ihre Unkonventionalität inspiriert würden und dass sie bewusst entschieden, ob sie sich der Meinung anderer Menschen anschließen möchten. Das Gefühl der Andersartigkeit sahen mehr Hochbegabte vor allem in der Kindheit und Jugend als stark ausgeprägt an und betonten zudem ihre Abgrenzung vom Mainstream. Beim Gefühl des Unverstandenseins berichteten Hochbegabte deutlich häufiger, dass dies nur gelegentlich auftrete und für sie nicht belastend sei. Das Gefühl des Unverstandenseins wurde von mehr Hochbegabten sowohl auf der gedanklichen als auch auf der emotionalen Ebene wahrgenommen, sie fühlten sich nur von wenigen Menschen verstanden und erlebten etwas öfter Unverständnis bei Optimierungsvorschlägen. Bei den Problemen, anderen Menschen zu vertrauen und sich auf Beziehungen einzulassen, schilderten Hochbegabte deutlich häufiger, dass sie eher zu vertrauensselig seien, dass Vertrauen und sich einlassen für sie keine Schwierigkeit sei und dass sie im Kontakt mit anderen Menschen über eine gute Intuition verfügten. Hochbegabte mit Vertrauensproblemen äußerten, andere Menschen lang zu prüfen bis ein Einlassen möglich sei und schon seit vielen Jahren Single zu sein. Einsamkeit erlebten Hochbegabte häufiger bei einem fehlenden Gefühl der Zugehörigkeit oder des Verstandenseins und gaben hier auch öfter an, sich durch ihr Single-Sein einsam zu fühlen und nur wenige Freunde zu haben. Mobbing wurde von Hochbegabten deutlich seltener erlebt. Diejenigen, die derartige Erfahrungen berichten konnten, hatten dies vor allem in bildungsfernen Umfeldern oder wegen ihrem unmodernen Äußeren erfahren. Bei Psychotherapien wahrgenommene Belastungen bestanden in erster Linie in therapeutischem Fehlverhalten sowie in unzureichendem Input. Sie erlebten es fürs empfundene Verständnis durch Therapeut*innen und für die Zusammenarbeit in der Therapie öfter als hinderlich, wenn zu wenig Input durch Methoden vorhanden war. Auch fühlten sie sich von Therapeut*innen weniger gut verstanden, wenn sie unzureichend gespiegelt wurden. Für die Zusammenarbeit in der Therapie empfanden Hochbegabte häufiger das Schweigen der Therapeut*innen als kontraproduktiv, und hinsichtlich der Berücksichtigung ihrer Begabung kritisierten sie häufiger, dass die Begabung nicht thematisiert wurde. An hilfreichen Bewältigungsstrategien für die genannten Schwierigkeiten benannten mehr Höchstbegabte, sich besser verstanden zu fühlen, wenn sie sich in die Perspektive anderer Menschen versetzten und wenn sie sich verständlich ausdrückten. Als wirksam gegen Mobbing erlebten Höchstbegabte häufiger ihre hohe Sensibilität und ihre Empathie. Hochbegabte empfanden zur Reduktion des Gefühls der Andersartigkeit öfter ein wertschätzendes Umfeld als förderlich. Zur Kompensation der Einsamkeit gaben Hochbegabte öfter an, sich in Bücher oder Computerspiele zu flüchten. Ein sehr zentrales Thema für Höchstbegabte war die Kenntnis über die eigene Begabung, die sie in den Beschreibungen zum schnellen und komplexen Denken, zur Bewusstheit der Grenzen des eigenen Wissens, Könnens und Verstehens, zur Unterforderung in Beruf oder Ausbildung und zum 57 Gefühl der Andersartigkeit als außerordentlich hilfreich beschrieben. Auch der Kontakt zu anderen Hoch- und Höchstbegabten wurde von deutlich mehr Höchstbegabten wertgeschätzt. So wurde dies beim visuell-räumlichen Denk- und Lernstil, bei den hohen sprachlichen Fähigkeiten, beim Inputbedarf und beim Gefühl des Unverstandenseins angegeben. Lediglich beim Gefühl der Andersartigkeit gaben etwas mehr Hochbegabte an, dass sie vom Kontakt mit anderen Hochbegabten profitiert hätten. Übereinstimmend mit diesen Befunden äußerten Höchstbegabte bei ihren Wünschen an Therapeut*innen und als essenziellen Faktor fürs Verständnis durch Therapeut*innen und für die Zusammenarbeit in der Therapie mit überragender Häufigkeit, dass Therapeut*innen selbst hochbegabt oder intellektuell auf Augenhöhe sein sollten oder erachteten das Vorhandensein dieser Therapeuteneigenschaft als notwendig für den Behandlungserfolg. Ein weiteres wesentliches Thema im Rahmen einer Therapie war Akzeptanz und ernst genommen werden, was fürs Verständnis durch Therapeut*innen, für die Zusammenarbeit in der Therapie, für die Berücksichtigung der Begabung und bei den Wünschen an Therapeut*innen von Höchstbegabten deutlich öfter als relevant erachtet wurde. Auch die Anerkennung der Hochbegabung als Teil der gesunden Persönlichkeit wurde von Höchstbegabten fürs Verständnis durch Therapeut*innen, für die Zusammenarbeit in der Therapie und bei den Wünschen an Therapeut*innen deutlich häufiger als notwendig angesehen. Des Weiteren wurde das entgegengebrachte Zutrauen fürs Verständnis durch Therapeut*innen sowie für die Berücksichtigung der Begabung von Höchstbegabten öfter als positiv betrachtet. Weitere fürs Verständnis durch Therapeut*innen von Höchstbegabten öfter angesprochene Themen waren eine sympathische Art sowie der gute persönliche Austausch. Für die Zusammenarbeit in der Therapie erachteten es Höchstbegabte häufiger als hilfreich, wenn Therapeut*innen gut zuhörten und viel Input durch Methoden erfolgte. Bei den Wünschen an Therapeut*innen benannten sie deutlich häufiger die angemessene Berücksichtigung der Hochbegabung, Aufgeschlossenheit und Unvoreingenommenheit, das Erfragen oder Diagnostizieren der Hochbegabung, ein individualisiertes Vorgehen, die Nutzung des kognitiven Potentials der Klient*innen, keine Berührungsängste, keinen Neid oder kein Unterlegenheitsgefühl sowie Authentizität, Selbstsicherheit, Selbstreflexion und Empathie von Therapeut*innen. Hochbegabte erachteten es fürs Verständnis durch Therapeut*innen häufiger als förderlich, wenn sie gespiegelt wurden. Für die Zusammenarbeit in der Therapie schätzten sie öfter eine gute Gesprächsführung sowie die Aufdeckung blinder Flecken und unangenehmer Sachverhalte. Zur angemessenen Berücksichtigung der Begabung betrachteten Hochbegabte häufiger einen guten persönlichen Austausch mit Therapeut*innen als hilfreich. Bei den Wünschen an Therapeut*innen empfanden mehr Hochbegabte Kenntnisse über Hoch- und Höchstbegabung, Kommunikation auf Augenhöhe sowie die Berücksichtigung von Vorwissen der Klient*innen als relevant. 4.2.7 Vulnerabilität Schließlich liefert die Studie auch Hinweise darauf, dass bestimmte Erkrankungen oder emotionale Belastungsfaktoren bei Höchstbegabten wahrscheinlich gehäuft auftreten, was in Kontrast zu ihrer hohen Aktivität steht und möglicherweise einen der von Andrea Brackmann festgestellten Gegensätze bestätigt (Brackmann, 2020). Bei den gestellten Diagnosen psychischer Erkrankungen, die therapieerfahrene Teilnehmer*innen erwähnt hatten, fiel neben einer etwas höheren Häufigkeit von Depressionen bei Höchstbegabten vor allem das erheblich gehäufte Vorkommen einer Autismus- Spektrum-Störung auf. Rund ein Fünftel der therapieerfahrenen Höchstbegabten hatte eine Diagnose im Autismusspektrum, und hinzu kamen noch einige weitere Höchstbegabte, die ohne gesicherte Diagnose bei sich Autismus vermuteten. Dieser Befund stimmt mit den Erkenntnissen von Karpinski et al. (2018) überein, die in einem Vergleich von über 3000 Mensa-Mitgliedern aus den USA mit Daten aus der Normalbevölkerung bei den Hochbegabten unter anderem signifikant mehr Personen mit einer Autismus-Spektrum-Störung sowie mit einer affektiven Störung (wozu auch Depressionen zählen) fanden. In der Studie von Karpinski et al. wurde nicht zwischen Hoch- und Höchstbegabung 58 differenziert. Jedoch könnte in Kombination mit den Befunden der hier dargestellten Studie vermutet werden, dass die Häufigkeit der genannten Erkrankungen in der Gruppe der Hoch- und Höchstbegabten mit steigendem IQ zunimmt. Unterstützt wird diese Hypothese durch die Erkenntnisse von Andrea Brackmann, die in ihrem Buch „Jenseits der Norm“ (Brackmann, 2017) postuliert, dass Autismus insbesondere bei Extremausprägungen der Intelligenz, also bei Höchstbegabung, vorkomme. Sowohl Brackmann als auch Karpinski et al. sehen als Ursache für diese Befunde eine Übererregbarkeit des zentralen Nervensystems, die zu einer hohen Reizoffenheit führt (mehr Denken, Fühlen und Wahrnehmen) und bei extremer Ausprägung autistische Symptome verursacht, die zum Schutz vor den unzähligen eingehenden Eindrücken dienen. Der Zusammenhang zwischen hoher Reizoffenheit und kognitiver Vernetztheit mit Autismus findet sich auch in der psychologischen Fachliteratur zum Autismus (Wilczek, 2019). Die etwas größere Häufigkeit von Depressionen bei Höchstbegabten kann mit der geringeren Passung im System und mit Normalbegabten, mit den signifikant stärker ausgeprägten begabungsbezogenen Schwierigkeiten sowie mit häufigeren Sinnkrisen in Verbindung gebracht werden. Zusätzlich zur Übererregbarkeit des Nervensystems postulieren Karpinski et al. auch eine Übererregbarkeit des Körpers bei Hochbegabten. Diese hatten signifikant häufiger Allergien, Asthma und Autoimmunerkrankungen im Vergleich zur Normalbevölkerung. Auch hier könnte eine positive Korrelation zum Intelligenzquotient bestehen, denn in den Beschreibungen zur intensiven Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer sowie zum hohen Energielevel berichteten Höchstbegabte deutlich häufiger, dass dies wegen Krankheit herabgesetzt sei. Auch abgesehen von Erkrankungen zeigten sich Unterschiede zwischen beiden Gruppen in der hohen Sensibilität und in der intensiven Emotionalität. Vor allem beschrieben sich Höchstbegabte häufiger als sensorisch hochsensibel sowie als emotional verletzlich in Beziehungen. So schilderten sie wesentlich öfter, dass ihre hohe Sensibilität bei Geräuschen, Gerüchen, Licht und Visuellem, Berührungen, Geschmack und bei Schmerz stärker ausgeprägt sei. Auch äußerten mehr Höchstbegabte, sich nur sensorisch, aber nicht emotional als hochsensibel zu erleben. Im interaktionellen Bereich erwähnten Höchstbegabte öfter, dass ihre hohe Sensibilität hilfreich für Beziehungen sei und sie hierdurch psychologische Zusammenhänge besser analysieren könnten, aber auch, dass sie in Beziehungen verletzlicher seien und dass es ihnen schwerer falle, Eindrücke richtig zu deuten. Die intensive Emotionalität wurde von Höchstbegabten öfter als Bereicherung wahrgenommen, sie beschrieben häufiger intensive Emotionen jeglicher Qualität zu empfinden, aber auch sehr verletzlich und kränkbar zu sein, häufig zu weinen, bewusst Strategien einsetzen zu müssen, um sich wieder zu beruhigen, durch die intensive Emotionalität im Kontakt mit anderen Menschen belastet zu sein sowie ihre Emotionen nur ausgewählten Personen zu offenbaren. Es schilderten jedoch auch mehr Höchstbegabte, emotional sehr ausgeglichen zu sein. Eine wesentliche Ursache für die hohe emotionale Verletzlichkeit vieler Höchstbegabter dürfte in ihrer großen Andersartigkeit und damit verbundenen Erfahrungen von Unverständnis und Ablehnung begründet liegen. Die sehr hohe sensorische Sensibilität in Verbindung mit emotionalen Belastungen könnte zudem auch in Zusammenhang mit dem gehäuften Vorkommen autistischer Symptome bei vielen Höchstbegabten stehen, die es auf der Grundlage einer sehr hohen Reizoffenheit vor allem im sozio-emotionalen Bereich erschweren, soziale Situationen richtig zu interpretieren. Im Vergleich hierzu verfügten Hochbegabte gerade im sozio-emotionalen Bereich über sehr feine Antennen und klagten weniger über zwischenmenschliche Verletzungen, sahen sich jedoch auch stärker mit den Grenzen ihrer sensorischen und emotionalen Verarbeitungskapazität konfrontiert, indem sie sich durch zu viele Eindrücke belastet, verunsichert oder überflutet fühlten. So schilderten sie als Folge ihrer hohen Sensibilität erheblich häufiger, ein feines Gespür für Stimmungen und Emotionen anderer Menschen zu haben. Sie klagten jedoch auch deutlich öfter darüber, durch die Wahrnehmung von Negativem auf sensorischer oder emotionaler Ebene stark belastet zu sein, unter Reizüberflutung zu leiden, die Wahrnehmung nicht abschalten zu können, schwer zwischen den eigenen Gefühlen und denen anderer Menschen trennen zu können, sich für andere Menschen 59 verantwortlich zu fühlen und sich in Konfliktsituationen nicht mehr konstruktiv verhalten zu können. Bei der intensiven Emotionalität benannten mehr Hochbegabte, sich ein dickeres Fell zu wünschen, aber auch, nur als Kind sehr emotional gewesen zu sein sowie sich generell als eher wenig emotional zu erleben. 4.3 Schlussfolgerungen Die dargestellten Befunde geben interessante Hinweise auf mögliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen hoch- und höchstbegabten Erwachsenen. Es konnte insgesamt eine tendenziell stärkere Ausprägung begabungsbezogener Erlebens- und Verhaltensmerkmale bei Höchstbegabten festgestellt werden mit bedeutsamen Unterschieden in der kognitiven Differenziertheit, der visuellen Orientierung, der hohen Offenheit für Neues, der hohen Aktivität und des weiten Horizonts. Hierdurch eröffneten sich den höchstbegabten Teilnehmer*innen im Alltag zahlreiche Entfaltungs- und Betätigungsmöglichkeiten, sowohl privat mit Familie und Hobbys als auch beruflich in Form von Mehrfachtätigkeiten oder Weiterbildungen. Auch empfanden sie ihre Begabung etwas stärker als Ressource. Es wurde aber auch auf drastische Art die geringe Passung Höchstbegabter mit Systemen wie Schule oder Ausbildung sowie die geringe Passung mit Normalbegabten deutlich, was durchschnittlich mit ausgeprägteren begabungsbezogenen Schwierigkeiten, einem etwas niedrigeren Bildungsgrad sowie mit vielfältigen interaktionellen Belastungen assoziiert war. Die Studie verdeutlicht, wie essenziell für Höchstbegabte eine frühzeitige Diagnostik der Begabung, eine adäquate Begabungsförderung sowie der ausreichende Kontakt zu ähnlich begabten Menschen sind, um das psychische Wohlbefinden zu erhalten, kognitiv herausgefordert zu sein, Lernstrategien, Anstrengungsbereitschaft und Frustrationstoleranz erwerben zu können, adäquates Feedback und Anregungen von außen zu bekommen und sich sozial eingebunden zu fühlen. Auch im Kontext einer Psychotherapie waren die Berücksichtigung der Begabung, das Ernstnehmen und Anerkennen ihrer Anliegen sowie die eigene Hoch- oder Höchstbegabung von Therapeut*innen für Höchstbegabte von wesentlich größerer Bedeutung. Waren derartige Voraussetzungen nicht gegeben, fühlten sich die höchstbegabten Teilnehmer*innen mit größerer Wahrscheinlichkeit unverstanden und erhielten häufiger Fehldiagnosen. Darüber hinaus ergaben sich Hinweise, dass unter Höchstbegabten Autismus- Spektrum-Störungen gehäuft auftreten und auch emotionale Belastungen bis hin zu Depressionen öfter vorkommen. Eine Generalisierung der Ergebnisse auf die Gesamtheit der Hoch- und Höchstbegabten erscheint aufgrund der weiter oben beschriebenen Selektionseffekte der Studie schwierig. Jedoch kann sie Ansatzpunkte für weitere Forschungsarbeiten liefern. Interessant wäre über den Vergleich zwischen Hoch- und Höchstbegabten hinaus auch ein Vergleich zwischen Hochbegabten und leicht überdurchschnittlich intelligenten oder normalbegabten Personen, um zu explorieren, ob sich mit steigender Intelligenz lediglich ein quantitativer Unterschied hinsichtlich der Erlebens- und Verhaltensmerkmale zeigt oder ob auch deutliche qualitative Unterschiede bestehen, so dass ab einer bestimmten Intelligenz Themen relevant werden, die zuvor praktisch kaum eine Rolle spielen. Eventuell könnte sich bei derartigen Forschungsarbeiten auch zeigen, dass qualitative „Sprünge“ nicht bei den von uns bisher festgelegten statistischen Grenzwerten von einer, zwei oder drei Standardabweichungen über dem Mittelwert des Intelligenzquotienten erfolgen, sondern irgendwo dazwischen. Um in künftigen Studien noch aussagekräftigere Befunde zu erzielen, könnten einige der hier dargestellten Ergebnisse aus den Freitextantworten in einem Fragebogen systematisch erhoben werden. Die recht große Teilnehmerzahl der beiden Ursprungsstudien mit Hoch- und Höchstbegabten liefert bereits einen recht breiten Einblick in das qualitative Erleben, woraus entsprechende Fragen abgeleitet werden könnten. So ließe sich auch quantitativ vergleichbar erfassen, inwiefern die qualitativen Aspekte bei unterschiedlichen Intelligenzniveaus relevant sind. 60 Um die Repräsentativität der Stichproben für die Gesamtheit der Hoch- und Höchstbegabten zu verbessern, sollten weiterhin Überlegungen angestellt werden, wie sich Studienteilnehmer*innen aus der Gesamtbevölkerung rekrutieren lassen. Eventuell besteht eine Möglichkeit darin, im Rahmen der Normierung von Intelligenztests entsprechende Teilnehmer*innen zu gewinnen. Um den Zusammenhang zwischen Hoch- und Höchstbegabung und psychischen Erkrankungen zu untersuchen, könnten Klient*innen von Psychotherapiepraxen eine Intelligenzdiagnostik absolvieren. Hier liegt jedoch eine Schwierigkeit darin, dass die Aussagekraft von Testergebnissen beim Vorliegen ernsthafter psychischer Erkrankungen stark eingeschränkt ist. Somit könnten Testungen erst nach einer deutlichen Symptomverbesserung oder nach Abschluss der Therapie durchgeführt werden. Dass die vorliegende Studie bereits bei einem Intelligenzunterschied von rund zwölf Punkten so bemerkenswerte Unterschiede zum Vorschein gebracht hat, bekräftigt die Theorie des „window of comprehension“ des Psychologen Dean Keith Simonton (Simonton 1985), der den Einfluss der Intelligenz auf Arbeitsbeziehungen untersuchte und zu dem Schluss kam, dass eine wirklich fruchtbare Zusammenarbeit nur möglich ist, wenn der Intelligenzunterschied der Beteiligten fünfzehn IQ-Punkte nicht übersteigt, da bei größeren Intelligenzunterschieden nicht mehr alle Überlegungen kommuniziert werden könnten. Auch Studien zu Paarbeziehungen kamen zu dem Schluss, dass ein möglichst ähnliches Intelligenzniveau der Partner*innen für die Beziehungszufriedenheit Hochbegabter förderlich ist (Dijkstra, Barelds, Groothof, Ronner & Nauta, 2012). All das verdeutlicht die Wichtigkeit, in der Hochbegabungsforschung nicht einfach alle Personen ab einem IQ von 130 „in einen Topf zu werfen“, sondern stattdessen zwischen unterschiedlichen Intelligenzniveaus innerhalb der Gruppe der Hochbegabten zu differenzieren. Dies erscheint als wesentlicher Faktor, damit Forschungsergebnisse für die schulische, berufliche, soziale, medizinische und psychologische Situation hoch- und höchstbegabter Menschen von Nutzen sind. 61 5 Literatur 5.1 Bücher und Artikel Brackmann, A. (2020). Extrem begabt: Die Persönlichkeitsstruktur von Höchstbegabten und Genies Leben lernen. Stuttgart: Klett-Cotta. Brackmann, A. (2017). Jenseits der Norm – hochbegabt und hochsensibel? Die seelischen und sozialen Aspekte der Hochbegabung bei Kindern und Erwachsenen leben lernen (9. Aufl.). Stuttgart: Klett-Cotta. Brackmann, A. (2016). Ganz normal hochbegabt: Leben als hochbegabter Erwachsener. Stuttgart: Klett-Cotta. Cross, J. R. & Cross, T. L. (2015). Clinical and mental health issues in counseling the gifted individual. Journal of Counseling and Development, 93 (2), 163-172. Dijkstra, P., Barelds, D. P., Ronner, S. & Nauta, A. P. (2016). Intimate Relationships of the Intellectually Gifted: Attachment Style, Conflict Style, and Relationship Satisfaction Among Members of the Mensa Society. Marriage & Family Review, 53 (3), 262-280. Ferriman, K., Lubinski, D., & Benbow, C. P. (2009). Work preferences, life values, and personal views of top math/science graduate students and the profoundly gifted: Developmental changes and gender differences during emerging adulthood and parenthood. Journal of Personality and Social Psychology, 97(3), 517–532. Gross, M. (2006). Exceptionally gifted children: long-term outcomes of academic acceleration and nonacceleration. Journal for the education of the gifted, 29(4), 404-429. Heil, C. (2021). Hochbegabte Erwachsene – ihr persönliches Erleben der Begabung und ihre Erfahrung mit Psychotherapie. Verfügbar unter: https://www.psychotherapie- heil.de/resources/PDFs/studie-hochbegabte-erwachsene-christina-heil-10-2021.pdf Heil, C. (2021). Höchstbegabte Erwachsene – ihr persönliches Erleben der Begabung und ihre Erfahrung mit Psychotherapie. Verfügbar unter: https://www.psychotherapie- heil.de/resources/PDFs/studie-hoechstbegabte-erwachsene-christina-heil-2021.pdf Heil, C. (2018). Psychotherapie mit hochbegabten Erwachsenen. Psychotherapeutenjournal, 3, 218- 224. Verfügbar unter: https://www.psychotherapeutenjournal.de/ptk/web.nsf/id/li_ausgabe_3-2018.html Jacobsen, M.-E. (2000). The Gifted Adult: A Revolutionary Guide for Liberating Everyday Genius. New York: Ballantine Booksß. Karpinski, R. I., Kinase-Kolba, A. M., Tetreault, N. A. & Worowskid, T. B. (2018). High intelligence: A risk factor for psychological and physiological overexcitabilities. Intelligence, 66, 8-23. Lubinski, D., Webb, R. M., Morelock, M. J., & Benbow, C. P. (2001). Top 1 in 10,000: A 10-year follow-up of the profoundly gifted. Journal of Applied Psychology, 86(4), 718–729. Niehues, F. (2021). Können macht Spaß! Ein Therapie- und Beratungskonzept für Hoch- und Höchstbegabte. Psychologie in Österreich, 2, 124-133. Rinn, A. M. & Bishop, J. (2015). Gifted Adults: A Systematic Review and Analysis of the Literature. Gifted Child Quarterly, 59 (4), 213-235. 62 Rost, D. H. (2009). Hochbegabte und hochleistende Jugendliche: Befunde aus dem Marburger Hochbegabtenprojekt (Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie). Münster: Waxmann. Rost, D. H. (1993). Lebensumweltanalyse hochbegabter Kinder: Das Marburger Hochbegabtenprojekt. Göttingen: Hogrefe. Schwiebert, A. (2015). Kluge Köpfe, krumme Wege? Wie Hochbegabte den passenden Berufsweg finden. Paderborn: Junfermann. Siaud-Facchin, J. (2017). Zu intelligent um glücklich zu sein? Was es heißt, hochbegabt zu sein. München: Goldmann. Simonton, D. K. (1985). Intelligence and personal influence in groups: Four nonlinear models. Psychological Review, 92, 532-547. Webb, J. T., Amend, E. R., Webb, N. E., Goerss, J. & Hornung, C. (2015). Doppeldiagnosen und Fehldiagnosen bei Hochbegabung: Ein Ratgeber für Fachpersonen und Betroffene. Göttingen: Hogrefe. Webb, J. T., Tucson, A. Z. & Hornung, C. (2020). Die Suche nach Sinn: Intelligenz im Spannungsfeld von Idealismus, Desillusionierung und Hoffnung. Göttingen: Hogrefe. Wilczek, B. (2019). Wer ist hier eigentlich autistisch?: Ein Perspektivwechsel. Kaltenkirchen: Mad man’s Magic. 5.2 Weblinks Therapie- und Beratungskonzept für Hoch- und Höchstbegabung der Psychotherapeutin Frauke Niehues: https://www.können-macht-spass.de Hochbegabtenverein Mensa e. V.: https://www.mensa.de Höchstbegabtenverein Triple Nine Society: https://www.triplenine.org Plattform für hochbegabte Erwachsene UnIQate: https://www.uniqate.org 63